Düren: Weltmeister-Fluch, falsche Besetzung, fehlender Wille

Düren: Weltmeister-Fluch, falsche Besetzung, fehlender Wille

Gibt es irgendwas, das am WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea gefallen hat? Die Antworten fallen bescheiden aus: „das Wetter“, „die Trikotfarbe“, „die Getränke“. Verbitterung, Enttäuschung, Trauer und Wut mischten sich am Mittwoch in der Dürener Innenstadt, als das WM-Aus der DFB-Elf mit einem schmerzhaften 2:0 besiegelt war.

In der ersten Halbzeit lag noch Optimismus in der Luft, obwohl die Partie nur wenige Hingucker bot. Streckenweise bekamen sogar die Nachwuchskicker, die auf dem Marktplatz einem Strandball hinterherjagten, mehr Aufmerksamkeit als die Profis. In sieben Lokalitäten am Markt schauten insgesamt mehr als 400 Fans das Spiel gemeinsam.

Während dort — zumindest in der ersten Halbzeit — gemütlich-entspannte Stimmung herrschte, ging es im Postillion am Kölntor hitziger zu. Dort gab es mehr Alkohol, mehr Deutschland-Trikots, mehr Stimmung: Applaus für Einwechslungen beim deutschen Team und bei Karten für die Gegner, verzweifelte „Nein“-Rufe und Anfeuerungen.

„Auf geht's Deutschland, mach ein Tor“, sangen nur die jüngsten Fans enthusiastisch, bei den Großen machte sich zunehmend Verzweiflung breit. „Es lebe der Fußballgott“, brüllte einer erleichtert, als sechs Minuten Nachspielzeit angekündigt wurden. Während per Videobeweis geklärt wurde, ob das 1:0 für Südkorea zählt, waren die Nerven zum Reißen gespannt und der Frust groß, als es Gewissheit gab.

Als die Südkoreaner dann auch noch das 2:0 ins leere Tor versenkten, mischte sich sarkastischer Applaus unter die wütenden Reaktionen. „Es war nervenaufreibend bis zur letzten Sekunde“, resümierte Lisa Breuer aus Kreuzau, die mit schwitzigen Händen und hohem Puls auf das rettende Tor in letzter Sekunde — wie beim Spiel gegen Schweden — gehofft hatte. „Löw hat aufs falsche Pferd gesetzt“, war Wolfgang Paulus überzeugt.

Der „Bayernblock mit Müller, Neuer, Kimmich und Hummels“ müsse weg, meinte der Untermaubacher. „Müller bringt seit drei Jahren nichts mehr“, pflichtete sein Kollege Daniel Berger aus Hoven bei. Sein Fazit: „Der Mannschaft hat der Wille gefehlt. Die waren sich wahrscheinlich ihrer Sache zu sicher.“ Ein wenig an Schicksal glaubte Thomas Dzwiza aus Niederzier: „Das ist der Weltmeister-Fluch. Wer den Titel hat, fliegt sofort raus.“ Weniger gefasst nahm Sonja Leeser den Ausgang des Spiels auf. Die 61-jährige Dürenerin hatte sich extra für das Spiel bis auf die Unterwäsche in Deutschlandfarben gekleidet. „Ich bin unglaublich traurig“, sagte sie mit Tränen in den Augen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Historische WM-Pleite: DFB-Elf in der Gruppenphase gescheitert

(akk/wel)
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