Ausblick auf 2019 in den Kommunen, Teil I: Was steht an, Herr Bürgermeister?

Ausblick auf 2019 in den Kommunen, Teil I : Was steht an, Herr Bürgermeister?

Wenn ein neues Jahr beginnt, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit schon fest, welche Projekte und Bauarbeiten in einer Kommune anstehen, weil sie schon vor längerer Zeit beschlossen worden sind. Darüber haben wir mit allen Bürgermeistern gesprochen.

Im ersten Teil der Umfrage starten die Bürgermeister aus Kreuzau, Vettweiß, Nörvenich und Nideggen. Wir haben ihnen aber auch die Frage gestellt, welche Vorhaben sie 2019 vorantreiben möchten beziehungsweise welche laufenden Projekte ihnen besonders wichtig sind.

Ingo Eßer

CDU, Bürgermeister von Kreuzau

Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

2019 wird uns hauptsächlich die Planung und die Umsetzung des Masterplans beschäftigen. Abgesehen davon geht es auch in anderen Bereichen um die Aufrechterhaltung der Lebensqualität in der Gemeinde. Was mir persönlich sehr wichtig ist und was ich auch mit Nachdruck vorantreiben werde, ist das Einzelhandelskonzept. Das ist dringend nötig, um die Grundversorgung im Zentrum zu sichern und weiter zu entwickeln. Das Konzept ist auch zwingend nötig, um in Zukunft zum Beispiel auch einen Drogeriemarkt ansiedeln zu können – gerade den wünschen sich die Bürger dringend, und zwar seit Jahren.

Das Konzept haben wir 2018 in Auftrag gegeben, in diesem Jahr soll der Vorschlag in der Politik beraten werden. Ich freue mich auf die Diskussion! Ein weiteres Vorhaben, das wir in der Verwaltung anstoßen, ist die Ortsbildverbesserung. Der Bauhof ist in den vergangenen 20 Jahren stetig verkleinert worden. Ich mache oft die Erfahrung, dass sich Bürger darüber beschweren, dass Grünflächen nicht vernünftig gepflegt würden, Mülleimer fehlen oder die Friedhofverwaltung nicht optimal läuft.

Wir werden in diesem Jahr an einem optimierten Konzept für den Bauhof arbeiten, um den Ansprüchen der Bürger gerecht zu werden. Konkret heißt das: Was kann unser Bauhof leisten und was muss er leisten? 2020 soll das Konzept der Politik vorgestellt werden.Herausforderungen für die Verwaltung sind die notwendigen Sanierungsmaßnahmen an den gemeindlichen Liegenschaften wie etwa Feuerwehrgerätehäusern und Kindertagesstätten. Man nimmt sie nicht immer wahr, sie bedeuten aber viel Arbeit für die Verwaltung.

Und dann ist da noch der Betreuungsbedarf: Für das Kita-Provisorium neben der Festhalle muss endlich eine Dauerlösung her. Außerdem geht es darum zu schauen, wie der Bedarf in den Ortsteilen aussieht. Das Thema Betreuung ist eine echte Herausforderung, weil der Platzbedarf für Kindergärten langfristig schwer planbar ist.

Joachim Kunth

CDU, Bürgermeister von Vettweiß

Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Ein Highlight des Jahres werden die Kulturtage vom 29. Juni bis zum 7. Juli sein, bei denen – wie zuletzt 2013 – ein großes und abwechslungsreiches Programm geboten wird. Wichtig für die Infrastruktur der Kommune ist natürlich der Bau der Tankstelle in Vettweiß, die voraussichtlich im Sommer fertiggestellt wird. Auf dieses wichtige Infrastrukturprojekt haben wir jahrelang hin gearbeitet. In diesem Zusammenhang möchte ich den Fokus auch weiter auf die Wirtschaftsförderung legen.

Der Bahnsteig in Vettweiß wird zwar in diesem Jahr noch nicht errichtet, aber der tägliche Betrieb der Bördebahn wird einen absoluten infrastrukturellen Vorteil, vor allem, wenn sie 2020 in dichter Taktung fährt und Pendler, die zum Beispiel nach Bonn fahren, den Bahnhof Euskirchen viel einfacher erreichen können. Außerdem geht es natürlich auch in Vettweiß darum, die gute Konjunktur zu nutzen und Bauland zu schaffen, das hier auch aufgrund der guten Lage sehr nachgefragt ist.

Bei den Neubaugebieten geht es aber auch um den Dialog mit den Bürgern, die ein Projekt kritisch betrachten, auch das wird uns begleiten. Baulich haben wir an den Außengeländen der Schulen bislang viel getan, die Fertigstellung einiger Projekte steht kurz bevor. Dort ist nun die Digitalisierung ein wichtiges Thema. Der Bau des Mehrgenerationenparks an der ehemaligen Hauptschule wird im Herbst starten. Finanziell läuft es in der Gemeinde derzeit gut und die Bürger mussten bislang nur moderate Steuererhöhungen stemmen.

2020 werden wir aus dem Haushaltssicherungskonzept raus sein. Herausforderungen für die Verwaltung sind in diesem Jahr sicherlich die Vorbereitung der Europawahl im Mai und des Zensus 2021. Natürlich begleiten wir auch Themen, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde fallen: So beobachte ich, dass schon ein Stück der Ortsumgehung von Soller geteert ist und die Entlastung für die Anwohner endlich näher rückt.

Dr. Timo Czech

CDU, Bürgermeister von Nörvenich

Foto: ZVA/Jörg Abels

Nach drei Jahren im Amt geht es 2019 größtenteils darum, die Früchte unserer Arbeit zu ernten. In Rath und Binsfeld werden ab Januar und Februar Neubaugebiete erschlossen. In Wissersheim folgt im Laufe des Jahres auch ein Spatenstich. Damit kann ich beweisen: Wir sind auch ohne die Wachstumsoffensive des Kreises voll auf Kurs, unser Ziel zu erreichen, bis 2022 um zehn Prozent zu wachsen. Die Offensive des Kreises ist unterstützenswert, das steht außer Frage. Aber teures Marketing ist doch nur nötig, wenn ein Produkt nicht mehr zieht. Uns wurden die Grundstücke ohne große Werbung förmlich aus den Händen gerissen.

Der Kreis muss da ansetzen, wo er auch selbst Leistung erbringen muss, nämlich zum Beispiel bei Genehmigungen. Wenn die Prozesse schneller und besser werden, haben wir im Kreis großes Potenzial, und dann stehe ich voll hinter der Offensive. 2019 steht die Umsetzung des Masterplans am Markt in Nörvenich – die Arbeiten sollten zum Jahreswechsel abgeschlossen sein – und der Burgstraße an, hinzukommt die Renaturierung des Neffelbachs und der Bau einer Bachauen-Erlebniswelt. Bei der Erweiterung des Gewerbegebietes von 16 auf 52 Hektar haben wir noch ein Drittel des Weges vor uns. 2020 soll die Erschließung beginnen. Das sind alles Projekte, die ich persönlich angestoßen habe. Die gilt es erst abzuarbeiten.

Eine Riesenherausforderung wird der ausgeglichene Haushalt sein, weil er ohne Steuererhöhung sehr knapp berechnet ist, und wir daher jedes Risiko kontrollieren müssen. Eine schöne Sache, aber auch eine Herausforderung, sind die steigenden Schülerzahlen. Wir möchten nicht in die Situation kommen, unterversorgt zu sein, wie zum Beispiel die Stadt Düren bei den Kitaplätzen. Wir werden proaktiv handeln. Ich wünsche mir, dass Rücksichtnahme und Respekt unter den Bürgern wieder zunehmen. Denn die Beschwerden und die Arbeit für die Verwaltung werden immer mehr.

Marco Schmunkamp

Parteilos, Bürgermeister von Nideggen

Foto: ZVA/Burkhard Giesen

Weiterentwicklung, Infrastrukturerhalt und Vernetzung sind für dieses Jahr wichtige Stichworte. Wir haben uns das Stadtgebiet genau angeschaut: Wo können wir Potenziale heben? Wo Baugebiete, wo Gewerbeflächen erschließen? Nur mit einer strategischen Planung können wir Arbeitgeber und Neubürger anziehen. In diesem Jahr wollen wir die Bürger an dieser Planung beteiligen, ihre Wünsche anhören und die Pläne für die Weiterentwicklung konkretisieren. Vor allem im Ring um Nideggen gibt es zum Beispiel noch viel Potenzial für Bauland, ich möchte nun Gespräche mit den Eigentümern der Flächen führen.

Der Zuzug von neuen Bürgern ist enorm wichtig, wir arbeiten da seit Jahren dran. Außerdem werden wir mit Vereinen, Gewerbetreibenden, Politikern und Bürgern weiter am sogenannten Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept arbeiten. Diese Vernetzung ist bedeutend, um die Bedürfnisse zu kennen und die Stadt zukunftsfähig zu machen. Ein Konzept, das in einem Masterplan mündet, ist mir wichtig, um Fördergelder für Straßen- und Gebäudesanierungen und die Umgestaltungen eines Dorfplatzes zu bekommen.

Wir müssen die Einnahmesituation ohne Steuererhöhungen verbessern, denn mehr sparen können wir nicht. In Abenden hat sich dieses intensive Bemühen um Fördergelder mit Blick auf die Festhalle schon gelohnt. In jedem Ortsteil gibt es ein Projekt, für das wir Fördermittel beantragen. In Schmidt zum Beispiel wünschen sich die Bürger, den Dorfplatz in der Ortsmitte wiederzubeleben. Dort könnte ein Mehrgenerationenplatz entstehen.

Außerdem ist die Arbeit am Sportstättenkonzept wichtig, damit Menschen, die hier leben und hier her ziehen, aktiv sein können. Ebenfalls mit Fördergeldern soll in diesem Jahr daran gearbeitet werden, den Instandhaltungsstau aufzuarbeiten, zum Beispiel was die energetische Sanierung von Schulen und des Rathauses betrifft, aber auch die Sanierung von Straßen.

Ausblick auf 2019 in den Kommunen, Teil II

Ausblick auf 2019 in den Kommunen, Teil III

(cro/smb)
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