Düren: Westkapelle dominiert im Wibbelrusch

Düren: Westkapelle dominiert im Wibbelrusch

Karin ist nicht ansprechbar, denn sie trägt Ohrenschützer. Warum, das merkt man, wenn sie den Abzug ihres historischen Vorderladers betätigt. Der Knall ist schon gewaltig, und der Laie als Betrachter schreckt gleich noch zweimal zusammen, als die Schützen auf den Nachbarständen feuern.

In der folgenden Pause kontrollieren die drei ihre Ergebnisse. In 50 Meter Entfernung hängt die Scheibe mit zehn Ringen, die in das Bildnis eines Büffels — oder für die Kurzwaffenschützen eines Hasen — gezogen sind. Diese Szene spielt natürlich bei den „Kentucky Muzzle Loaders“, die zum 49. Mal zum „Pulverdampf im Wibbelrusch“ eingeladen hatten.

Karin aus Westkapelle ist Stammgast auf den Schießständen der „Kentucky Muzzle Loaders“. Foto: Keldenich

Wenn Düren ruft

Bevor Karin einen Schuss abgeben kann, wird der Vorderlader gereinigt, geladen und gestopft. Foto: Keldenich

Karin schießt seit 25 Jahren, und in Düren ist sie zum 18. Mal dabei. Die Niederländerin vermietet im Hauptberuf in Westkapelle auf der Halbinsel Walcheren Ferienwohnungen. Da ist gerade Hauptsaison, aber wenn Düren ruft, müssen ihre Mieter ein Wochenende ohne sie auskommen.

Auf dem Tisch hinter ihr sind ihre Utensilien ausgebreitet. Vor dem nächsten Schuss wird eine genau geplante Menge Schwarzpulver in den Lauf gegeben. Gemessen wird dies in englischen Grain, ein Grain entspricht 64,8 Milligramm. Dann wird mit einem langen Stab der Lauf gesäubert, ehe das Geschoss eingelegt und noch einmal gestopft wird.

Am Ende ihrer Serie hat sie 47 Ringe geschossen, das würde Platz zwei im Wettbewerb um den „Bronzenen Büffel der Stadt Düren“ bedeuten. Da sie den aber 2011 bereits einmal gewonnen hat, kann sie ihn nicht wieder erhalten, denn diesen von der Stadt gestifteten Preis kann jeder nur einmal erringen.

Damit war auch André van Rissen aus dem Rennen, obwohl er als Tagessieger hervorragende 49 Ringe geschossen hatte. So ging der Preis doch noch nach Westkapelle ins Nachbarland, und zwar an Henry van de Vaart, der — um den Preis in Empfang zu nehmen — 44 Ringe benötigte.

Rund 300 Besucher

Herr der Ringe ist bei den „Loaders“ Ulrich Kelleter, der die Scheiben der 32 Schützen auswertete. Damit haben sich exakt 80 Prozent der 40 Western- und Vorderlader-Hobbyisten aus ganz Deutschland und den Benelux-Staaten sowie der Schweiz, die das Wochenende als Camper am Stadtrand verbrachten, am Wettbewerb beteiligt.

Mindestens so wichtig wie das Schießen ist den Teilnehmern das gesellige Zusammensein, bei dem in diesem Jahr wegen der Trockenheit kein Lagerfeuer gemacht werden durfte.

Interessant auch für die rund 300 Besucher waren zudem die Verkaufsstände, an denen es vom Traumfänger über die Bratpfanne bis zum Ballkleid alles gab, was an Westernromantik erinnert. An den Verpflegungsständen wird am Wibbelrusch übrigens seit eh und je mit eigens gedruckten „Kentucky-Dollars“ bezahlt.

Immaterielles Kulturerbe

Für die Gastgeber heißt es übrigens „Nach dem Schießen ist vor dem Schießen“, denn noch diese Woche beginnen sie mit den Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr 2019, wenn der Pulverdampf zum 50. Mal aufsteigt. Bei allem Spaß an der Veranstaltung sind die Schützen stolz darauf, dass das Schützenwesen in Deutschland in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

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