Von Düren nach Köln, um Lebensmittel ohne Verpackung zu kaufen

Lebensmittel ohne Müll: Gemeinsam einkaufen ohne Verpackung

Zehn Dürener haben sich zu einer Kooperative zusammengetan, um Lebensmittel zu kaufen, die keinen Müll verursachen.

Nach einem Wocheneinkauf im Supermarkt ist der Einkaufswagen voll. Allerdings keineswegs nur mit Lebensmitteln. Die dazugehörigen Verpackungsmaterialien, in denen die Produkte nicht selten sogar doppelt und dreifach eingeschlagen sind, füllen schnell einen ganzen Müllbeutel. Während der Wochenmarkt eine gute Alternative für verpackungsfreie, frische Lebensmittel darstellt, sind besonders haltbare Produkte wie Nudeln oder Müsli oft nur in Plastik zu kriegen.

Martin Gaevert, Gabi Rosarius, Horst Malchow und sieben weitere Mitstreiter haben dem Verpackungsmüll nun den Kampf angesagt. Mit ihrer Einkaufskooperative kaufen sie seit November einmal im Monat in einem verpackungsfreien Laden in Köln ein. Damit der Aufwand für den einzelnen nicht zu groß wird und die CO2-Bilanz möglichst gering gehalten wird, fährt immer nur ein Gruppenmitglied, ausgestattet mit allen wiederverwendbaren Behältern, nach Köln und erledigt den Einkauf für die ganze Gruppe.

„So ein Einkauf dauert dann schon einmal zwei Stunden“, berichtet Martin Gaevert. „Aber es macht auch richtig Spaß – ein bisschen wie Laden spielen als Kind. Es tut sich eine Erlebniswelt auf und man entwickelt viel mehr Wertschätzung für jedes einzelne Lebensmittel.“ Zu den Standardprodukten eines verpackungsfreien Ladens gehören zum Beispiel Nudeln, Reis, Mehl, Müsli und Nüsse, aber auch Schokolade oder Putzmittel. Sogar an ein doch relativ exotisches Alternativprodukt zur Zahnpasta, ein Zahnputzpulver, haben sich die ersten Mitglieder nun herangewagt.

Damit ein Einkauf unproblematisch ablaufen kann, sind alle Dosen, Kisten und Gläser genau beschriftet und auch ihr Leergewicht ist vermerkt. Im verpackungsfreien Laden werden die Produkte dann alle einzeln abgewogen. Für die Mitglieder der Einkaufskooperative war es wichtig, dass die Lebensmittel auch regional, Bio-zertifiziert und fair gehandelt sind. Deshalb haben sie sich für den Laden „Tante Olga“ in Köln-Sülz entschieden, der diese Kriterien erfüllt. Dass der Einkauf so teurer ausfällt als im Supermarkt, liegt auf der Hand. Im Vergleich mit gleich zertifizierten Produkten aus Reformhaus oder Biomarkt, berichtet die Gruppe, sind allerdings keine großen Preisunterschiede festzustellen.

Ihren Müllverbrauch haben die Mitglieder seit November drastisch reduziert. „Obwohl nur meine Tochter und ich und nicht die ganze Familie auf verpackungsfreie Produkte achten, haben wir unglaublich viel Müll eingespart“, berichtet Gabi Rosarius. „Schon in diesem vermeintlich kleinen Rahmen hat das verpackungsfreie Einkaufen einen deutlichen Effekt gehabt.“

„Wir möchten natürlich auch andere für das Einsparen von Verpackungsmüll begeistern“, sagt Martin Gaevert. „Wenn diese Art des Einkaufens beliebter wird, gibt es vielleicht in Zukunft auch mehr verpackungsfreie Läden, so dass man sich die Fahrt nach Köln und den CO2-Verbrauch sparen kann.“ Neue Mitglieder können momentan allerdings nicht aufgenommen werden, da die Menge und das Gewicht des Einkaufs für alle sonst die Kapazitäten des einzelnen übersteigen würde. Für Fragen und Unterstützung, zum Beispiel bei der Gründung einer eigenen Einkaufskooperative, stehen die Mitglieder aber gerne zur Verfügung.

Mehr von Aachener Nachrichten