Kreis Düren: Wie die Rückkehr des Feldhamsters gelingt

Kreis Düren : Wie die Rückkehr des Feldhamsters gelingt

„Das ist eine tieftraurige Geschichte“, sagt Heidrun Düssel-Siebert und meint damit die Geschichte des Feldhamsters, die im Kreis Düren und darüber hinaus kein glückliches Ende fand. Die Geschäftsführin und wissenschaftliche Leiterin der Biologischen Station Düren führt aus: „Manche sagen, der Feldhamster ist schon ausgestorben.“

Sie selbst möchte nicht ausschließen, dass hier noch vereinzelt Tiere leben, aber die Population ist stark zusammengebrochen.

Heidrun Düssel-Siebert leitet die Biologische Station Düren. Foto: wel

Bis Ende der 90er Jahre gab es noch viele Feldhamster im Kreis Düren. Dass man hier mehrere Tiere gesehen hat, ist aber schon mehr als 20 Jahre her. Einzelne Tiere entdeckte man vor 15 Jahren und der jüngste — allerdings unbestätigte — Hinweis auf ein Tier war vor zwei Jahren. Dennoch: Düssel-Siebert bleibt optimistisch, dass es irgendwann wieder Feldhamster im Kreis Düren geben wird.

Wenn, dann wird vermutlich die Gemeinde Vettweiß der erste Ort sein, wo eine erneute Ansiedlung denkbar wäre. Dort wurden nämlich die letzten Tiere dieser Art gesichtet. Vor einigen Jahren verfügte das Umweltministerium, dass die letzten Exemplare, die im Bereich Zülpich lebten, eingefangen werden. In Metelen, im Norden Nordrhein-Westfalens, und im niederländischen Gaiazoo werden Feldhamster seitdem nachgezüchtet.

Damit sie hier wieder eine Chance haben, brauchen die Tierschützer einen wichtigen Partner im Boot: die Landwirtschaft. Ein Konflikt sei nämlich absehbar, meint Düssel-Siebert: Der Feldhamster lebt in hochertragreichen Löss- und Lehmböden. „Also dort, wo 100 Prozent gute Böden für Ackerbau sind, er muss graben können“, sagt die Spezialistin. Aus ihrer Sicht darf dort, wo Feldhamster leben, nicht hochintensiv gewirtschaftet werden. Ihr Ziel ist es deshalb, Landwirte zum feldhamstergerechten Wirtschaften zu motivieren, damit das Tier hier wieder einen geeigneten Lebensraum findet.

Eine Möglichkeit sieht sie im Vertragsnaturschutz: Per Vertrag zwischen dem Landkreis und den Bewirtschaftern wird ein finanzieller Ausgleich vereinbart, den die Landwirte für die Durchführung bestimmter Maßnahmen bekommen. Helfen könnte beispielsweise, eine Untersaat anzulegen, auf tiefes Pflügen zu verzichten, Getreidestoppeln als Nahrung aber auch als Schutz für die Tiere stehen zu lassen, keinen organischen Dünger zu verwenden oder sogar mehrjährig Klee oder Kleegras einzusähen.

Im Kreis Euskirchen wird das bereits versucht. In Zülpich sei eine Wiederansiedelung der Feldhamster für das nächste Jahr geplant, berichtet Düssel-Siebert. In Aachen wurden erstmals wieder Tiere im Freiland ausgesetzt. Noch ist das für den Kreis Düren nicht diskutiert. „Sollte es in Zülpich Erfolg haben, werden wir die Landwirte hier in der Region aufsuchen und versuchen, mit ihnen Flächen zu optimieren, damit sie geeignet sind. Diesen nächsten Schritt sehe ich aber nicht in diesem oder dem kommenden Jahr“, sagt die wissenschaftliche Leiterin.

Ihr Ziel ist, dass der Feldhamster in NRW nicht ausstirbt. „Es wäre schade, wenn wir ihn ganz verlieren würden. Das ist eine Art unserer heimischen Lebenswelt“, unterstreicht sie und ergänzt, dass es ein Zeichen unserer Zeit sei, dass einige Menschen sich weniger Gedanken um den Feldhamster in ihrer Gemeinde machen, als um das Nashorn oder den Schneeleoparden. „Die Kinder kennen die Tiere vor ihrer Haustür nicht mehr, haben keinen Bezug zu ihnen.“ Das möchten Düssel-Siebert und ihre Mitstreiter ändern.

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