Düren: Wegweiser für Pflegende: Verständnis für Kulturen kann heilen helfen

Düren: Wegweiser für Pflegende: Verständnis für Kulturen kann heilen helfen

Kriegsflüchtlinge oder Menschen aus Katastrophengebieten sind oftmals traumatisiert. Wenn Menschen in ein neues Land kommen, haben sie den Wunsch, aufgefangen zu werden. „Werden ihre Wünsche und Hoffnungen nicht erfüllt, steigt die Gefahr von seelischen und körperlichen Erkrankungen”, erklärt Thomas Hax-Schoppenhorst, Pädagoge und Integrationsbeauftragter an der LVR-Klinik.

Gemeinsam mit Stefan Jünger, ebenfalls Integrationsbeauftragter und Assistent der Pflegedirektion, hat er nun ein Buch zum Thema „Seelische Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund” veröffentlicht. Eine Handreichung für Pflegekräfte, die viele Facetten des komplexen Themas „kultursensible Pflege” beleuchtet, Hintergründe liefert und Ratschläge für den Arbeitsalltag gibt.

„In der Regel haben Menschen mit Migrationshintergrund einen beschränkten und nicht ganz adäquaten Zugang zu unserem Gesundheitswesen”, erklärt Hax-Schoppenhorst. Vor allem die Schwelle, eine psychiatrische Klinik aufzusuchen sei hoch. „Das Verständnis von Krankheit ist weltweit sehr unterschiedlich.” Einige Kulturen haben ein sehr religiös verankertes Bild, andere gar eine magische Vorstellung. In der Türkei zum Beispiel gelten seelische Erkrankungen nicht selten als Prüfung Gottes, der alleine auch die Heilung bringt.

„Hinzu kommt, dass psychiatrische Einrichtungen oft einen schlechten Ruf haben. Noch immer denken Menschen, hier würden sie eingesperrt”, sagt Jünger.

Noch vor einigen Jahren seien seelisch-kranke Menschen mit Migrationshintergrund häufig erst in letzter Sekunde eingeliefert worden, weiß Jünger. Heute spiegelt sich in der LVR-Klinik der Anteil der Migranten in der Bevölkerung wieder: 12 bis 18 Prozent der Patienten haben Migrationshintergrund. Mittlerweile aber kämen auch Menschen aus anderen Kulturkreisen freiwillig in die Klinik, um Hilfe zu empfangen. Das werten die Integrationsbeauftragten auch als Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit: Auf Stadtfesten stehen sie mit Infoständen bereit und suchen den Kontakt zu Verbänden.

Wichtig ist im zweiten Schritt, also nachdem die Menschen eine Klinik aufgesucht haben, dass sie sich dort wohl fühlen. „Und dazu zählt auch, dass sie sich in ihrer Kultur angenommen fühlen”, sagt Jünger. Beispielsweise was die Körperpflege angehe. „Wenn das Pflegepersonal über transkulturelle Kompetenzen verfügt, kann das eine Tür für die Therapie öffnen.”

Konkrete Ratschläge

Um kulturelle Barrieren zu Überwinden, ist es laut den beiden Autoren wichtig, sich anderen Kulturen gegenüber offen zu zeigen, eigene Vorurteile zu hinterfragen und das Andersartige zu akzeptieren, darauf einzugehen. Die deutsche Kultur sollte niemandem aufgezwungen werden. Im Umgang mit dem Fremden gibt es eben immer Unsicherheiten - genau die soll das Buch, das die beiden Integrationsbeauftragten mit Unterstützung der Pflegedirektorin Jutta Schlegel, verfasst haben, überwinden helfen. Ein Patentrezept à la „mit dem Russen verfahre folgendermaßen” kann es nicht geben.

Allerdings werden für zentrale Personenkreise wie Türken, Osteuropäer und Flüchtlinge konkrete Ratschläge gegeben. Zum Beispiel der, dass bei Flüchtlingen, die eventuell Gewalt erfahren haben, hektische Reaktionen oder Formen des Bedrängens unbedingt zu vermeiden sind. Wichtig ist aber zunächst, dass das Personal überhaupt eine Kultursensibilität entwickelt. Um die transkulturelle Kompetenz in der Klinik auszubauen, wird laut Hax-Schoppenhorst und Jünger auch in der Personalpolitik zunehmend auf eine kulturelle Mischung geachtet.