Was bringt der Tourismus in der Rureifel?

Studie : Was bringt der Tourismus in der Rureifel?

Gotthard Kirch, Geschäftsführer des Vereins Rureifel Tourismus, hatte schon immer den Verdacht, dass die touristische Bedeutung von Kreuzau unterschätzt wird. Nun sieht er sich durch eine aktuelle Studie bestätigt.

Kreuzau sei, was den Tourismus in der Rureifel angehe, bisher als eine Art Mini-Partner neben den drei größeren Kommunen Nideggen, Heimbach und Hürtgenwald hergelaufen. „Endlich wird mal deutlich, wie wichtig Obermaubach als Tagesausflugsziel ist und wie viel Geld da gelassen wird“, sagte Kirch mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse. Diese wurden am Mittwoch vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) aus München vorgestellt.

75 Prozent Tagesgäste

Aber nicht allein das Potenzial von Kreuzau, sondern das der gesamten vier Kommunen in der Rureifel wurde von dwif-Mitarbeiter Moritz Sporer beleuchtet. Betrachtet wurde das Jahr 2017, in dem Gäste laut der Studie insgesamt 2,676 Millionen Tage in der Rureifel verbrachten. 75 Prozent davon machten Tagesreisen aus. Mit großem Abstand folgten Gäste, die in gewerblichen Betrieben (12,9 Prozent) und auf Campingplätzen (10,9 Prozent) unterkamen. Nur in 1,5 Prozent der Fälle übernachteten die Gäste in Zimmern von Privatvermietern. Obwohl also drei Viertel der Aufenthaltstage den Tagesgästen zuzurechnen sind, sorgten diese nur für 50 Prozent der Umsätze. 37,5 Prozent der Umsätze wurden durch Gäste in gewerblichen Betrieben eingefahren. Insgesamt wurden im Vorjahr 82,4 Millionen Euro mit Tourismus in der Rureifel umgesetzt. Am stärksten profitierte davon das Gastgewerbe mit 42,1 Millionen Euro, gefolgt vom Einzelhandel (23,7 Millionen Euro) und Dienstleistungen (16,6 Millionen Euro).

Die Tagesgäste sind also die größte Zielgruppe der Branche, sie sollen aber noch mehr Möglichkeiten bekommen, ihr Geld auch im Kreis Düren auszugeben, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU). In Kreuzau gibt ein Tagesgast im Schnitt 22,40 Euro aus, in Nideggen 21,60 Euro, in Heimbach 18,80 Euro und in Hürtgenwald 16,70 Euro. In touristischen Orten in Süddeutschland seien es mehr als 30 Euro, betonte Spelthahn das Entwicklungspotenzial der Region.

Betrachtet man die 676 000 Übernachtungen von Gästen in der Rureifel, dann fällt auf, dass 43 Prozent davon auf Campingplätzen verbracht wurden, 27 Prozent in Ferienwohnungen oder -häusern, 12 Prozent in Hotels und jeweils wenige Prozent in Gasthöfen, Pensionen, Jugendherbergen und Erholungsheimen.

Die meisten Übernachtungsgäste (66 Prozent) blieben in Heimbach, gefolgt von Nideggen (22 Prozent), Hürtgenwald (9 Prozent) und Kreuzau (2 Prozent). Moritz Sporer legte aber Wert darauf, nicht nur die absoluten Zahlen zu präsentieren, sondern diese auch in Bezug zur jeweiligen Einwohnerzahl der Kommune zu setzen. Auf einen Einwohner von Kreuzau kam ein Übernachtungsgast, auf einen Hürtgenwalder kamen sieben Gäste, auf einen Nideggener 15 und auf einen Einwohner von Heimbach sogar 103 Übernachtungsgäste.

Der Unterschied zwischen der Anzahl des Tages- und der Übernachtungsgäste ist in Kreuzau am größten. Dort gibt es wenige Übernachtungs-, aber viele Tagesgäste. Konkret: Auf einen Übernachtungsgast kommen 46 Tagesgäste. In Heimbach ist das Verhältnis mit eins zu zwei deutlich ausgeglichener.

„Vorzeigetourismuszone“

Auf Basis aller vorgestellten Ergebnisse des Instituts betonte Landrat Spelthahn die Bedeutung der Rureifel: Sie sei im Kreis die „Vorzeigetourismuszone, von der alle anderen profitieren können“. Die Bürgermeister der vier Kommunen sehen sich darin bestärkt, dass der Tourismus ein wichtiger Standortfaktor ist und möchten nun auf der Grundlage dieser, von der Sparkasse Düren finanzierten Studie, weiterarbeiten. Der Kreuzauer Bürgermeister Ingo Eßer (CDU) deutete an, dass derzeit Gespräche zur Ansiedlung eines Hotelbetriebes liefen, aber noch nicht spruchreif seien. Und auch Spelthahn sprach von einer „investitionsfreudigen Stimmung“.

Das passt zu dem, was Rureifel-Tourismus-Geschäftsführer Gotthard Kirch zur Hauptaufgabe erklärt hat: „Keinen Stillstand entstehen lassen!“ Dabei setzt er auf das Zusammenspiel zwischen den Kommunen, die die Übernachtungsinfrastruktur entwickeln, und seiner Tourismusvereinigung, die Angebote, Ideen und Produkte entwickeln möchte.

Mehr von Aachener Nachrichten