Düren: Wie bleibt Merken am Tagebau attraktiv?

Düren: Wie bleibt Merken am Tagebau attraktiv?

Es hakt noch an einigen Stellen in Merken. Zum Beispiel am Zebrastreifen vor der Kirche: Dort, wo Fußgängern eigentlich das Passieren der Straße erleichtert werden soll, haben es Rollstuhlfahrer gar nicht so leicht. Am Bordstein bleiben die Rollis leicht hängen, das konnten die Merkener jetzt selber erfahren.

Im Rahmen des Dorfentwicklungsplans fand jetzt nämlich eine Dorfbegehung unter dem Motto „Barrieren auf der Spur” statt, und Astrid Urgatz vom gleichnamigen Planungsbüro hatte einige Rollis mitgebracht, in denen die Merkener gleich selber Platz nehmen konnten, um zu sehen wie es ist, mit einem Handicap in ihrem Heimatort unterwegs zu sein.

Und das ist gar nicht so einfach. Um in die Kirche zu kommen, muss man zum Beispiel den langen Weg um das Gebäude bis zur Sakristei wählen. Die Barrierefreiheit in Merken - das ist auch für blinde Menschen ein Thema. Für die Bewohner des Dorfes eher weniger, zumindest bis jetzt.

„Wenn ich ehrlich bin, befassen wir uns heute zum ersten Mal mit dem Thema”, gibt etwa Horst Knapp von der Interessengemeinschaft Merken unumwunden zu. Im vergangenen Jahr hat die IG bei einer Bürgerbefragung erste Maßnahmenvorschläge für den Dorfentwicklungsplan gesammelt, die Barrierefreiheit kam dabei allerdings nicht zur Sprache.

Der Schuh drückt vor allem an anderen Stellen: Der Verkehr soll etwa durch die bereits lange diskutierte Südostumgehung entlastet werden, in Sachen Nahversorgung soll sich etwas tun, und die durch den Tagebau wegfallenden Flächen sollen ausgeglichen werden.

Diese und andere mögliche Maßnahmen werden zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Urgatz erarbeitet. Bis Mitte 2010 soll der Dorfentwicklungsplan stehen, dann wird eine Prioritätenliste erstellt und geschaut, was man wie finanzieren und umsetzen kann.

Dass es hierfür Unterstützung seitens Bezirksregierung und dem Bergbaubetreiber RWE geben wird, gilt als sicher, in welcher Höhe steht allerdings noch in den Sternen. Ebenso wie der Erfolg des Dorfentwicklungsplans.

Astrid Urgatz hat in den vergangenen Jahren 15 solcher Konzepte entworfen, sie hat erfolgreiche Umsetzungen, aber auch ausbleibende Ergebnisse gesehen. Für Erfolg oder Misserfolg sind vor allem die Merkener verantwortlich. „Was wir hier zusammen initiieren, muss die Dorfgemeinschaft anschließend alleine tragen”, so Astrid Urgatz.

Dass die Merkener bei der Entwicklung ihres Dorfes mitreden wollen, wurde bei der Dorfbegehung schnell klar. Rund 50 von ihnen nahmen an dem Rundgang teil und wurden auch schon mal laut, als Dr. Olaf Denz sie darüber informierte, dass ein Konzept zur Renaturierung des Schlichbachs unter anderem die Auffüllung des Dorfteichs vorsieht. „Das ist doch Wahnsinn”, hieß es da. Merken soll, wenn der Tagebau kommt, attraktiv bleiben. Dazu gehört auch der Dorfteich.

Ein informeller Rahmenplan für 40.000 Euro

Wann ein Entwicklungsplan für ein Dorf entworfen wird, unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Im Falle von Merken sind die Belastungen durch den Tagebau, der den Dürener Stadtteil in spätestens zehn Jahren erreichen wird, ausschlaggebend.

Der Dorfentwicklungsplan für Merken ist ein informeller Rahmenplan, der Ziele für die Entwicklung des Dorfes formuliert.

Die Kosten für die Erstellung des Plans von 40.000 Euro übernimmt zu 60 Prozent RWE, die Bezirksregiuerung zu 30 und die Stadt Düren zu 10 Prozent.

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