Düren: Vorsitzende des Katholikenrats: Nicht nur beten und still halten

Düren : Vorsitzende des Katholikenrats: Nicht nur beten und still halten

Ihr Glaube ist Irene Mörsch schon immer ein großes Anliegen gewesen, genauso wie wichtige gesellschaftspolitische Themen wie Umweltschutz und Frieden. Seit Jahren engagiert die 66-Jährige sich bei der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“, diesen Verband vertritt sie außerdem schon lange im Katholikenrat der Region Düren.

Anfang des Monats hat dieses Gremium Irene Mörsch nun zu seiner Vorsitzenden gewählt. Die pensionierte Lehrerin tritt damit die Nachfolge von Monika Ollig an.

„Es ist mir wichtig“, sagt Mörsch, „gesellschaftliche und politische Themen im Licht des Glaubens zu betrachten.“ Sie habe häufig den Eindruck, dass Kirche immer nur bei Katastrophen wirklich wahrgenommen werde. „Dabei hat Kirche große gesellschaftliche Verantwortung“, betont Mörsch. „Und es ist auch falsch, dass Christen nur beten und ansonsten still halten sollen.“ Irene Mörsch, die zuletzt bereits zweite Vorsitzende des Katholikenrates war, will genau das eben nicht tun. Im Gegenteil. „Wir müssen uns klar positionieren bei Themen wie Armut, der Flüchtlingsproblematik und dem Erhalt des Hambacher Forstes. Und wir müssen unsere Stimme erheben.“

Der Katholikenrat hat rund 25 Mitglieder, als Irene Mörsch dort angefangen hat, waren es um die 100. Mörsch: „Alle Gemeinschaften der Gemeinden der Region Düren und Verbände wie eben ‚Pax Christi‘ können Vertreter für den Katholikenrat entsenden. Aber längst nicht mehr alle Gemeinden und Institutionen tun das auch. Es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind mitzutun.“ Gleichwohl, betont Mörsch ausdrücklich, gebe es im Katholikenrat viele „jüngere, sehr engagierte Mitglieder“. „Ich glaube, es kann gelingen, dass wir uns wieder mehr Gehör verschaffen und deutlicher ins Bewusstsein der Menschen kommen.“

Der Katholikenrat lädt zu Veranstaltungen zu aktuellen Themen ein, organisiert öffentliche Podiumsdiskussionen und ist auch Mitglied der vor zwei Jahren gegründeten „Initiative Friedensplan“, die sich dafür einsetzt, dass die Konflikte im Hambacher Forst nicht immer weiter eskalieren. Irene Mörsch: „Es hat in diesem Zusammenhang unter anderem Gespräche mit RWE gegeben, an denen auch ein Vertreter des Katholikenrates teilgenommen hat.“ Überhaupt sind es auch vor allem vor dem Hintergrund der Papst-Enzyklika „Laudato si“, die sich schwerpunktmäßig mit Klimaschutz beschäftigt, sehr häufig umweltpolitische Themen, mit denen sich der Katholikenrat beschäftigen möchte. „Wir möchten gucken, wie die Pfarrgemeinden heizen, oder was es bei Pfarrfesten zu essen gibt. In dem Zusammenhang wollen wir beispielsweise Tipps geben, vielleicht auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten und dafür weniger, aber besseres Fleisch anzubieten.“

Die Entwicklung im Bistum

Klar, dass Irene Mörsch und der Katholikenrat auch die Entwicklung im Bistum Aachen genau verfolgen werden. „Dass das Amt des Regionaldekans abgeschafft wurde, und der Bischof jetzt sogenannte Regionalvikare einsetzt, sehen wir mit großer Sorge“, sagt Irene Mörsch, die einen Demokratieverlust erwartet. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Bischof Priester zu Regionalvikaren ernennt, die auf seiner Linie sind, ist doch sehr, sehr hoch. Und Tatsache ist, dass ein weiteres Stück Mitbestimmung im Bistum Aachen verloren geht.“ Neben ihrem Engagement bei „Pax Christi“ und im Katholikenrat arbeitet Mörsch noch ehrenamtlich als Referentin für Prävention von sexueller Gewalt für verschiedene Verbände. In ihrer Freizeit mag sie Gartenarbeit, reist viel und liest gerne.

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