Wenn der kleine Sven ein Großer wird

Wenn der kleine Sven ein Großer wird

Düren (an-o) - "Kaum zu fassen." Bernd Werscheck schüttelt den Kopf. "Vor einem Jahr kam er zu uns und fragte ganz schüchern, ob er mittrainieren darf", erzählt der Trainer des Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren. "Heute ist Sven Dick Stammspieler."

Ohne große Erwartungen ist der gebürtige Bayer vom Zweitligisten Friedberg an die Rur gekommen. "Mir war klar, dass ich kaum spielen würde." Sven Dick war ein unbeschriebenes Blatt. In keiner deutschen Junioren-Auswahl ist der 21-Jährige aufgetaucht.

Heute fällt im Zusammenhang mit dem 1,92 Meter großen Spieler häufiger die Bezeichnung "Mister Zuverlässig". In den jüngsten Spielen hat er Dürens Schwachstelle entscheidend verstärkt. Mit Sven Dick scheint Bernd Werscheck den Mann gefunden zu haben, der an der Seite von Libero Till Lieber die gegnerischen Aufschläge sicher entschärft. Bisher lastete zu viel Verantwortung auf Liebers Schultern.

"Ich bin nicht mehr ganz so nervös wie noch in der vergangenen Saison", erklärt Dick die Momente vor den Spielen. "Aber selbstverständlich ist das lange noch nicht." Die Bundersliga ist nach wie vor ein großes Abenteuer für den "kleinen" Sven. Namensvetter Sven Anton hat Adjektiv "groß" im Evivo-Kader für sich gepachtet.

Vor allem die Tatsache, dass er nach einem Jahr Stammspieler beim Tabellenzweiten ist, sorgt dafür, dass sich die Mundwinkel des Hip-Hop-Fans nach oben ziehen, wenn er darauf angesprochen wird. "Hätte mir das vor einem Jahr einer erzählt, dann hätte ich den für verrückt erklärt." Denn der Aufstieg vom Unter- ins Oberhaus war größer als erwartet: "Da liegen gleich drei Klassen zwischen." Zweimal Training pro Tag statt viermal pro Woche beispielsweise. "Dadurch habe ich mich in allen Elementen verbessert. Aber dass es so weit reichen würdeÉ"

Sein Trainer sieht in Sven Dick nicht nur als den "Mister Zuverlässig". "Er hat sich alles selber erarbeitet. Keine Auswahlmannschaft, keine Förderung." Vielleicht auch ein Grund, warum Mann mit dem Tattoo auf dem rechten Oberarm im Angriff so selbstbewußt und unbekümmert hinlangt.

Auf diese Fähigkeit wird er morgen beim Auswärtsspiel in Essen wahrscheinlich verzichten müssen. Nationalspieler Till Lieber ist krank, hütet mit Fieber das Bett. Also wird Sven Dick morgen um 19.30 Uhr beim Aufsteiger Human Essen aller Wahrscheinlichkeit nach den Abwehrchef geben.

Auf keinen Fall mit dabei sein kann Mittelblocker Malte Holschen. Nach einer Meniskus-Operation gestern scheint ein Comeback des Medizn-Studenten vor Anfang Dezember unwahrscheinlich. Für ihn dürfte erneut der 19-jährige Christian Dünnes auflaufen.

Einen Gedanken an eine Niederlage in Essen verschwendet Sven Dick nicht. "Wir müssen gewinnen. Dann haben wir 10:0 Punkte, können ohen Druck in das Heimspiel gegen Friedrichshafen gehen." Und wer weiß, vielleicht nennen sie ihn in Düren ja bald nicht mehr den kleinen Sven.

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