Wasserstoff: ÖPNV in Düren soll bis 2030 emissionsfrei sein

ÖPNV soll bis 2030 emissionsfrei sein : Kreis Düren setzt auf Wasserstoff

Der Kreis Düren geht in die Offensive und möchte europaweiter Vorreiter für nachhaltige Antriebstechnik auf Straßen und Schienen werden. Bis 2030 soll dort der komplette öffentliche Nahverkehr emissionsfrei sein. Dafür will der Kreis in Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft vor allem auf die Wasserstofftechnologie setzen.

Die noch theoretischen Eckpunkte des Großprojektes stellte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) mit Vertretern des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und dem Energieversorger Westnetz vor. Spelthahn geht davon aus, dass der Kreis Anfang März 2019 vom Land den Zuschlag im Wettbewerb „Modellregion Wasserstofftechnik“ bekommt. Damit sind Fördersummen in Millionenhöhe verbunden. Mit welchen Summen der Kreis plant, wollte Spelthahn aus taktischen Gründen im Zuge des Vergabeverfahrens nicht preisgeben.

Diese Vision des Kreises und der mehr als 50 regionalen Partnern ist auch als erster großer Impuls für den Strukturwandel gedacht. Denn nach dem Ende der drei Tagebaue im Kreis Düren soll ein großer Teil des Wasserstoffes in der Region und dem Rheinischen Revier produziert werden. „Der Energieversorger Kreis Düren soll ein Paradebeispiel werden“, betonte der Landrat. „Es ist eine Grundsatzentscheidung, auf Wasserstoff zu setzen. Wir wollen eine Lösung für die Zukunft entwickeln.“

Wasserstoff soll „grüner“ werden

Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sind Elektroautos, die eine sogenannte Brennstoffzelle nutzen, um kontinuierlich Wasserstoff in Strom umzuwandeln. Der Wasserstoff für diese emissionsfreie Antriebstechnik soll nach Aussagen der Initiatoren künftig rein aus regenerativer Wind- und Sonnenenergie hergestellt werden. Noch geschieht dies größtenteils mit überschüssigem Strom aus fossilen Brennstoffen, der Wasserstoff ist also noch nicht „grün“.

Wo genau die zukünftigen Standorte für die Wasserstoffproduktion liegen sollen, müssen Gutachten noch ergeben. Den Anfang der Produktion sollen unter anderem das Forschungszentrum Jülich und der Windpark Merzenich machen. Bis 2022 soll eine erste rund 2,6 Kilometer lange Pipeline in Düren das Gelände von Rurtalbahn (Schienenverkehr) und Dürener Kreisbahn (Bus) versorgen. Das Konzept sieht auch vor, dass der Kreis bis 2026 ein „Wasserstoffexporteur für die Oberzentren Köln und Aachen und benachbarte Kreise“ werden kann. Bis 2030 soll dann die regionale regenerative Produktion in ein „nationales und internationales Wasserstoffkonzept“ integriert und an ein nationales Pipelinenetz angeschlossen werden.

Zeichen an deutsche Hersteller

Vorgesehen ist, dass der Kreis bis 2022 die ersten 60 Wasserstoffbusse kauft, dazu 60 Autos, drei Lkw und den ersten Zug. Abhängig sei der Plan jedoch vom deutschen Markt. Landrat Spelthan, Martin Robinius (FZJ) und Stefan Küppers (Westnetz) betonen, dass sie ein Zeichen setzen und die deutschen Hersteller von Wasserstoffzügen und -bussen „aus dem Dornröschenschlaf wecken“ wollen.

Die Landesregierung lobt den Wettbewerb im Mobilitätssektor aus, weil dort „am schnellsten mit Marktreife zu rechnen ist“, wird NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) im Aufruf zitiert. Ein „herausragendes Konzept“ berücksichtige außerdem die Bereiche „Erzeugung, Verteilung und Speicherung“, da die Verbindung dieser Bereiche die „große Herausforderung“ sei.

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