Düren: Was macht ein gutes Kinderbuch aus, Herr Becker?

Düren : Was macht ein gutes Kinderbuch aus, Herr Becker?

Vor ziemlich genau zehn Jahren hat Frank Becker (50) aus Düren, bis dahin Vertriebsleiter in der Industrie, sein erstes Kinderbuch veröffentlicht. „Es war schon immer mein Wunsch zu schreiben“, sagt Becker. „Eigentlich habe ich die Geschichte für mein Patenkind geschrieben. Ich habe sie dann aber auch an Verlage geschickt, und es hat funktioniert.“

Mittlerweile ist Frank Becker mit seinem fünften Buch „Cora und der Spuk im Storchenmoor“ auf Lesereise. Der sechste Teil ist in Arbeit. Im Gespräch mit Sandra Kinkel erzählt der Kinderbuchautor, was ein gutes Kinderbuch ausmacht, und warum ihm Leseförderung so wichtig ist.

Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Frank Becker: Ich habe als Kind nicht besonders viel gelesen, weil ich ein typisches „Draußen-Kind“ war. Ich bin im Grüngürtel groß geworden. Das war für uns ein Paradies. Ein Buch habe ich aber geliebt und auch mehrfach gelesen. Das war „Moby Dick“ von Herman Melville.

Sie haben selbst keine Kinder. Woher wissen Sie trotzdem, was Jungen und Mädchen lesen wollen?

Becker: Ich habe sehr viel Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, weil ich seit Jahren in ganz Nordrhein-Westfalen Lesungen in Schulen halte. Ich glaube, dass es Kindern am wichtigsten ist, dass die Geschichten, die sie lesen, authentisch sind. Ich möchte Kindern mit meinen Büchern einen Rückzugsort bieten, damit sie aus ihrem oft sehr durchgetakteten Alltag entfliehen können.

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Geschichten authentisch wirken?

Becker: Die Protagonistin meines Buches, die elfjährige Cora, erlebt Geschichten, die eigentlich jedes Kind so erleben kann. Ich wähle Schauplätze, die mir als Kind auch sehr gefallen hätten, also zum Beispiel den Wald oder Schlösser. Außerdem ist es wichtig, die Sprache der Kinder zu sprechen.

Was wollen Sie mit Ihren Büchern erreichen?

Becker: Ich hoffe, dass Kinder, die meine Bücher lesen, ein bisschen Ruhe finden. Mir ist es aber auch wichtig, Leseförderung zu betreiben. Deswegen bin ich auch so viel in Schulen unterwegs und halte Lesungen. Meine Erfahrung ist, dass viele Kinder keine Bindung zu Büchern haben, und auch in vielen Familien häufig nicht mehr gelesen wird. Das möchte ich versuchen zu ändern.

Gelingt das denn?

Becker: Ja, ich glaube schon. Natürlich kann ich nicht alle Kinder erreichen, aber ich habe bei meinen Veranstaltungen in den Schulen schon eine sehr positive Resonanz. Viele kommen nach den Lesungen zu mir und stellen unglaublich viele Fragen, was mir zeigt, dass ich sie mit meinen Büchern erreicht habe. Für mich ist es schon ein Erfolg, wenn ich es geschafft habe, nur ein paar Kinder für Bücher und Geschichten zu begeistern. Außerdem habe ich auch den Eindruck, dass es immer häufiger an Schulen ganze Projektwochen zum Thema Lesen gibt. Ich denke, da hat es mittlerweile schon eine Bewusstseinsänderung gegeben.

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