Wehrmachtssoldat aus Winden rettet wertvolle Reliquie

Reliquie des Heiligen Adalbert gerettet : Ein polnischer Nationalheld aus Winden

In Polen ist Urban Thelen aus Winden so etwas wie ein Nationalheld. In seiner Heimat wissen dagegen nur wenige, dass er als junger Soldat den Polen ihr National-Heiligtum, nämlich die Reliquien des Heiligen Adalbert, vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten gerettet hat.

Und genau das soll sich jetzt ändern. Beate Chlosta, Geschäftsführerin der Firma Hoesch Design mit Sitz in Kreuzau und selbst Polin, hat durch Zufall herausgefunden, dass Thelen aus der Gemeinde Kreuzau stammt. Jetzt plant die Geschäftsfrau, eine Gedenktafel für ihn aufzuhängen – entweder an seinem Geburtshaus oder am Sitz ihres Unternehmens. „Für uns“, sagt Beate Chosta, „ist das eine magische Geschichte. Auch deshalb, weil sie sehr eng mit dem Sitz unserer Mutterkonzerns in Gnesen in Polen zusammenhängt.“

Vor 103 Jahren geboren

Aber warum wird Urban Thelen in Polen überhaupt verehrt? Thelen, 1915 in Winden geboren, musste nach seiner Ausbildung als Kaufmann zum Militär. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam er zur Wehrmacht und wurde zum Dienst im polnischen Inowroclaw eingeteilt. Dort lernte er den deutschen Pfarrer Paul Mattausch kennen, der ebenfalls aus dem Rheinland stammte.

„Die beiden haben sich angefreundet“, erzählt Chlosta, die sich intensiv mit der Geschichte Thelens beschäftigt hat. „Und das war für unser Land ein großes Glück.“ Thelen hat vier Jahre in der Militärverwaltung in Hohensalza in der Provinz Posen gearbeitet. Mattausch bat den Windener um Hilfe, als er erfuhr, dass der nach Gnesen reisen sollte. Thelen stellte Kontakt zum damaligen Generalvikar der Erzdiözese Gnesen, Kardinal Edward von Belriq, her und betätigte sich immer wieder als Kurier von Korrespondenz zwischen Mattauch und dem Erzbischof. Außerdem nutzte er die Möglichkeiten, die ihm die Arbeit in einer deutschen Amtsstelle verschaffte, aus und stellte Polen falsche Bescheinigungen aus, mit denen sie dem Abtransport nach Deutschland entgehen konnten.

Heute liegen die Gebeine des Heiligen Adalbertes wieder in der Kathedrale von Gnesen. Foto: imago/BE&W/Dariusz Bednarek

1941 fasste die Gestapo den Plan, den Dom von Gnesen zu entwidmen und die Reliquien des Heiligen Adalbert zu zerstören. „Die Polen waren und sind bis heute ein sehr frommes Volk“, sagt Chlosta. „Die Zerstörung ihres Nationalheiligtums hätte dieses Volk bis ins Mark getrofen.“ Das wusste auch Urban Thelen, der ebenfalls ein sehr gläubiger Katholik war.

Weil er bei der Wehrmacht überwiegend Verwaltungsaufgaben zu erfüllen hatte, hat er von den Plänen der Gestapo erfahren. Chlosta: „Urban Thelen konnte es mit seinem Glauben nicht vereinbaren, dass eine Kirche entwidmet und Reliquien eines Heiligen entwendet werden.“ In einer Nacht- und Nebelaktion hat Thelen die Reliquien aus der Kathedrale geholt, um sie vor den Nationalsozialisten zu retten.

Beate Chlosta von der Firma Hoesch Design will das Andenken an Urban Thelen bewahren. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Zunächst hat er sie in seinem Zimmer versteckt. Chlosta: „Der Raum ist noch in der Nacht von misstrauisch gewordenen Gestapo-Beamten durchsucht worden. Sie haben die Reliquie aber nicht gefunden.“ Gleich am nächsten Tag hat Thelen mit Pfarrer Mattausch das Heiligtum im Boden einer Kirche vergraben. Beate Chlosta: „Die Reliquien haben die Besatzungszeit überlebt, und Urban Thelen hat sie den Polen zurückgegeben. Seitdem kennt ihn bei uns wirklich jedes Kind.“ Urban selbst hat von seiner Tat nie großes Aufsehen gemacht. „Es war für ihn selbstverständlich“, sagt Chlosta. „Und das macht es für uns nochmal einmal mehr besonders.“

Mehr von Aachener Nachrichten