Stipendien der F. Victor Rolff-Stiftung: Wie Gladbach zwei Künstler aus Berlin inspiriert

Stipendien der F. Victor Rolff-Stiftung : Wie Gladbach zwei Künstler aus Berlin inspiriert

Zwischen dem pulsierenden Berlin und dem idyllischen Gladbach liegen ziemlich genau 600 Kilometer. Unabhängig von der Entfernung würden manche wohl auch sagen, es liegen Welten dazwischen. Ihr Leben in der Hauptstadt haben zwei Künstler gerade für zwei Monate gegen ein Leben auf der Burg getauscht.

Stephen Wilks und Ellen Kobe sind die ersten, die Wohn- und Arbeitsstipendien von der F. Victor Rolff-Stiftung bekommen haben und auf der Burg Gladbach bis Ende September bleiben dürfen.

Dieser Ortswechsel kommt für den gebürtigen Briten Wilks genau zur richtigen Zeit. „Ich bin gerade in einer Phase, wo ich etwas entwickeln möchte. Ich denke, diese Stille und diese Möglichkeit sind genau, was ich jetzt brauche.“ Ähnlich begeistert klingt nach den ersten Tagen auf der Burg auch seine Mitbewohnerin auf Zeit: „Es ist so schön hier, ich vermisse nichts“, sagt Ellen Kobe, fügt aber schnell an, dass ihre Familie dabei ausgenommen sei, aber die kommt schließlich auch zu Besuch. Die 11-jährige Tochter war am vergangenen Wochenende mit auf der Burg und hat sich gleich an die Zauberschule Hogwarts aus den Harry-Potter-Büchern erinnert gefühlt.

So wie auf ihre Tochter hat die ungewöhnliche Unterkunft natürlich auch auf Ellen Kobe selbst eine bestimmte Wirkung und die wird sich unmittelbar in ihrer Arbeit widerspiegeln. Die gebürtige Dresdnerin ist Kuratorin und Performancekünstlerin. Ihre Performances hält sie in etwa 20-minütigen Filmen fest. Inhaltlich setzt sie sich stark mit Orten auseinander, recherchiert nun also die Geschichte von Gladbach und seiner Burg, und verknüpft dann das Historische entweder mit ihrer eigenen Biografie oder mit Zeigenössischem. „Ich möchte die Brücke schlagen zwischen dem Jetzt und dem Vergangenen“, erklärt sie. So hat sie bereits Tagebücher von F. Victor Rolffs Großmutter ausfindig gemacht. Was sie in den nächsten Wochen erarbeitet, wird aber keine Dokumentation, „was ich tue ist immer auch Erfindung“, sagt Kobe.

Keramik, Stoffe, Skizzenblock

Anders geht Stephen Wilks vor. Er ist Fotograf, arbeitet aber auch mit Keramik, Stoffen und seinen Skizzenblock hat er genau so im Gepäck wie einige Ideen. Einer seiner vielen Schwerpunkte ist die Straßenfotografie, der er sich auf Spaziergängen durch die Stadt widmet. Dieses urbane Umfeld kann ihm Gladbach zwar nicht bieten, aber auf die Spaziergänge freut sich Wilks trotzdem und er hat keinen Zweifel daran, dass ihm so manches Motiv begegnen wird. „Es freut mich, auf dem Land zu sein und ich bin sicher am Ende kommt etwas Schönes und Interessantes dabei raus.“

Was genau die künstlerischen Ergebnisse nach dem zweimonatigen Stipendium sein werden, ist von Seiten der Gastgeber ganz bewusst nicht vorgegeben. „Die Einladung war völlig offen, die Künstler sind frei, die Zeit für ein altes Projekt zu nutzen, ein neues zu beginnen, einfach die Ruhe zu genießen, aus dem Alltag heraus und zu sich zu kommen“, erklärt Birgit Althaus von der F. Victor Rolff-Stiftung. Es habe sich gezeigt, dass es viele Stipendien für Nachwuchskünstler und Berufseinsteiger gebe, aber kaum welche für Menschen ab 40 Jahren.

In diesem Alter hätten Künstler oft schon einige Höhen und Tiefen in ihrer Selbstständigkeit erlebt, hätten die Familienphase vielleicht gerade hinter sich und Anlass für eine neue Orientierung, sagt Althaus. Mit der Zielgruppe der Über-40-Jährigen hebe sich die Stiftung von der Masse ab und habe fast ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Nach dem ersten Anlauf in diesem Jahr sollen 2020 gleich sechs Stipendien vergeben werden, sodass von Mai bis Oktober Künstler auf der Burg unterkommen.