VIV-Unternehmen blicken mit Sorgen in die Zukunft

Herbstumfrage der Vereinigten Industrieverbände : Die Stimmung in der Wirtschaft an der Rur trübt sich ein

Die Zoll- und Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump, die immer noch offene Frage des Brexit-Ausgangs und die unsichere Zukunft des italienischen Staatshaushalts: Die Stimmung in der exportorientierten deutschen Wirtschaft war schon einmal besser. Und das gilt auch für die Unternehmen an der Rur.

„Aktuell sind unsere Auftragsbücher zwar noch voll, 2019 ist aber trotz des weiter boomenden Online-Handels und daraus resultierender Nachfrage nach Wellpappenrohpapier noch mit einigen Fragezeichen versehen“, betont Alexander Stern von der Papierfabrik Schoellershammer. Und so wie der Geschäftsführer des Dürener Familienunternehmens schätzen viele Wirtschaftslenker an der Rur die derzeitige Situation ein.

Geschäfts-, Ertrags- und Auftragslage sind für den Großteil der Unternehmen zwar immer noch gut bis befriedigend, wie aus der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung (VIV) hervorgeht. Und auch die Investitionsbereitschaft dürfte 2019 unverändert bleiben. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage aber ist die Zahl derjenigen, die mit rückläufigen Geschäfts- und Gewinnerwartungen rechnen, um jeweils zehn Prozentpunkte gestiegen.

„Die Zeiten und Aussichten als stürmisch zu bezeichnen, wäre zwar übertrieben, aber dass graue Wolken aufziehen, ist unverkennbar“, fasst denn auch der neue VIV-Vorsitzende, der Geschäftsführer der CWS-Unternehmensgruppe Hans-Helmuth Schmidt, das Ergebnis der Umfrage zusammen, an der sich 57 der rund 150 VIV-Mitgliedsunternehmen beteiligt haben.

VIV-Geschäftsführer Dr. Stefan Cuypers und der VIV-Vorsitzende Hans-Helmuth Schmidt (r.). Foto: ZVA/Jörg Abels

Neben den unsicheren internationalen Rahmenbedingungen – jedes fünfte Unternehmen sieht Risiken im Zusammenhang mit dem Brexit – verweisen Schmidt und VIV-Geschäftsführer Dr. Stefan Cuypers aber auch auf nationale Faktoren, die die Stimmung eintrüben: etwa die Dieselkrise, verbunden mit der Frage der Luftverschmutzung auch in Düren, sowie die Debatte um den Kohleausstieg und die einhergehende Frage der künftigen Bezahlbarkeit von Energie. „Unsere Energiekosten in Deutschland sind heute schon die höchsten in Europa“, schwant Schmidt dabei nichts Gutes. Und auch der Fachkräftemangel bremst die Entwicklung. „Wir könnten in unserer Firma mehr produzieren, wenn wir die entsprechenden Fachkräfte hätten“, betont Schmidt.

Mittlerweile haben Dreiviertel der Ausbildungsbetriebe, die sich an der VIV-Umfrage beteiligt haben, Probleme, ihre Stellen zu besetzen. Gefragt sind beispielsweise Chemikanten, Elektroniker, Industriekaufleute, Mechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Metallbauer, Packmittel- und Papiertechnologen und Werkstoffprüfer. „Besonders im gewerblichen Bereich wird es zunehmend schwerer, gut qualifizierte Auszubildende zu finden“, unterstreicht Schmidt. Daher wollen die VIV in diesem Bereich ihre Anstrengungen weiter intensivieren, zum Beispiel mit Förderkursen, Qualifizierungsmaßnahmen und Projekten zur Berufsorientierung.

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