Düren: Vollauf fasziniert von kleinen Kostbarkeiten

Düren: Vollauf fasziniert von kleinen Kostbarkeiten

„Hier gibt es etwas völlig Neues zu entdecken, etwas völlig Unverbrauchtes”, Heinz Schmidt-Bachems Augen fangen an zu strahlen, wenn er von seinen Reklamemarken erzählt.

Der Dürener Historiker ist Fachmann auf dem Gebiet der papierverarbeitenden Industrie und leidenschaftlicher Sammler von Papier- und Plastiktüten.

Nun hat Schmidt-Bachem eine neue Sammelleidenschaft. Geweckt wurde sie durch einen besonderen Umstand: Durch gute Beziehungen zum Deutschen Museum in München kam der Kontakt zu Charlotte Maier, Besitzerin einer weltweit renommierten Sammlung von Reklamemarken, zustande. Da sie selber nicht mehr in der Lage war, ihre Sammlung zu verwalten, übertrug sie Schmidt-Bachem kurzerhand alles, was sie zusammen getragen hat.

Ein gefundenes Fressen für den Papierfachmann, fügen sich die kleinen Kunstwerke, die Briefmarken ähneln, doch gut in seine bisherigen Forschungsgebiete. „Für mich ist das ein weiterer Themenbereich in meiner Papiersammlung”, sagt Schmidt-Bachem.

„Für mich ist das die Neuentdeckung eines Themas zur Kunstgeschichte, das unglaublich reich ist”, meint Schmidt-Bachem. Eine ganze Woche habe er sich nach Erhalt der Sammlung ausschließlich mit den Marken beschäftigt, so sehr habe ihn das Thema gefangen genommen.

Reklamemarken sind ein inzwischen nahezu völlig vergessenes Kapitel der Alltagskultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. waren die Marken ein Massenphänomen, mit Millionenauflagen wurden sie zum ersten Sammelgebiet überhaupt.

Handel und Gewerbe erkannten schnell die Popularität der kleinen Marken und verschickten ihre private Post nun mit für sich werbenden Marken im amtlichen Stil, eben Reklamemarken. Die Gestaltung dieser Marken - gewissermaßen die ersten Werbeplakate in Miniaturform - wurde den bekanntesten Künstlern der damaligen Zeit übertragen, etwa Peter Behrens, Lucian Bernhardt oder Fritz Ehmcke.

„Wenn ich diese Namen höre gehen bei mir alle Lampen an, da kann man nicht dran vorbei gehen”, freut sich Schmidt-Bachem über den kunstgeschichtlichen Wert seiner neuen Sammlung.

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