Dueren: VIV-Industriekonzerte: Zwischen Klassik und Komik

Dueren: VIV-Industriekonzerte: Zwischen Klassik und Komik

Der Name des Kölner Holzbläserquintetts „Zephyr“ ist Programm, wenn auch die Musik jede sprachliche Erläuterung übersteigt: „sanfter Wind“ und bezeichnenderweise „the wood-winds“ englisch für Holzblasinstrumente.

Das Publikum konnte sich im letzten VIV-Industriekonzert der Saison im Haus der Stadt stilvoll wohlfühlen bei scheinbar Bekanntem der Klassik und aufhorchen bei neuen Harmonien und reizvollen musikalischen Einfällen moderner Komponisten.

Die Solisten des WDR-Sinfonieorchesters, Michael Faust (Flöte), Manuel Bilz (Oboe), Thorsten Johanns (Klarinette), Ole Kristian Dahl (Fagott), und zwischen ihnen das metallische Horn von Paul van Zehn bestachen mit ihrer feinen Abgestimmtheit bis in die kleinsten Phrasen der musikalischen Zwiegespräche: die Farbnuancen der Stimmen stets klar und durchsichtig, in den warmen Klängen charakteristisch und unangestrengt sicher bei spitzen Tönen.

Schon bei Mozarts Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ mit feierlicher Einleitung und spielerischer Gewandtheit ließ das Quintett Musik sichtbar werden: wie ein Huschen und Hüpfen der Bühnenfiguren. Dann bereitete Michael Faust auf die fabelhafte „Sprachkomposition“ des Italieners Lucio Berio aus den Jahren 1951 und 1970 vor. „Opus Number Zoo“ lässt im Viererzyklus skurrile Fabelwesen bedeutsam agieren: Huhn und Fuchs, das scheue Reh, die wissende alte Maus, die wilden Kater. Die Musiker sprachen den Erzähltext abwechselnd in die Instrumentalphrasen — ein witziges Beispiel von Musik-Komik, bei der Flötist und Klarinettist mit lebhafter Körpersprache agierten. Es folgte wieder ernst und gewichtig Ludwig van Beethovens Bläserquintett Es-Dur op. 71 (eine Bearbeitung nach dem Sextett), aber wundervoll differenziert in den schönen Kontrasten der vier Sätze mit markanten Melodie-Themen und tänzerischen Elementen.

Nach der Pause erfreute wieder Wolfgang Amadeus Mozarts Fantasie f-Moll KV 595, „Ein Stück für Orgelwerk in eine Uhr“. Entgegen der biografischen Klage Mozarts erklingt das merkwürdige Auftragswerk ebenso anmutig wie ausdrucksstark, modern und meisterhaft. Der aus Norwegen stammende Fagottist Dahl führte in das Quintett op. 43 von 1922 des Schweden Carl Nielsen ein. Die Zuhörer sollten wissen, wie witzig der Komponist eine Art Programmmusik in die drei Sätze versteckt, wo man besondere Charaktere mit ihren privaten Konflikten erkennt, eine lautmalerische Klangsprache für Worte und Gangarten.

Der anhaltende Beifall des Publikums bescherte die Zugabe eines „erfreulicherweise noch lebenden“ Komponisten: Camille van Lunen entwarf in „Entgleist“ eine ironisch-lockere Kritik des aktuellen Bahnbetriebs.

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