Düren: Welturaufführung an der Angela-Schule

Düren : Welturaufführung an der Angela-Schule

Ein bisschen aufgeregt sind die 32 Schülerinnen des Literaturkurses des Gymnasiums der Dürener St.-Angela-Schule schon. Die Mädchen studieren gerade mit ihrem Lehrer Boris Thelen (40) ein Theaterstück ein, das sie Anfang Juni aufführen wollen. Gerade ist ihnen klar geworden, dass es bis zur Premiere gerade noch vier reguläre Proben gibt.

„Ich glaube“, sagt Carina Lüttgen (17), „da müssen noch einige Zusatzproben her. Vielleicht auch am Wochenende.“

Dass Literaturkurse nach einem Schuljahr Theaterstücke aufführen, ist nichts Außergewöhnliches, es ist vielmehr Sinn und Zweck dieser Kurse. Die Aufführung der Angela-Schülerinnen ist aber sehr wohl etwas Besonderes: Am 1. Juni gibt es im Schulfoyer eine Welturaufführung. Die Mädchen präsentieren „Der Earl von Gaudibert“ des Dürener Autors M.W. Ludwig. M.W. Ludwig ist ein Synonym, der Autor möchte seinen Namen nicht verraten.

„Eine große Ehre“

Boris Thelen ist mit dem Mann befreundet, und als das Angebot an den Literaturkurs kam, aus einer Geschichte ein Theaterstück zu machen und das uraufzuführen, mussten die Mädchen nicht lange überlegen. „Das ist schon eine große Ehre“, sagt Jana Jorde. „So eine Gelegenheit bekommt man vermutlich nur einmal. Wir stehen mit dem Autor per E-Mail in Kontakt und haben ihm auch schon Arbeitsproben geschickt. Das funktioniert gut. Und außerdem hat uns das Thema des Stücks auch gut gefallen.“

Der Inhalt: Der englische Gentleman Graham McPherson liebt es, in seinem Club von angeblichen Abenteuern auf dem Mond zu erzählen. Niemand zweifelt an seinen Ausführungen, bis ein neues Clubmitglied ihn der Lüge bezichtigt und zu einer folgenschweren Wette herausfordert: Bis zum nächsten Vollmond soll McPherson seine Behauptungen beweisen. Keine leichte Aufgabe, immerhin schreiben wir das Jahr 1895. Doch mit der Unterstützung des Profibetrügers Suggs und der schlagkräftigen Thailänderin Gann Li-Pen, ersinnt Graham McPherson einen ebenso verzweifelten wie tollkühnen Plan.

„Das Stück“, sagt Jasmin Welter (17), „ist deswegen so spannend, weil es Elemente von Science Fiction hat, weil es um historische Begebenheiten wie die Anfänge des Kinos geht, und weil es sehr emotional ist. Uns gefällt das einfach.“

Schon vor Weihnachten haben die Schülerinnen und Boris Thelen mit den Proben begonnen und das nicht nur, weil fast alle Schauspielerinnen für „Der Earl von Gaudibert“ ziemlich viel Text auswendig lernen müssen. Thelen: „Das Stück ist insgesamt sehr komplex. Das heißt, wir brauchen sehr viel Bühnenbild und arbeiten auch mit Soundeffekten und Musik. Das ist für unseren Kurs schon eine große Herausforderung.“ Der Lehrer ist begeistert, wie sehr seine Schülerinnen die Herausforderung angenommen haben. „Es kamen von den Mädchen unglaublich viele Ideen und sehr viel Bereitschaft, sich einzubringen. Das ist wirklich außergewöhnlich.“

Weil der Literaturkurs mit 32 Teilnehmerinnen ziemlich groß ist, gibt es zwei Besetzungen für zwei Aufführungen. „So können fast alle auch auf der Bühne stehen“, sagt Julia Wittans (18).

Treffen mit dem Autor?

Dass sie ein Stück aufführen, dessen Autor noch lebt und mit dem sie sogar Kontakt haben, verunsichert die Nachwuchs-Theatermacher nicht. „Warum denn?“, fragt Jana Jorde. „Wir haben ihn wirklich an allem teilhaben lassen und hatten auch Kontakt zu seinem Verlag.“ Das Feedback des Schriftstellers sei immer durchweg positiv gewesen. „Und wenn ihm wirklich irgendetwas nicht gefallen oder nicht gepasst hätte, hätte er uns das bestimmt gesagt.“ Aller Voraussicht nach, werden die Aufführungen von einem professionellen Kamerateam aufgezeichnet. Und vielleicht sitzt M.W. Ludwig ja am 1. oder 2. Juni sogar in der ersten Reihe des Saales mit 130 Plätzen — und die Schülerinnen des Literaturkurses lernen den Schriftsteller dann endlich einmal persönlich kennen.

(kin)
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