Düren: Wie aus einer Problemimmobilie ein Anziehungspunkt werden kann

Düren : Wie aus einer Problemimmobilie ein Anziehungspunkt werden kann

Wenn Stefan Fieth durch sein Haus in der Kirchstraße geht, sieht er das Schöne, oder genauer gesagt: Er sieht, wie es sein kann, wenn es einmal schön sein wird. Da, wo andere eher zurückschrecken würden, hat Fieth zugegriffen. Das war vor zweieinhalb Jahren. Der gelernte Stuckateur und Architekt hat gleich zwei Gründerzeitvillen erworben, eine davon muss saniert werden und wird nun im unfertigen Zustand zum Tag des offenen Denkmals am 9. September für Besucher geöffnet.

Reizvoll ist das Objekt gleich aus mehreren Gründen. Natürlich geht es bei der Besichtigung um die Frage, wie alte Bausubstanz erhalten und im Rahmen des Denkmalschutzes an heutige Wohnbedürfnisse angepasst werden kann. Es geht aber auch darum, wie man es schaffen kann, problematische Immobilien so aufzuwerten, dass sie auf ihr Umfeld ausstrahlen. Genau dazu hat die Stadt für den Dürener Norden ein Handlungskonzept aufgelegt, das sich nicht nur, aber vorrangig mit den Problemimmobilien beschäftigt. Ein Ziel der Stadt: den Erhalt der Gründerzeitvillen sicher stellen, bei einem Verkauf kontrollieren, ob gestalterische Vorgaben auch eingehalten werden, notfalls als Stadt selbst einspringen. Bei Stefan Fieth musste die Stadt nicht einspringen. Im Gegenteil.

Nachdem er das Haus Nummer 4 in der Kirchstraße gekauft hatte, ging er selbst auf die Stadt zu und stellte den Antrag, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. „Denkmalpflege ist der Erhalt von Baukulturgütern“, sagt Fieth, „das hat nicht immer etwas mit persönlichem Schönheitsempfinden zu tun.“ In diesem Fall aber schon, auch wenn sich die Schönheit noch nicht direkt offenbart. Wer zum Tag des offenen Denkmals in das Haus marschiert, wird eher mit der Realität als mit Schönheit konfrontiert, weil er auf einer Baustelle landet.

Das für Nord-Düren so typische Dreifensterhaus mit Anbau ist im Jahr 1903 errichtet worden. Die aufwendig gestaltete Fassade ist ebenso erhalten geblieben, wie der ursprüngliche Grundriss. Rund 250 Quadratmeter Fläche verteilen sich auf sieben Wohneinheiten — im Schnitt also 35 Quadratmeter pro Wohnung.

Moderne Ausstattung

„Meine Frau und ich haben längere Zeit in Aachen in einer Gründerzeitvilla gelebt. Das hat uns gefallen“, beschreibt er einen Teil der Motivation, warum er die beiden Häuser erworben hat. Er sieht aber vor allem das Potenzial in den Häusern: „Ich glaube, dass es eine Klientel auch für diese kleineren Wohnungen gibt. Es gibt Menschen, die sich nicht dauerhaft an einen Ort binden wollen und eher etwas Temporäres suchen. Unser Ziel ist es, die Wohnungen im Rahmen des Denkmalschutzes auf den heutigen Stand zu bringen“, sagt er.

Hochwertigen Wohnraum mit Ambiente will er also schaffen. Fieth betrachtet das Objekt als Altersvorsorge, weil die Sanierung natürlich auch deutlich zur Wertsteigerung beiträgt. Ein Glücksfall für die Stadt, weil die Aufwertung der Immobilie auch andere Zielgruppen in das Quartier locken kann. Allerdings gehört auch für Fieth viel Leidenschaft dazu, das Projekt zum Erfolg zu führen. Zwei von sieben Wohnungen hat er bisher zurückgebaut. Zwei bis drei Jahre wird er benötigen, bis alle Wohnungen wieder bezugsfähig sein werden. „Vielleicht habe ich das mit viel Idealismus blauäugig gekauft, es war damals eine Gefühlsentscheidung“, sagt er. Die habe er zwischenzeitlich auch schon mal bereut, eben weil er auch mit allen typischen Merkmalen von Problemimmobilien zu tun hatte, gerade mit Blick auf einzelne Mieter.

Fieth sieht das Objekt umgekehrt als Herausforderung. „Einfache Projekte wären vielleicht zu langweilig. Ich hatte jedenfalls keine Lust auf kurzfristige Renditeobjekte.“ Er übernimmt einen Großteil der Arbeiten selbst. „Betrieblich hat es nicht die erste Priorität. Ich widme mich dem Projekt immer dann, wenn die entsprechenden Ressourcen vorhanden sind.“ Da kommt auch wieder die Leidenschaft zum Tragen, weil für den Handwerker sich hier das Spektrum seines Studiums zum Architekten mit der Ausbildung als Stuckateur vereint und ihm klar ist, dass er so auch zur Belebung des Stadtviertels beiträgt. Auch das ist ihm ein Herzensanliegen.

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