Düren: Was tun, wenn Bello sich auf den Postboten stürzt?

Düren : Was tun, wenn Bello sich auf den Postboten stürzt?

An eine Situation kann Sebastian Bernart sich noch genau erinnern. Der Mann ist Postzusteller und musste einmal in Vertretung für einen Kollegen einen großen Hof überqueren, um zu den Briefkästen des Hauses zu kommen. „Ich wusste nicht, dass es dort einen Hund gab. Und plötzlich kam das Tier zähnefletschend und ziemlich laut knurrend auf mich zugelaufen. Das war schon eine sehr mulmige Situation.“

Eigentlich, ergänzt der Postbote, habe er nie Angst vor Hunden gehabt. „Seitdem habe ich aber einen gehörigen Respekt vor den Tieren.“

So wie Bernart geht es vielen Zustellern, auch, wenn die Zahlen, die Post-Sprecher Dieter Pietruck nennt, auf den ersten Blick nicht besonders alarmierend klingen: Bundesweit sind im vergangenen Jahr 1991 Zusteller von Hunden angegriffen worden. 1025 Mal waren die daraus resultierenden Verletzungen so schlimm, dass die Postmitarbeiter einen Tag oder sogar länger ausgefallen sind.

Im Bereich der Niederlassung Köln-West, zu der unter anderem die Kreise Düren und Heinsberg sowie die Städteregion Aachen gehören, gab es 34 Hunde-Vorfälle. Davon endeten 16 mit einer längerfristigen Erkrankung. „Prozentual ist das sicher eine überschaubare Zahl“, sagt Pietruck. „Aber jeder vom Hund gebissene Postbote ist einer zu viel.“

Um ihre Mitarbeiter besser zu schützen, bietet die Post regelmäßig Hundeschulungen an. Pietruck: „Die Teilnahme ist freiwillig. Für die Schulung heute in Düren haben sich 20 Kollegen angemeldet. Es gibt einen Theorie- und einen Praxisteil.“

Unterrichtet werden die Postzusteller von Michael Pfaff und seiner belgischen Schäferhündin Couba. Pfaff war bis zu seiner Pensionierung Hundeführer bei der Polizei und arbeitet jetzt als Hundetrainer. „Dass es zu Konflikten zwischen Postboten und Vierbeiner kommt“, sagt Pfaff, „hat nicht das Geringste mit der Uniform der Postzusteller zu tun. Hunde haben überhaupt kein Problem mit der Farbe Gelb. Aber damit, dass der Postbote regelmäßig in das Territorium des Hundes eindringt.“

Wichtig, ergänzt der Fachmann, sei die richtige Körpersprache. Pfaff: „Es gibt Untersuchungen, die eindeutig belegen, dass Postboten, die Hunde mögen und vielleicht sogar selbst einen Hund haben, genauso oft im Dienst gebissen werden wie Zusteller, die Angst vor Hunden haben.“ Deswegen empfiehlt der Hundetrainer den Briefträgern immer, die Tiere komplett zu ignorieren. „Hunde kommunizieren mit Menschen über Körperhaltung — hektische Bewegungen sollten tunlichst vermieden werden. Der Hund darf auf keinen Fall mit dem Blick fixiert werden.“

Keine Leckerlis

Zusteller Ash Prakash kann die richtige Körperhaltung sofort mit Hundedame Couba üben. Prakash bekommt ein Beißkissen und Couba springt sofort darauf an. Erst, als der Postbote ganz ruhig wird, sich im Zeitlupentempo rückwärts bewegt, wird auch der Hund sanfter. „Das ist ein wirklich gutes Erlebnis“, sagt Prakash. „Ich habe zwar noch nie schlechte Erfahrungen mit einem Hund gemacht, aber natürlich sind große Hunde, die aggressiv wirken, irgendwie schon unheimlich. Jetzt fühle ich mich sicherer, weil ich weiß, dass ich mit meinem Verhalten das des Hundes beeinflussen kann.“

Pfaff rät den Postboten davon ab, Leckerlis für „Bello“ und „Rex“ in der Uniformtasche zu haben. „Grundsätzlich“, erklärt Pfaff, ist das kein Problem, aber natürlich weckt der Zusteller mit Leckerchen eine Erwartungshaltung bei den Hunden. Und wenn dann mal ein anderer Postbote kommt, der keine Leckerlis dabei hat, kann das ein riesiges Problem werden.“

Natürlich sind auch die Hundehalter in der Pflicht. Dieter Pietruck: „Die können wir mit unserer Schulung aber natürlich nicht beeinflussen.“ Werde ein Zusteller gebissen, müsse der Hundehalter haften. „Und in besonders schlimmen Fällen“, sagt Pietruck, „können Leute auch von der Zustellung ausgeschlossen werden. Die müssen sich ihre Post dann in der Filiale abholen gehen.“

Ein voller Erfolg

In der Region Düren seien solche extremen Fälle aber nicht bekannt. Für Sebastian Bernart war der Nachmittag mit Couba und Hundetrainer Michael Pfaff ein voller Erfolg. „Ich habe immer noch Respekt vor Hunden“, sagt der Zusteller. „Aber ich fühle mich jetzt insgesamt viel sicherer. Wenn mir nochmal ein Hund bellend entgegenrennt, weiß ich, was ich zu tun habe.“

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