Kreuzau: Von der Hoffnung auf Frieden

Kreuzau: Von der Hoffnung auf Frieden

Am meisten genießt Dara Nawaf Abdullah die unglaubliche Ruhe. „Ich habe noch nie so lange in Ruhe arbeiten können.“ Dara Nawaf Abdullah ist 24 Jahre alt und kommt aus Syrien, genauer gesagt aus dem kurdischen Teil im syrischen Norden. Er hat als Schriftsteller und Journalist für verschiedene überregionale Zeitungen gearbeitet und ist drei Mal verhaftet worden.

„Wegen meiner freiheitlichen Einstellung zur Politik. Das hat der Obrigkeit nicht gefallen.“ Dara Nawaf Abdullah ist froh, dass er seit März im Heinrich-Böll-Haus leben kann, er ist aber natürlich in ständigem Kontakt zu seinen Eltern und seinem Bruder. „Wir telefonieren jeden Tag“, erzählt der Journalist. „Und es geht ihnen zum Glück gut. Der Teil Syriens, wo wir herkommen, gehört zu den sichersten des Landes.“ In der Gegend um Damaskus, so Abdullah weiter, sei die Situation aber natürlich eine ganz andere. „Wasser, Elektrizität — all das funktioniert hier überhaupt nicht mehr. Manchmal gibt es tagelang kein Brot. Es herrscht Krieg.“

Dara Nawaf Abdullah glaubt nicht, dass ein militärisches Eingreifen des Westens seinem Land helfen würde. „Ich wünsche mir für mein Land nicht noch mehr Gewalt. Baschar al-Assad und das Regime haben schon genug Gewalt über Syrien gebracht.“

Dara Nawaf Abdullah träumt von Demokratie und Menschenrechten für seine Heimat und davon, dass Assad Syrien endlich verlässt. „Wir brauchen eine politische Lösung, keine kriegerische Auseinandersetzung. Alles andere würde dem syrischen Volk überhaupt nicht helfen.“ Damit es in Syrien dauerhaft zu einem Frieden kommen könnte, brauche es eine neue Regierung. „Und zwar eine, die sich aus Mitgliedern der jetzigen Regierung und der Opposition zusammensetzt. Aber das zu realisieren, ist natürlich sehr schwer.“

Dara Nawaf Abdulla ist davon überzeugt, dass die westlichen Staaten, und auch Deutschland, den Syrern helfen können. Und müssen, „Millionen Menschen sind auf der Flucht, allein eine Million Kinder. Denen muss geholfen werden. Sie brauchen zu essen und zu trinken, Gesundheitsversorgung und auch Bildung. Hier muss der Westen sich engagieren.“

Abdulla möchte vorläufig in Deutschland bleiben. Er möchte die deutsche Sprache lernen, und Texte, unter anderem solche von Heinrich Böll, ins Arabische übersetzen. Außerdem hofft er, in das Stipendienprogramm der Berliner Böll-Stiftung aufgenommen zu werden, damit er sein in Syrien begonnenes Medizinstudium beenden kann.

(kin)
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