Vortrag zu den Mühlenteichen im Dürener Stadtmuseum

Von Obermaubach bis Hückelhoven : „Die Perlenkette der Dürener Industrie“

„Perlenketten der Dürener Industrie“ werden die Mühlenteiche entlang der Rur auch genannt. Damit sind die einst parallel zum Flusslauf angelegten Gräben gemeint, deren Entstehung weitgehend im Dunkeln liegt.

Mehr dazu konnten Interessierte bei einem Vortrag von Elke Janßen-Schnabel (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland) im Stadtmuseum in Düren erfahren. Die Referentin ist der Gutachtenbehörde der Abtei Brauweiler zugeordnet. „Dort geht es um die Erfassung von Zusammenhängen und der Beurteilung von Grenzfällen“, sagte die Expertin. Im Rahmen eines Gewässer-Auen-Programms, das vor 20 Jahren erstellt wurde, sind auch die Mühlenteiche von Obermaubach bis Hückelhoven begutachtet worden. Das Thema stieß auf großes Interesse, so dass noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

„Auch vom Menschen geschaffene Mühlenteiche können denkmalwürdig sein“, erklärte Janßen-Schnabel. Die Bedeutung der Teiche für die Entwicklung der Stadt und ihres Gewerbes sei ebenso herausragend wie unbestritten. Sie verwies auf die ehemaligen Malz- und Farbmühlen sowie die Eisenschneiderei im Bereich Kreuzau/Düren. In der Lendersdorfer Eisenhütte wurde seit 1613 Eisenerz gewonnen. Und die Boisdorfer Farbmühle war seit 1579 in Betrieb, sie war mit der Herstellung von Waidfarbe befasst.

Des Weiteren gab es die Gerstenmühle in Düren, von wo aus später die Deportationen von jüdischen Menschen stattfinden sollten, und die schließlich abgerissen wurde. Die Rede war auch von der Pulvermühle im Veldenhof.

Im Anschluss an den Vortrag kam es zu interessanten Diskussionen. Dabei ging es unter anderem darum, dass die Mühlenteiche seit 2013 unter Denkmalschutz stehen. Besonders schützenswert sei der rechteckige Querschnitt des Gewässers. Natürlich müssten hierfür die Uferbefestigungen instand gehalten werden, was allerdings vielerorts nicht mehr der Fall ist. „Das hat dazu geführt, dass die Ufer der Teiche auskolken“, bedauerte ein Anwohner. Landschaftsprägende Bäume an den Ufern würden unterspült und müssten gefällt werden. Im weiteren Verlauf bildete sich spontan eine Interessengemeinschaft von Anrainern.

Schließlich kam die Frage auf, ob die Mühlenteiche ursprünglich sogar durch die Römer angelegt wurden, um das Frühjahrshochwasser der Rur einzudämmen. Dagegen spräche, dass zwischen den beiden Mühlenteichen rechts und links der Rur kein einziger römischer Fund gemacht wurde, so die Referentin. Um die Bedeutung der Mühlenteiche und ihrer Mühlen als Perlenkette der Industrialisierung in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, regte der Leiter des Stadtmuseums Düren, Bernd Hahne an, einen Mühlenteich–Wanderweg einzurichten.

(wey)