Hintergründe und Tipps : Wie der Schlaf nicht zum Albtraum wird

Hintergründe und Tipps : Wie der Schlaf nicht zum Albtraum wird

Experten gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Menschen unter Schlafstörungen leiden. Das macht im Kreis Düren rund 26.300 Personen. Nicht nur sie, sondern auch alle anderen soll der bundesweite Tag des Schlafes am Feitag auf die Bedeutung eines erholsamen Schlafes aufmerksam machen.

Einer, der sich beruflich mit diesem Thema auseinandersetzt, ist Dr. Christian Schäfer. Der 53-Jährige ist Oberarzt am St.-Marien-Hospital in Birkesdorf sowie niedergelassener Pneumologe und Schlafmediziner. Als solcher arbeitet er in der Lungenpraxis am Krankenhaus, die ein Schlaflabor betreibt.

Insomnie und Abnoe

Aus Schäfers Perspektive hat das Thema grundsätzlich zwei Facetten: Auf der einen Seite gibt es Patienten mit Schlafstörungen, die wegen privater, beruflicher oder emotionaler Stressfaktoren Probleme beim Ein- oder Durchschlafen haben (Insomnie). Auf der anderen Seite haben Patienten Atmungsstörungen, also Atemaussetzer (Abnoe) im Schlaf. „Das wird leider oft in einen Topf geschmissen“, bedauert der Fachmann. Während erstere Patienten zunächst immer das Gespräch mit dem Hausarzt, einem Psychologen oder Psychiater suchen sollten, ist Schäfer als Lungenfacharzt auf das Schnarchen und auf Atempausen spezialisiert. Während diese Patienten überhaupt keine Probleme beim Einschlafen haben, aber wegen der Atemaussetzer nicht erholt sind, wenn sie aufwachen, können die Insomnie-Patienten gar nicht erst einschlafen. „Diese Schlafstörungen gehen in den Bereich der Psychologie hinein und hängen oft mit Depressionen zusammen“, sagt Schäfer. Sein Eindruck ist, dass die Zahl der Menschen mit Schlafstörungen weiter ansteigt. „Die zunehmenden Stressfaktoren in Beruf und Alltag gehen einher mit der Zunahme an Depressionen, und es gibt keine Depression ohne Schlafstörung“, sagt Schäfer. Schlafstörungen seien ein Kardinalsymptom für Depressionen, also das bedeutsamste Anzeichen dafür.

Christian Schäfer ist wichtig, dass die Bedeutung von gesundem Schlaf stärker ins Bewusstsein der Menschen rückt. „Wir müssen bewusster mit den Themen Stress und Schlaf umgehen und mehr auf uns achten“, fordert der Mediziner und nimmt sich selbst dabei nicht aus. Er selbst sei sich zwar der Thematik sehr bewusst, schaffe es aber im Alltag auch zu selten, sich die nötigen Freiräume zu schaffen.

Er empfiehlt, auf die eigene Schlafhygiene zu achten, sprich: bewusst Wert auf das zu legen, was zu einem gesunden Schlaf beiträgt. Achten kann man unter anderem auf die Schlafumgebung, den Konsum von Genussmitteln und nicht zuletzt die innere Einstellung. Schäfer verweist auf neun Regeln für gesunden Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (Infobox). Ergänzend gibt er noch einen Rat: Elektronische Geräte wie Smartphone, Computer oder Fernseher haben seiner Ansicht nach nichts im Schlafzimmer zu suchen. „Das sind Schlafverhinderer.“

Die Einhaltung dieser Grundregeln sei die Voraussetzung für jegliche erfolgreiche Therapie im Bereich der Schlafstörungen. Grundsätzlich sei aber nicht jede Schlafstörung direkt behandlungsbedürftig, betont Schäfer. Entscheidend sei die Frage: „Ist mein Schlaf noch erholsam?“ Wer trotz normaler Schlafzeit nicht erholt sei und an Tagesmüdigkeit leide, solle das zum Anlass nehmen, das weiter abzuklären. Wer aber morgens wach und ausgeruht sei – auch wenn er vielleicht schon um 4 Uhr aufwacht – habe in aller Regel kein medizinisches Problem.

Schäfer wirbt für einen entspannten Umgang mit dem Thema. „Schlaf kann nicht erzwungen oder gar willentlich herbeigeführt werden. Der Schlaf kommt von allein, wenn der Mensch entspannt ist.“