Vor allem Frauen melden sich beim Opferschutz im Kreis Düren

Opferschutz im Kreis Düren : Vor allem Frauen suchen Hilfe beim Weißen Ring

Dass bei Einbrüchen sichtbare Schäden entstehen, ist jedem bekannt. Unbemerkt bleiben oft jedoch die Spuren bei den betroffenen Menschen. Sie fühlen sich manchmal unsicher und beobachtet in den eigenen vier Wänden und können nicht zur Tagesordnung zurückkehren. In solchen Fällen hilft der Weiße Ring, der sich dem Opferschutz verschrieben hat.

Im vergangenen Jahr wurden die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Kreis Düren 143-mal nach Verbrechen kontaktiert. Viele Sachverhalte sind nicht für Zartbesaitete geeignet: Fälle von Menschenhandel (4), sexueller Nötigung und Vergewaltigung (29) sowie häuslicher Gewalt (13). Dafür werden die Helfer beim Weißen Ring allerdings geschult. Der Leiter der Außenstelle Düren-Jülich, Paskal Laskaris stellt auch heraus, dass nicht jeder geeignet sei, die Aufgabe im Weißen Ring zu übernehmen. „Wer sich selbst therapieren will, der ist fehl am Platz“, meint er.

Ein erweitertes Führungszeugnis muss vorgelegt werden. Die Fortbildungen sind gegliedert und bauen aufeinander auf: Den Einführungskursen folgen Grundkurse. Wer schon länger mit von der Partie ist, sollte alle sechs Monate eine Schulung zu einem speziellen Thema besuchen – die Kosten übernimmt der Weiße Ring. Vor dem ersten Fall muss man zunächst hospitieren, bei den ersten eigenen Terminen wird man begleitet. „So stellen wir sicher, dass niemand anfangs mit der Aufgabe überfordert ist“, sagt Laskaris.

Er gehört dem Opferschutz-Verein seit fünf Jahren an. In seinen Augen habe die Arbeit zwar nicht zugenommen, aber die Tätigkeit ist komplexer geworden. Dies hängt für ihn auch mit dem gewachsenen bürokratischen Aufwand zusammen. Jeder Fall muss detailliert dokumentiert werden. Das geschieht vor allem, um die Anforderungen des Finanzamtes zu erfüllen. In manchen Fällen zahlt der Weiße Ring Geld. Dies passiert zum Beispiel, wenn jemand die nach einem Einbruch zerstörte Tür nicht auf eigene Kosten reparieren lassen kann. Der Verein unterstützt auch eine nach einer häuslichen Attacke seelisch verletzte Mutter mit ihrem Kind und finanziert einen Kuraufenthalt für sie mit.

Will den Opferschutz im Kreis Düren stärken und ausbauen: Paskal Laskaris, Leiter der Außenstelle Düren-Jülich des Weißen Rings. Foto: Patrick Nowicki

Jeder kann zu einem Opfer eines Gewaltverbrechens werden. Die Hilfesuchenden kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Auch die Altersspanne ist groß. Mobbing kommt schon in der Schule vor, Opfer anderer Straftaten melden sich erst Jahre später. Eine Statistik sticht jedoch hervor: „Etwa 95 Prozent unserer Klienten sind Frauen“, schildert Laskaris. Die genauen Gründe dafür kann er nicht nennen. Bestimmte Sachverhalte nehmen Frauen stärker mit oder sie sind häufiger Opfer. In den meisten Fällen melden sich Opfer von Einbrüchen und Diebstählen (50) beim Weißen Ring im Kreis Düren, doch schon dahinter folgt die sexuelle Nötigung und Vergewaltigung (29).

Die Folgen dieser Verbrechen können Ehrenamtler nicht abfedern, sondern die Betroffenen lediglich an Fachstellen vermitteln. Der Weiße Ring greift auf ein Netzwerk mit professionellen Einrichtungen zurück. Mit der LVR-Klinik besteht seit dem 1. Januar eine Kooperation – so droht keine lange Wartezeit bis zum ersten Kontakt zu einem Therapeuten. Für Opfer von Gewalttaten kann eine entsprechende Bescheinigung nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) ausgestellt werden. Wie vorgegangen wird, wird von Fall zu Fall entschieden.

Die Begleitung des Weißen Rings ist von kurzer Dauer: „Wir helfen den Menschen, sich selbst zu helfen“, betont Laskaris. Eine dauerhafte Unterstützung könne man nicht leisten. Allerdings steht dies im Gegensatz zu mancher Erwartungshaltung. Finanzielle Hilfen sind möglich, werden jedoch nicht in jedem Fall gewährt und müssen ausführlich begründet werden. Zahlreiche Betroffene nutzen die  offene Sprechstunde im Landesbüro an der Dürener Josef-Schregel-Straße. Die Sprechstunde in Jülich hingegen hat sich nicht gelohnt. Ende des vergangenen Jahres wurde dieses Angebot eingestellt. „Die Menschen aus dem Kreis kommen nach Düren in die Sprechstunde“, meint Laskaris.

Es ist auch üblich, dass die Ehrenamtler zu den Opfern nach Hause fahren. Das allerdings immer zu zweit. Auch das ist eine neue Vorschrift, die die Helfer des Weißen Rings zu befolgen haben.

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