Niederzier: Wenn aus der Glühbirne ein Heizelement wird

Niederzier: Wenn aus der Glühbirne ein Heizelement wird

Not macht erfinderisch. Verärgerung manchmal auch. Es ist noch gar nicht so lange her, da saß Dr. Ing. Rudolf Hannot mit seinem Schwager beim Kaffee. Hannot ist Geschäftsführer der Niederzierer Developement & Technology GmbH, kurz DTG. Beim Kaffee ging es um Gott und die Welt und irgendwann auch um die Energiesparlampenverordnung. Ein Thema, bei dem der gelernte Physiker schnell in Rage geraten kann.

„Man verausgabt sich in Energieeinsparverordnungen, anstatt zu analysieren, wo Klimaveränderungen wirklich herkommen”, sagt er zum Beispiel. Nach besagtem Kaffee warf Hannot einen Blick in die Verordnung, die der guten alten Glühbirne den Todesstoß versetzte - und ihm ging ein Licht auf.

Seitdem bewirbt der 49-Jährige Geschäftsmann ein Produkt, das er eigens in China fertigen lässt und das auf den Namen Heatball - also Wärmekugel - getauft wurde. Eine Erfindung, die ziemlich genial klingt. Rudolf Hannot: „Eine Glühbirne wandelt 95 Prozent der Energie in Wärme um und nur fünf Prozent in Licht. Das ist sehr ineffizient. Unser Heatball nutzt die 95 Prozent Energie. Die fünf Prozent Lichtverlust nehmen wir hin.”

Das sagt er mit einem breiten Lächeln im Gesicht, denn rein zufällig passt seine Wärmekugel in die gleiche Fassung, in die man auch eine herkömmliche Glühbirne von 75 oder 100 Watt geschraubt hat. 4000 Stück dieser Wärmekugeln hat Hannot in China produzieren lassen. Bei der Einfuhr gab es keinerlei Probleme, gilt doch die Wärmekugel, auch wenn sie einer Glühbirne verblüffend ähnlich sieht, als Kleinheizelement. Beim Zoll gibt es dafür sogar eine extra Warennummer.

Die ersten 4000 Kugeln sind fast vergriffen, jetzt soll eine „Second Edition” aufgelegt werden. Dabei geht es dem Physiker gar nicht wirklich um den Verkauf. „Der Heatball ist Widerstand gegen Verordnungen, die jenseits aller demokratischen und parlamentarischen Abläufe in Kraft treten und Bürger entmündigen”, schreibt Hannot auf der Internetseite zum Produkt. Dort kann man übrigens auch „die Grundlage für den Tod einer Lichtkultur” - also die EU-Verordnung - nachlesen oder über den Unsinn nachdenken, dass Energiesparlampen ausgerechnet Quecksilber enthalten und deshalb in den Sondermüll gehören.

Die Reaktionen auf die Internetseite sind vielfältig. „Wir bekommen viel Lob, einige halten uns für rückwärts gewandte Leute, was natürlich Quatsch ist”, sagt Hannot. Gelesen wird die Seite aber allemal. Alleine am Dienstag letzter Woche gab es 26.000 Besucher. Auch Medien wie die Financial Times Deutschland, der Focus oder der Stern haben bei ihm und seinem Schwager schon angeklopft. Und das alles eigentlich nur wegen einer charmant-verrückten Idee beim Kaffee.