Wasserdialog: Wasserverband sucht Kontakt zu den Bürgern

Wasserdialog des WVER : Der Klimawandel macht sich auch an den Talsperren bemerkbar

„So ein Format wie heute ist für uns ganz neu“, begrüßte Dr. Joachim Reichert, Vorstand des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), am Freitagabend rund 100 Gäste in der Dürener Zentrale des Verbandes zum ersten sogenannten Wasserdialog.

Am „Tag des Wassers“ stellte der WVER vor, welche Aufgaben er hat und welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Bewirtschaftung der Talsperren in der Nordeifel hat. Aber die Verantwortlichen wollten auch erfahren, was die Menschen im 2100 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet bewegt.

Dass das Thema „Wasser“ mitunter für Anrainer der Rur eine gewisse Brisanz hatte, konnten die Organisatoren bei der Planung nicht ahnen. Nach der wetterbedingten Maximalabgabe der Talsperren trat die Rur an vielen Stellen über die Ufer, es wurde Kritik laut, dass der WVER die Abgabemenge an der Talsperre Schwammenauel nicht vorausschauend genug geplant hat. Eine Kritik, die auch am Freitag noch einmal zum Thema wurde. „Wir haben keine Sekunde daran gedacht, diesen ersten Wasserdialog zu vertagen“, machte Joachim Reichert die Position des Verbandes klar. Hochwasserschutz bedeute, Schlimmeres für die Allgemeinheit zu verhindern - auch wenn dies mitunter Einschränkungen und Unannehmlichkeiten mit sich bringt, was Reichert bedauerte.

Hochwasserschutz im „Rurgebiet“

Bereits im ersten Vortrag von Ingenieur Richard Gronsfeld wurde deutlich, welche Rolle das Talsperrennetz des Wasserverbandes für den Hochwasserschutz im „Rurgebiet“ spielt. Insgesamt gibt es in der Nordeifel neun Talsperren, sechs davon sind im Besitz des WVER. Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Bau der ersten Sperrwerke, gefolgt von großen Bautätigkeiten in den 1930er Jahren und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute verfügt der WVER über eine Speicherkapazität in Höhe von 300 Millionen Kubikmetern Wasser, 64 Millionen Kubikmeter werden für den Hochwasserschutz freigehalten. Um weiterhin über eine Reserve zu verfügen und die Sicherheit der Talsperren zu gewährleisten, musste jüngst der Maximalablass beantragt werden.

Verzahnungen

Die jüngsten Überschwemmungen und die Frage, ob der WVER zu spät die Abgabemenge erhöht hat, waren unter anderem Thema des zweiten Vortrags von Dr. Christof Homan. Der Referent erläuterte auch, welche Auswirkungen die Klimaveränderung auf die Talsperrenbewirtschaftung hat und an welche Vorgaben der Aufsichtsbehörden sich der Verband halten muss. So ist im sogenannten Lamellenplan klar vorgegeben, welche Wassermengen der Verband zu welchen Zeiten für die Industrie und die Trinkwassergewinnung vorhalten muss. Eine zu große Abgabe im Winter kann dann beispielsweise zu Engpässen im Sommer führen. Die Verzahnungen der einzelnen Hochwasserschutz-Elemente und Vorschriften sind mitunter äußerst komplex.

Rasend schneller Anstieg

Wie unberechenbar die Rur ohne Talsperren wäre, verdeutliche der WVER mit zwei Zahlen: In trockenen Zeiten plätschern manchmal nur rund 200 Liter pro Sekunde den Fluss hinab, nach starken Regenfällen kann sich dieser Wert rasend schnell auf 450 000 Liter pro Sekunde vervielfachen.

Doch was macht der Wasserverband außer Hochwasserschutz sonst noch? Darauf gab es ebenfalls im Wasserdialog Antworten: Zu den gesetzlichen Aufgaben zählen die Abwasserreinigung sowie die Versorgung von Industrie und Gewerbe mit Brauchwasser. Düren ist ein Industriestandort, die intensiv Wasser nutzende Papierindustrie spielt eine besondere Rolle. Zu den weiteren Aufgaben des WVER zählen die Unterhaltung der Gewässer, immerhin fast 2000 Fließkilometer, und die Renaturierung.

Neben den gesetzlichen Aufgaben gebe es auch ein Selbstverständnis an die Arbeit. „Wir sind auch maßgeblich verantwortlich für den Erfolg der Region“, sagte Vorstand Joachim Reichert. (Brauch-)Wasser sei ebenso Grundlagen für die Ausweisung neuer Baugebiete wie für die Ansiedlung von Gewerbegebieten und den Erfolg der Industrie. Letztlich spielen die Flüsse im Verbandsgebiet auch eine Rolle für die Lebensqualität der Anrainer. Reichert: „Wir machen die Umgebung lebenswert.“

(sj)
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