Weihnachtskrippe XXL aus Rommelsheim

Mit ganz viel Liebe zum Detail : Christian Balduin baut jedes Jahr eine neue Krippe – acht Quadratmeter groß

In der Adventszeit werden Besucher von Christian Balduin von einer riesigen Krippe empfangen – detailgetreu, selbst gebaut und immer anders.

Christian Balduin liebt Weihnachten. Für ihn ist das die schönste Zeit des Jahres. Am zweiten Feiertag steht er den ganzen Tag in der Küche, um für seine 14 liebsten Menschen zu kochen  – Ehefrau, Kinder und Enkelkinder samt Partnern. Der eine mag kein Fleisch, der andere ist Veganer, der dritte isst kein Schwein – Christian Balduin macht sie mit seinem liebevoll gekochten Essen trotzdem alle glücklich.

Und obwohl Weihnachten für den 78-Jährigen viel mehr ist, als gemeinsame Zeit mit der Familie zu verbringen, macht die Geschichte vom Kochen eben doch sehr deutlich, was der pensionierte Industrieelektroniker und Mess- und Regeltechniker für ein Mensch ist: Christian Balduin ist das, was man im besten Sinne einen Perfektionist nennen kann, er will immer, dass alles passt.

Auch bei seinem wohl größten Weihnachts-Hobby, der Krippe. Im Flur seines Hauses, der fast schon ein eigenes Zimmer ist, hat der Senior eine rund acht Quadratmeter große Krippe, die er jedes Jahr aufs Neue gestaltet. Dieses Mal hat er eine Stadtmauer für die Anlage selbst getöpfert. 2019 möchte Balduin den Palast von Herodes nachbauen. In früheren Jahren gab es schon eine Landschaft aus lauter Wurzeln, auch eine orientalische Krippe hat Balduin schon gestaltet.

Es versteht sich eigentlich von selbst, dass er auch die Darstellungen der jeweils aktuellen Krippe regelmäßig ändert. Los geht es mit der Verkündigungsszene, also dem Moment, in dem Maria und Josef erfahren, dass sie ein Kind bekommen. Später stellt Balduin die Herbergssuche, die Ankunft im Stall, die Geburt Jesu, den Besuch der Heiligen Drei Könige und die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten dar. Insgesamt bleibt die Krippe zwei Monate aufgebaut – nämlich vom ersten Advent bis zum Fest Maria Lichtmess am 2. Februar. „Ganz ehrlich?“, sagt Balduin und lacht. „Spätestens im Sommer fange ich mit den Vorbereitungen für die neue Krippe an.“

Begonnen hat Balduins Leidenschaft für Weihnachtskrippen schon Anfang der 1960er Jahre. „Meine Frau und ich haben 1962 geheiratet und hatten auch sehr schnell unsere erste, kleine Krippe.“ Ein Vetter seiner Frau, der von Beruf Schreiner war, hatte schon damals eine große Krippe gehabt. „Dessen halbes Wohnzimmer wurde zur Darstellung der Weihnachtsgeschichte“, ergänzt Balduin. „Das hat mir total imponiert. Und so ist unsere Krippe jedes Jahr gewachsen. Heute ist sie so groß, dass ich manchmal einen langen Greifarm brauche, um die Figuren zu bewegen.“  

Noch bis zum Wochenende zeigt Balduin in seiner Krippe die Verkündigungsszene, als Maria und Josef erfahren, dass sie einen Sohn bekommen werden. Foto: zva/Sandra Kinkel

28 Figuren, für die übrigens Christian Balduins Ehefrau Gisela fast alle Kleider selbst genäht hat, gehören zur Krippe. Es gibt neben Maria, Josef und dem Jesuskind Hirten, Mägde, Frauen, die einkaufen, die Heiligen Drei Könige und Kamel- beziehungsweise Elefantentreiber. Außerdem baut Balduin viele Tiere in seine Krippenlandschaft ein.

„Mir ist es wichtig, immer etwas Neues zu machen“, sagt er. „Alles andere ist doch viel zu langweilig.“ Balduin ist ein kreativer Kopf. Er malt und hat schon Romane geschrieben. „Ich weiß nicht, woher ich das habe. Aber ich hatte schon in der Schule im Kunstunterricht immer sehr gute Noten. Basteln und Werken war immer mein Ding.“

Wie viel Geld er in seine Krippe gesteckt hat, kann Balduin nicht genau beziffern, und das ist für ihn auch nicht wirklich entscheidend. „Ich mache fast alles selbst. Zuletzt habe ich zum Beispiel die komplette Beleuchtung auf LED umgestellt.“ So viel verrät Balduin dann doch: „Die großen Krippenfiguren haben wir relativ günstig bei einer Geschäftsaufgabe bekommen. Wenn man die zum regulären Preis kaufen muss, sind die fast unbezahlbar.“

Christian Balduin liebt die Weihnachtszeit. Foto: zva/Sandra Kinkel

Zu Balduins Krippe gehören auch große Kulissen, die er selbst gemalt hat. „Jedes Bild ist 1,20 mal ein Meter groß, und ich habe die Vorder- und die Rückseite bemalt. So sieht das auch von außen schön auf.“ Besonders abends sei die Atmosphäre im Krippenzimmer besonders schön. „Wenn es dunkel ist, und die ganzen Lämpchen leuchten, gefällt es mir am besten“, sagt Balduin. „Und dann genieße ich meine Krippe und setze mich einfach davor.“

Weihnachten hat für den passionierten Krippenbauer ganz viel mit Tradition zu tun – und eben auch mit Religion. „Die biblischen Darstellungen müssen einfach stimmen“, sagt er. Im Sommer werden Gebäude und Figuren in eigens dafür gebauten Schränken gelagert. Balduin hat wirklich an alles gedacht.

Da ist er wieder, sein Perfektionismus.

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