Düren: Viertel „Im Eschfeld”: Gediegen, unverwechselbar, bezahlbar

Düren: Viertel „Im Eschfeld”: Gediegen, unverwechselbar, bezahlbar

Irgendwann vor 40 Jahren stand Professor Dr. Wolfgang Meisenheimer, 78, auf dem Dach der Kaufmännischen Schulen und blickte talwärts. Vor ihm weites Feld. Da könnte doch ein besonderes Bauprojekt verwirklicht werden, hat er sich gedacht, ein gediegenes Viertel, das sich von anderen unterscheiden würde.

Heute, vier Jahrzehnte später, wohnt der renommierte Architekt selbst in diesem Viertel: es ist das Eschfeld, zumindest ein Teil davon. 14 Häuser, gebaut an zwei Straßen - für eine Gesamtsumme, die zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben: „Drei Millionen D-Mark hat das damals alles zusammen gekostet”, sagt Meisenheimer. Etwa 1,5 Millionen Euro für 14 Eigenheime: das macht im Schnitt gut 100.000 pro Haus. Und wenn man bedenkt, dass jedes Heim individuell gestaltet ist, kommt einem die Summe aus heutiger Sicht noch bemerkenswerter vor.

Die Leute im Eschfeld haben den runden Geburtstag ihres kleinen Viertels ein wenig gefeiert. Wie jedes Jahr gab es auf einem kleinen Platz ein Sommerfest. „Hier haben wir uns immer getroffen”, sagt Professor Meisenheimer und erzählt, wie alles begann. Er stand damals auf dem Dach der Kaufmännischen Schulen, weil auch die gerade gebaut wurden; er war der verantwortliche Architekt und sah das Potenzial, das da hangabwärts vor ihm lag.

„Es sollten Häuser werden, die wirklich nach den speziellen Wünschen der Bauherren entstehen würden”, sagt Meisenheimer. Eine Trägergesellschaft, wie heute oft üblich, die im Grunde baut und dann verkauft, wurde damals nicht gegründet. Die einzelnen Interessenten äußerten „sehr ausführlich und sehr konkret” ihre Vorstellungen - dann ging es los. „Ich musste gut zuhören”, sagt der Dürener Architekt.

Weil quasi alle Bauherren an einem Strang zogen, war es möglich, bestimmte Leistungen wie Fenster oder Steine günstiger einzukaufen. Ein gutes Beispiel für den Zusammenhalt der Häuslebauer im Eschfeld stellt heute noch das Schwimmbad dar. „Das wäre für einen Einzelnen viel zu teuer gewesen”, sagt Meisenheimer, also teilten sich acht Bewohner die Kosten. Noch heute geht Meisenheimer fast jeden Tag in das zehnmal fünf Meter große Becken und zieht seine Bahnen.

Aber auch die Architektur an sich sollte möglichst unverwechselbar sein. So erhielt ein Chirurg einen aus Händen bestehenden Türknauf. Typisch für die Eigenheime ist ihre Nähe zueinander. Die Häuser sind nicht frei stehend, sondern gehen ineinander über - trotz der individuellen Gestaltung.

Meist gibt es auch keine Gärten im herkömmlichen Sinn, sondern - wie bei Meisenheimers selbst - eine großzügig geschnittene Terrasse, die in eine Art Hof eingebettet ist. Bisweilen sind die Häuser mit Rundtürmen ausgestattet, „auch sie tragen zum Wohlgefühl bei”, sagt Meisenheimer, der sein Büro gleich neben seinem Wohnhaus hat.

Noch heute hängen hier die Pläne des Eschfeldes mit alten Fotos und den genauen Daten. Das Projekt war nicht irgendeines für den Dürener Architekten. Und ohne den Auftrag, die Kaufmännischen Schulen zu bauen, wäre es wohl nie entstanden.

Weil Professor Dr. Wolfgang Meisenheimer kaum auf das Dach der Schule gestiegen wäre, um ins Tal zu schauen.

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