Von Schweigen keine Spur bei "Langer Nacht der Bibliotheken" in Düren

Lange Nacht der Bibliotheken : Von Schweigen keine Spur in der Stadtbücherei Düren

Es ist ein Klischee, das man nur zu gut aus Film und Fernsehen kennt: In einer Bibliothek muss man leise sein. Tatsächlich ist das Schweigegebot in echten Büchereien längst aus der Mode gekommen.

Nicht mehr nur das Ausleihen von Büchern und anderen Medien, sondern zahlreiche Aktivitäten zum Mitmachen und Ausprobieren gehören zum gewandelten Bild der Bibliotheken. Dies demonstrierte auch die Stadtbücherei Düren eindrucksvoll bei der „Langen Nacht der Bibliotheken“ am Freitagabend.

Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und soll neugierige Dürenerinnen und Dürener in die Räume am Rudolf-Schock-Platz locken. Von 17 bis 22 Uhr wurde kleinen und großen Leseratten ein buntes Programm geboten. Insgesamt besuchten rund 200 Gäste die verschiedenen Lesungen und Workshops.

„Mach es!“ lautet das Motto der Veranstaltung, und ganz besonders bei den Aktionen für die jüngsten traf es mehr als zu. Nicht nur Zuhören, sondern Mitmachen war angesagt. Der erste Gast der langen Nacht war Illustrator Alexander Steffensmeier aus Münster. Er ist der Schöpfer von Lieselotte, einer aufgeweckten Kuh, die seit ihrem ersten Auftritt in „Lieselotte lauert“ schon viele Abenteuer erlebt hat, mit denen die meisten Kinder und Eltern im Publikum schon vertraut waren.

Ein ganz anderes Erlebnis ist so eine liebevoll Illustrierte Geschichte allerdings, wenn der Autor selbst durch die Erzählung führt. Mit Hilfe eines Beamers zeigte Alexander Steffensmeier seine Zeichnungen und nahm die Zuschauer im Alter zwischen 4 und 7 Jahren mit in Lieselottes Welt. „Was mag wohl in diesem Paket sein?“, fragte er und zeigte eine Szene aus dem Buch. „Es ist ein Geschenk für Lieselotte.“

Sofort gingen die Hände auf den Zuschauerplätzen nach oben: „Vielleicht eine Spielzeugkuh zum Aufblasen“, rief jemand, „Oder ein kuscheliges Kissen“, vermutete jemand anders. Erfahren werden wir es wohl nie, denn Lieselotte erschreckt den Postboten so schrecklich, dass er davonläuft und das Paket schließlich von einem Traktor platt gefahren wird...

Auch die Entstehung einer solchen Geschichte zeigte Alexander Steffensmeier, indem er – ganz analog auf Papier – demonstrierte, wie man Lieselotte und ihre Freunde auf dem Bauernhof zeichnet. Für die kleinen Gäste war diese interaktive Lesung ein Heidenspaß und eine tolle Möglichkeit, ein Buch einmal anders zu erleben.

Richtig laut wurde es danach beim Trommelworkshop mit Karin Camara in der Kinderbücherei. Rund 15 junge Teilnehmer lernten mit dem aus Guinea in Westafrika stammenden Trommelexperten die richtige Handhabung der Instrumente und natürlich einige flotte Rhythmen. Spätestens hier wurde klar, langweilig und vor allem leise wurde es an diesem Abend nicht.

Während der ganzen langen Nacht konnten außerdem wie immer Bücher und Medien ausgeliehen werden, und beim Flohmarkt des Fördervereins im Keller gab es zahlreiche Schmöker und Schätze zu entdecken. Für die Erwachsenen Bibliotheksgäste fanden außerdem weitere Lesungen statt. Autorin Hanne Vogt präsentierte ihr Buch „Kelak – Die Bandenträger Jezebel’s“, die Fortsetzung des Fantasy-Romans „Kelak – Ruf der fremden Welt“, in dem der Protagonist Jamie in die Geschehnisse in der mysteriösen Welt von Jezebel verwickelt wird.

Näher an zu Hause aber genauso spannend ging es mit Olaf Müllers Krimi „Rurschatten“ weiter. Die Geschichte um zwei Aachener Kommissare handelt von einen Mord in der Geisterbahn auf der Dürener Annakirmes und besucht viele regionale Schauplätze. Auch bei diesen Lesungen galt das Motto „Mach mit!“, und so konnten die erwachsenen Besucher ebenfalls ihre Fragen an die Autoren loswerden. Langweilig jedenfalls wurde es wohl auch in diesem Jahr niemandem bei der „Langen Nacht der Bibliotheken“.

(kim)
Mehr von Aachener Nachrichten