Düren: Von der Dornenkrone und Zuversicht: Ein Oster-ABC

Düren : Von der Dornenkrone und Zuversicht: Ein Oster-ABC

Ostern — rund die Hälfte der Bevölkerung weiß Umfragen zufolge nicht mehr, warum wir dieses Fest überhaupt feiern. Zwischen Kitsch und Kommerz ist die Geschichte der Auferstehung Jesu bei vielen in Vergessenheit geraten — manche haben sie nie gekannt.

Bei den Kindern der katholischen Kita St. Anna ist das anders: Sie haben sich mit ihren Erzieherinnen und der Gemeindereferentin Marga Fleischmann von St. Anna auf Ostern vorbereitet. Der DZ-Redaktion haben sie bei einigen Wörtern im Oster-Alphabet ein bisschen unter die Arme gegriffen.

Auferstehung: „Die Geschichte von Jesus ist traurig, weil er ja tot ist“, sagt Sarah Ly (6). „Jesus ist am Kreuz gestorben. Aber Ostern wird gefeiert, weil er auferstanden ist“, weiß sie. Und damit sei Ostern auch wieder ein fröhliches Fest. „Auferstehen heißt, dass man wieder lebt, und zwar im Himmel. Da kann man vielleicht Gott sehen“, erklärt Elias Gier (6).

Biber kennen die Kita-Kinder als baumknabbernde Tiere. Aber alles ist eine Frage der Auslegung. Weil Fleisch in der Fastenzeit den Mönchen schon seit Jahrhunderten verboten war, machten sie kurzerhand den Biber zum Fisch. Dazu soll es Gerstensaft statt Bier gegeben haben.

Christus: Das Wort Christus stammt aus dem altgriechischen und bedeutet „der Gesalbte“. Im christlichen Glauben ist Jesus Christus Gottes Sohn und Retter der Welt. „Jesus hat die Leute beschützt und ihnen von Gott erzählt“, weiß Elias. „Er hat den Menschen gesagt, dass sie zueinander lieb ein sollen“, ergänzt Havin Kirdök (6).

Dornenkrone: „Die Leute haben dem Jesus eine Krone aus Dornen auf den Kopf gesetzt“, erklärt Elias Gier, was vor der Kreuzigung Jesu passierte. „Also ich möchte keine Dornen auf dem Kopf haben. Das pikst doch.“ Aber die von den römischen Soldaten aus Spott und Verachtung aufgesetzte Krone hat auch symbolische Bedeutung: Sie stehen für den Fluch, der seit Adam und Eva durch die Trennung von Gott auf den Menschen liegt. Jesus nahm die Dornenkrone auf sich und gab sein Leben für alle, die nicht mehr von Gott getrennt sein wollten.

Ei: Kein Ostern ohne Eier. Mamoun Shalabe (5) weiß: „Der Osterhase kommt und versteckt Ostereier. Die Kinder können sie dann suchen.“ Und warum ist Ostern so unzertrennlich mit Eiern verbunden? Das Ei gilt als Symbol des Lebens. Schließlich versteckt sich genau das eigentlich hinter der kalkigen Schale. Schon in früheren Kulturen stand das Ei für Fruchtbarkeit und die Wiedergeburt. Das passt zum österlichen Glauben an die Auferstehung. Seit dem 13. Jahrhundert ist das traditionell rot gefärbte Osterei bekannt: als Farbe des Lebens, der Freude und als Symbol für das Blut Christi. Außerdem legen die Hühner im Frühjahr mehr Eier als im Winter. Früher durften die Menschen in der Fastenzeit davon aber keine essen. Sie haben die Eier gekocht und aufgehoben. An Ostern gab es also eine Menge davon.

Freude: „Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna, Hosianna, Hosianna. Alle Leute fangen an zu schreien. Hosianna, Hosianna, Hosianna“, dieses Lied singen die Kinder aus St. Anna besonders gerne, laut und freudestrahlend — und lernen damit gleich einen weiteren Teil der Geschichte kennen. Denn als Jesus nach Jerusalem kam, wurde er von den Menschen unter anderem mit Palmzweigen begrüßt. Manche legten ihre Kleider ab, um Jesus den Weg zu bereiten.

Gründonnerstag: „Jesus hat noch ein letztes Mal mit seinen Freunden gegessen. Da wusste er schon, dass er sterben würde“, erklärt Sarah Ly. Nach dem letzten Abendmahl gingen sie auf den Ölberg, um zu beten, und Jesus wurde wenig später verhaftet. Die Silbe „Grün“ hat nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern leitet sich wahrscheinlich von dem althochdeutschen Wort „greinen“ ab, das so viel wie weinen bedeutet.

Hase: Warum gerade der fortpflanzungsfreudige Feldhase zum beliebtesten Eierlieferanten wurde, ist nicht endgültig geklärt. „Der Hase bringt die Ostereier, damit man sich freut“, haben die Kinder von St. Anna eine gute Erklärung. Volkskundler vermuten, dass der Hase als Symbol des Lebens die zur Osterzeit erwachende Natur versinnbildlichen soll. Außerdem hoppeln gerade um Ostern herum viele Hasen über die Felder und die Wiesen. In anderen Regionen waren aber früher auch Fuchs und Storch die Eierbringer.

INRI steht für die Initialen des lateinischen Satzes „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“ („Jesus von Nazareth, König der Juden“). Dieser Satz stand am Kreuz Jesu.

Judas war einer der zwölf Jünger Jesu und derjenige, der ihn an die Römer verraten hat.

Karfreitag: Der Freitag vor Ostern wird so genannt (althochdeutsch „kara“: Kummer, Leid). An diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu. „Die haben Jesus mit Nägeln an das Kreuz gemacht“, weiß Elias Gier (6). „Vorher musste Jesus das Kreuz tragen und ist dabei umgefallen.“

Lamm: Das kleine Schäflein ist nicht nur niedlich, sondern auch ein Symbol für Jesu und dessen Auferstehung. Lecker ist an Ostern vor allem, wenn es aus süßem Kuchenteig besteht und mit Puderzucker bestreut wird, wie es in vielen Familien Tradition ist.

Maria Magdalena: Im Johannes-Evangelium wird berichtet, wie zuerst Jesus‘ Frau Maria Magdalena frühmorgens zum Grab kommt, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben. Sie findet das Grab leer. Später trifft sie auch den Auferstandenen.

Narzisse: Die gelbe Narzisse trägt den Namen Osterglocke, weil sie zu ebendieser Zeit zu blühen beginnt. Botanisch gesehen ist jede Osterglocke eine Narzisse, aber eben nicht jede Narzisse auch eine Osterglocke. Auch symbolisch passt die Blume gut zum Osterfest: Mag sie den Rest des Jahres totgeglaubt sein, erblüht sie im Frühjahr neu auf.

Osterkerze: Die brennende Kerze versinnbildlicht Christus als Licht der Welt. Wie einst die Israeliten der Feuersäule durch die Wüste folgten, so folgen die Gläubigen Jesus Christus auf dem Weg vom Tod zum Leben. Das Licht der Osterkerze wird an die Gläubigen weitergegeben.

Palmzweige stecken hinter vielen Kreuzen über den Haustüren. Gesegnet werden die Buchsbaumzweiglein am Palmsonntag vor Ostern. In der anschließenden Prozession werden sie als Zeichen des Lebens und des Sieges mitgetragen. Die Zweiglein stehen für die Palmwedel, die die Menschen der Bibel zufolge in den Händen hielten, um Jesus beim Einzug nach Jerusalem zu begleiten. Die Asche der verbrannten Zweige des Vorjahres wird für das Aschenkreuz genutzt.

Quellwasser: In einigen Regionen ist es Brauch, dass junge Frauen zwischen der Osternacht und dem Ostermorgen Wasser vor dem Sonnenaufgang aus Quellen schöpfen. Dieses Osterwasser soll, wenn man sich damit wäscht, für Gesundheit und Schönheit sorgen.

Rom — dorthin verreisen der Legende nach die Kirchturmglocken, um Reisbrei zu essen. In der Zeit der Trauer um das Leid und den Tod Jesu schweigen sie, um dann in der Osternacht wieder jubelnd zu erklingen.

Samen: „Wir haben Kresse und Weizenkörner in die Erde gepflanzt“, erklären die Kinder von St. Anna — als Zeichen dafür, dass aus dem Kleinen und Unscheinbaren etwas wachsen kann. Die Kresse ist schon wunderbar gewachsen.

Taufe: Früher, kurz nach der Zeit Jesu, als es das Christentum noch gar nicht lange gab, wurde die Taufe in der Osternacht empfangen. Damals wurden oftmals Erwachsene und nicht wie heute Babys getauft — und damals wie heute trugen die Täuflinge weiße Gewänder. Die Farbe ist ein Zeichen für die symbolische Reinigung durch das Taufwasser.

Ungläubiger Thomas: Thomas ist einer der Apostel Jesu. Seinen Namen erhielt er, weil er zunächst an der Auferstehung Christi zweifelte, bis er selbst seine Wundmale sah und berühren durfte. Ihm gegenüber äußerte Jesus den bekannten Satz „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“.

Verkauf: Mehr als 200 Millionen Schokoladen-Osterhasen werden jährlich in Deutschland verkauft und übersteigen damit sogar die Zahl der Nikoläuse an Weihnachten (rund 150 Millionen). Auch durch die vielen gefärbten Eier und sonstigen Osterdekorationen lag der Umsatz zur Osterzeit in den vergangenen Jahren bei über zwölf Milliarden Euro. Das Ostergeschäft ist somit eines der wichtigsten im Jahr.

Weißer Sonntag: Der Sonntag nach Ostern beendet die Osteroktav. Er wird Weißer Sonntag genannt. Der Name kommt wahrscheinlich von den weißen Taufgewändern, die in der frühen Kirche von den in der Osternacht Getauften bis zu diesem Tag getragen wurden.

XP: Das Christusmonogramm besteht aus den übereinandergeschriebenen griechischen Buchstaben X und P. Sie stehen für die beiden Anfangsbuchstaben des altgriechischen Wortes Xplotoc für Christus. Das Monogramm ist eines der am häufigsten verwendeten Symbole für Jesus Christus.

Y: Das griechische Wort Ypsilon kann frei mit „leer“ übersetzen. Diese Leere findet sich am Ostersonntag im Grab Jesu wieder. Jesus ist auferstanden.

Zuversicht: „Die Jünger, die Jesus begleitet haben, erleben in seinem Leiden und Tod das totale Desaster. Sie sind durch das Nichts, den tiefsten Abgrund gegangen und durften das Unerwartete erleben: Die Auferstehung Jesu, es geht weiter! Es ist zwar anders als vorher, ja erfreulich anders — und mit neuer Kraft“, schreibt Wolfgang Weiser im Pfarrbrief von St. Lukas.

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