Düren: Weißer Ring: Gewalttaten in Familien anzeigen

Düren: Weißer Ring: Gewalttaten in Familien anzeigen

„Schuldig, weil sie zu laut mit ihren Puppen gespielt hat” - ein misshandeltes Mädchen hält eine Tafel mit diesem Satz hoch. Mit der Ausstellung „schuldig” will die Hilfsorganisation „Weißer Ring” darauf aufmerksam machen, dass viele Kinder zu Opfern häuslicher Gewalt werden. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. Mai im Bürgerbüro der Stadt Düren am Marktplatz.

Natürlich ist das auf dem Plakat abgebildete Mädchen nicht schuldig - im Gegenteil: Es ist aus einem nichtigen Grund verprügelt worden. Auch die junge Frau, die ein „Veilchen” am Auge mit einer Hutkrempe mehr schlecht als recht verdeckt, hat die Schläge, die sie einstecken musste, garantiert nicht „verdient”.

„Kinder niemals schuldig”

„Wir müssen genau hinsschauen statt wegsehen und insbesondere auch der häuslichen Gewalt entscheiden entgegen treten”, sagte Dürens Bürgermeister Paul Larue bei der Eröffnung der Ausstellung. Er bedankte sich herzlich für die „bereits Jahrzehnte währende gute Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring, der in der Josef-Schregel-Straße in Düren mit dem Landesbüro NRW/Rheinland vertreten ist. Die neue Leiterin des Landesbüros, Kerstin Srbeny, erklärte die Zielsetzung der „schuldig”-Kampagne: „Kindesmisshandlung, auch und gerade im häuslichen Bereich, ist eines der schlimmsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann. Es gibt viele sehr subtile Arten der Misshandlung, es gibt psychischen Druck, Vernachlässigung und rohe körperliche Gewalt. Die Folgen sind für die Opfer fast immer langwierig. Wie auch immer die Tat aussehen mag, wer auch immer sie verübt: Die betroffenen Kinder sind niemals schuld”.

Keine „leichte Kost”

Viele der Plakate in der Ausstellung sind keine „leicht Kost”. Sie machen zum Teil auf drastische Weise auf das Problem aufmerksam und lösen beim Betrachter Nachdenklichkeit aus. Das gilt etwa auch für das Bild, auf dem drei Menschen ihre Köpfe in einer Hecke stecken, damit sie bloß nicht mehr sehen, was auf der Straße passiert. Will heißen: Wer Zeuge einer Gewalttat wird oder konkrete Hinweise auf Gewalt hinter verschlossenen Tür erhält, sollte sich nicht scheuen, die Polizei oder eine andere Behörde zu informieren.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Bürgerbüros zugänglich. An einem Informationsstand, an dem immer eine ehrenamtliche Kraft des Weißen Rings anzutreffen ist, gibt es weitergehende Informationen in gedruckter Form und die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Menschen, die von ihrer Betreuungsarbeit her wissen, was Opfer von kriminellen Taten durchmachen müssen.

Mehr von Aachener Nachrichten