Müddersheimer Friedhof: Viel Mühe für die neue Glocke

Müddersheimer Friedhof : Viel Mühe für die neue Glocke

Basarfrauen bekommen anderes Geläut als geplant. Der dazugehörige Glockenturm wurde neu errichtet und angepasst.

„Dann kam alles ganz anders“, sagt Marga Friesdorf, als sie von den jüngsten Ereignissen auf dem Weg zum neuen Glockenturm für den Müddersheimer Friedhof erzählt. Dort wollen die Damen der ehemaligen Basarfrauengemeinschaft mit den Resten ihrer gemeinsamen Kasse ermöglichen, dass bei Beerdigungen für die Verstorbenen geläutet werden kann. Eine gebrauchte Glocke für das Projekt hatten sie sich schon ausgesucht und reservieren lassen. Als alle Genehmigungen für die Errichtung des Turms vorlagen, war eben jene Glocke dann aber doch schon verkauft.

Als Ersatz bot der Glockengießer in Österreich an, eine neue Glocke für die Basarfrauengemeinschaft zu produzieren. Der Vorteil: Die Damen konnten bei der Gestaltung des guten Stückes mitreden, durften Ornamente, Inschrift und das Glockenjoch, die hölzerne Tragachse, selbst aussuchen. Sogar der Klang ist an den der Kirchenglocke im Ort angepasst. Der Nachteil: Eine neue Glocke zu gießen ist natürlich teurer, als eine gebrauchte zu kaufen. Um im Budget zu bleiben, ist die neue Glocke deshalb deutlich kleiner als die zunächst eingeplante: 47 Zentimeter statt 70.

Das brachte Zimmermann und Dachdeckermeister Willi Fuchs in die Bredouille. Er hatte im Auftrag der Damen bereits einen offenen Turm aus breiten Holzbalken gebaut, in dem die Glocke gut sichtbar aufgehängt werden sollte. Die Maße des Turms waren genau auf die zunächst reservierte Glocke zugeschnitten: Eine quadratische Grundfläche von zwei mal zwei Metern und eine Höhe von rund 4,35 Meter. „Als ich dann die neu gegossene Glocke sah, war ich deprimiert“, sagt Willi Fuchs ehrlich. Die Basar­frauen um Marga Friesdorf wären gern pragmatisch vorgegangen und hätten einfach die kleine Glocke in den etwas zu großen Turm gehängt, aber das ließ Fuchs nicht mit sich machen. Was sollten denn die Müddersheimer von ihm denken, wenn der Turm zu groß für die Glocke sei, fragte er und machte sich wieder an die Arbeit. Willi Fuchs holte 280 Nägel aus dem Gebälk, kürzte die Pfosten und baute den Turm auf 1,50 mal 1,50 Metern mit einer Höhe von rund vier Metern wieder zusammen. „Das war noch mal genau so viel Arbeit wie der erste Aufbau“, erzählt er, lacht aber dabei. Nun ist er mit den Arbeiten fast fertig und die Basarfrauen warten gespannt darauf, dass der Bauhof der Gemeinde sich auf dem Friedhof um das Fundament kümmert.

Mehr von Aachener Nachrichten