Niederzier: Wie die Gemeinde Niederzier weiter wachsen will

Niederzier : Wie die Gemeinde Niederzier weiter wachsen will

Wie soll sich die Gemeinde Niederzier in den kommenden 15 bis 20 Jahren entwickeln? Wo könnten neue Wohngebiete entstehen? Wo wäre noch Raum für Gewerbeansiedlungen? Der bestehende Flächennutzungsplan (FNP) aus dem Jahr 1976, mittlerweile 61 Mal geändert, bietet kaum mehr geeignete Entwicklungsperspektiven, haben sich doch zahlreiche Rahmenbedingungen in den vergangenen 40 Jahren verändert.

Zuletzt erst der Landesentwicklungsplan, der für kleine Orte unter 2000 Einwohnern nur noch ein eingeschränktes Wachstum von etwa fünf Prozent der bisherigen Fläche vorsieht. In einem ersten Entwurf eines neuen Flächenutzungsplans, der Grundlage für die spätere Bauleitplanung ist, haben die Verwaltung und das Planungsbüro VDH das gesamte Gemeindegebiet aus städtebaulicher Sicht unter die Lupe genommen.

Unter Berücksichtigung von Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebieten, tektonischen Störzonen und dem notwendigem Abstand zu Hochspannungsleitungen haben sie neben der Beteiligung am Campus Merscher Höhe noch Potenzial für 23 Hektar neue Gewerbeflächen identifiziert — als Erweiterungen der bestehenden Gewerbegebiete Talbenden/Rurbenden (rund zehn Hektar) in Huchem-Stammeln und Forstweg in Oberzier bis zur Tagebaurandstraße (rund 13 Hektar), die im Idealfall interkommunal erschlossen werden sollen.

Darüber hinaus sieht der Entwurf mehr als 40 Hektar neuer Wohnbauflächen vor, insbesondere in den Siedlungsschwerpunkten Niederzier/Oberzier, Huchem-Stammeln und Ellen. Denn entgegen der allgemeinen Prognose für den ländlichen Raum gehen Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) und seine Kollegen der Verwaltung von einem weiteren Wachstum der aktuell knapp 14.600 Einwohner zählenden Gemeinde aus. Angesichts der guten Verkehrsanbindung und Infrastruktur erwartet Heuser in den kommenden Jahren vor allem Zuzug aus dem Raum Köln, „wo es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt“.

Dies habe bereits die Nachfrage nach Grundstücken im aktuellen Projekt, dem „Weiherhof-Quartier“ gezeigt. „Ich gehe daher von einer positiven Einwohnerentwicklung aus“, betont Heuser, der dies auch bei der Präsentation des Planentwurfs bei der Bezirksregierung Köln deutlich machen will.

Die Behörde muss den neuen Flächennutzungsplan nicht nur absegnen, sie wird sich mit Blick auf das landesplanerische Ziel, den Flächenverbrauch einzuschränken, auch jede einzelne Neuausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen ganz genau ansehen und überprüfen, ob sie notwendig ist. Dass dabei die eine oder andere im Niederzierer Rathaus wünschenswerte Idee gekippt werden wird, ist allen Beteiligten schon jetzt klar. Heuser erwartet schwierige und langwierige Abstimmungsgespräche, hofft aber, den neuen FNP noch in der laufenden Wahlperiode, bis 2020, verabschieden zu können.

Für die kleinen Orte Krauthausen, Hambach und Selhausen ist die Ausweisung neuer Wohngebiete besonders schwer. In Hambach sieht der Entwurf zwei neue Flächen (1,4 Hektar) nördlich des Schlosses und im Bereich Jugendverkehrsgarten vor, in Selhausen im östlichen Bereich Richtung Bahn gut 3500 Quadratmeter, da im Westen die Rur natürliche Grenze ist und ein Zusammenwachsen mit Krauthausen landesplanerisch nicht gewollt ist.

„Eine bandartige Entwicklung von Orten entlang von Straßen ist nicht erwünscht“, betonte Marina Blomkamp (VDH) bei der Vorstellung des Entwurfs im Bauausschuss. Und in Krauthausen bleibt angesichts vieler Einschränkungen de facto nur das bisherige Sportplatzareal übrig, rund 2,3 Hektar groß. In diesem Zusammenhang verwies Heuser auf das geplante Sportstättenkonzept, in dem auch die Frage geklärt werden müsse, ob angesichts der aktuellen Mannschaftszahlen (in Krauthausen gibt es derzeit nur eine Senioren-, keine Jugendmannschaft) sechs Sportplatzanlagen in der Gemeinde noch zeitgemäß sind.

Auch in Huchem-Stammeln soll der Sportplatz im neuen Flächennutzungsplan verlegt werden, an den Ortsrand hinter die Grundschule, um innerorts an der Karolingerstraße Platz für Wohnhäuser zu schaffen. Auch am nördlichen Ortsrand sieht der Entwurf noch zusätzliche Wohngebiete vor, insgesamt rund zehn Hektar, die aus Sicht von Bürgermeister Heuser mit Blick auf die Kaufkraft für das neue Fachmarktzentrum und die Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Rurbenden auch dringend notwendig seien.

In Ellen sind vor allem eine Erweiterung des Gebiets Steinacker bis zur K 50 und Wohnbauflächen an der Morschenicher Straße angedacht, in Oberzier könnten neue Wohngebiete (rund 8,5 Hektar) zum Beispiel südlich des Sportplatzes und westlich des Friedhofes entstehen.

In Niederzier (11 Hektar) haben die Experten neben einer Arrondierung an der L12 (Ortsausfahrt Richtung Krauthausen) vor allem ein großes Areal im Bereich Feuerwehrgerätehaus/Oberstraße ausgeguckt: Eine wünschenswerte Ausdehnung Richtung Hambach sei mit Blick auf die dortigen Überschwemmungsgebiete des Ellebachs leider nicht möglich, betonte Heuser.

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