Wechsel zum Wattenscheid 01: Weitspringerin Nicola Kondziella verlässt den Dürener TV

Wechsel zum Wattenscheid 01 : Weitspringerin Nicola Kondziella verlässt den Dürener TV

Ab der kommenden Woche hat Weitspringerin Nicola Kondziella eine ziemlich berühmte Vereinskameradin. Die 16-jährige Schülerin aus Mariaweiler wechselt nach den Sommerferien vom Dürener Turnverein (DTV) zum TV Wattenscheid 01 — und dort trainiert auch Pamela Dutkiewicz, Silbermedaillen-Gewinnerin über 100 Meter Hürden bei der Leichtathletik-Europameisterschaft Anfang August in Berlin.

Bei der EM war Nicola Kondziella auch, allerdings nur als Zuschauerin. Das Mädchen hatte eine Einladung vom Deutschen Leichtathletikverband und konnte in Berlin mit deutschen EM-Teilnehmern sprechen.

Diese Reise — die Dürenerin spricht von einem „unglaublichen Erlebnis“ — war ganz sicher auch eine Anerkennung für Nicolas besondere Leistungen im Sport. Die Oberstufenschülerin, die ab der kommenden Woche ein Sportinternat in Bochum-Wattenscheid besuchen wird, hat im Mai mit 5,89 Meter den 38 Jahre alten Dürener Kreisrekord im Weitsprung um fünf Zentimeter gebrochen.

Ende Juli wurde sie in Rostock Deutsche Meisterin in ihrer Altersklasse U 16. Nicola trainiert darüber hinaus im Landeskader Nordrhein-Westfalen und wurde jetzt auch zu einem Sichtungstraining beim Bundeskader eingeladen. Kein Wunder also, dass so ein renommierter Leichtathletik-Verein wie der TV Wattenscheid auf die junge Springerin aufmerksam geworden ist.

Nicola Kondziella hat mit Leichtathletik angefangen, als sie fünf Jahre alt war — weil ihre ältere Schwester damals auch diese Sportart betrieben hat. „Anfangs fand ich es toll, dass man bei der Leichtathletik so viele verschiedene Möglichkeiten hat“, sagt Nicola. „Ich musste mich nicht direkt auf nur eine Sportart festlegen.“ Erst vor zwei Jahren hat das Nachwuchs-Talent sich endgültig auf den Weitsprung spezialisiert. „Das war und ist meine absolut stärkste Disziplin. Und es ist auch das, was mir mit Abstand am meisten Spaß macht.“ Die Mischung aus Technik und Schnelligkeit, ergänzt die Athletin, sei einfach spannend und sehr fordernd.

„Aber am allerschönsten ist immer die Flugphase, also die Zeit zwischen dem Absprung und der Landung.“ Besonders ausgeprägt war diese Flugphase bei Nicolas bisher weitestem Sprung — ihre persönliche Bestmarke liegt derzeit bei 5,99 Meter. „Ärgerlich“, sagt Nicola und lacht, „dass es nicht die sechs Meter geworden sind. Aber die sind eben jetzt mein nächstes Ziel.“ 5,99 Meter sind aber auch eine hervorragende Weite, jedenfalls dann, wenn man gerade erst 16 Jahre alt geworden ist.

Der Traum von der EM

Zum Vergleich: Bei der Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse

U 18 ist die Siegerin in diesem Jahr 6,17 Meter gesprungen, und die amtierende Europameisterin Malaika Mihambo aus Heidelberg hat Nicolas Bestmarke auch „nur“ um 76 Zentimeter übertroffen. „Das ist schon eine Menge“, sagt Nicola. „76 Zentimeter sind im Weitsprung wirklich eine ganze Welt.“

Die 16-Jährige überlegt kurz und sagt dann: „Das heißt, aber nicht, dass ich das nicht schaffen will. Mein Ziel ist es schon, einmal an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Die EM in Berlin war schon für mich als Zuschauer einfach Wahnsinn — das muss für die Athleten noch viel toller sein. So etwas möchte ich auch gerne einmal erleben.“

Nicola ist bereit, für ihren Sport viel zu geben. „Ich bin schon ehrgeizig“, sagt sie. „Und auch diszipliniert. Außer Sport und Schule mache ich eigentlich nicht viel.“ Einen Ernährungsplan braucht die junge Frau allerdings noch nicht. „Ich kenne Sportler, die extrem aufpassen müssen, was sie essen“, sagt Nicola. „Mein Stoffwechsel funktioniert zum Glück so gut, dass ich alles essen kann. Und ich hoffe sehr, dass das auch so bleibt.“

Sprungtraining, Tempoläufe, Stabilisierungsübungen — beim DTV hat Nicola bisher drei- bis viermal pro Woche trainiert — im Schnitt jeweils zwei Stunden. Darüber hinaus hat sie pro Saison mindestens zehn Wettkämpfe absolviert. „Ich war sehr gerne beim DTV“, sagt sie. „Und ich werde meine Vereinskameraden ganz bestimmt auch vermissen. Der Zusammenhalt der Sportler, das gegenseitige Anfeuern waren einfach toll.“

Andererseits findet die Leichtathletin beim TV Wattenscheid 01 natürlich bessere Trainingsbedingungen als in Düren. „Ich bin schon zum Probetraining dort gewesen“, erzählt Nicola. „Das war schon toll. Es gibt viel mehr Möglichkeiten. Und es wird auch häufiger trainiert. Ich freue mich sehr auf diese Chance.“

Keine Vorbilder

Vorbilder hat Nicola übrigens keine. „Die EM in Berlin war eigentlich auch mein erster Wettkampf, den ich mir angeschaut habe, ohne selbst zu starten. Ich habe mir auch nie Wettkämpfe im Fernsehen angeschaut. Das hat mich nie gereizt. Mir ist es wichtig, mein eigenes Ding zu machen, ich selbst zu bleiben.“

Jetzt freut sich Nicola erst einmal auf die neuen Herausforderungen in Wattenscheid und will sich ganz auf ihren Sport konzentrieren. „Später möchte ich einmal Physiotherapeutin werden“, sagt sie. „Damit kann ich meine große Leidenschaft Sport und meinen Beruf vereinbaren.

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