Viel Humor bei Dürener „Schlaraffia“-Vereinigung „Prota Arduennae“

Stiftungsfest der Dürener „Prota Arduennae“ : Freundschaft, Humor und Kultur

Männer, die laut „Lulu“ rufen, die schwarz-rote Roben und Kopfbedeckungen tragen, die starke Ähnlichkeiten mit Narrenkappen haben – was auf den ersten Blick wie eine verspätete Karnevalsveranstaltung aussah, war in Wahrheit das 50. Stiftungsfest der Dürener „Schlaraffia“-Vereinigung „Prota Arduennae“ (Tor der Ardennen).

Und die hat mit Karneval absolut nichts am Hut – außer vielleicht, dass es sowohl im Karneval als auch bei der „Schlaraffia“ um Humor geht.

Der Wahlspruch des 1859 gegründeten Männerbundes „Schlaraffia“ (siehe Themeninfo) lautet „Kultur, Humor, Freundschaft“. Diesen drei Werten fühlen sich auch die 35 Dürener „Schlaraffen“, wie sich die Mitglieder selbst nennen, verpflichtet. „Um bei der ‚Schlaraffia’ mitzumachen“, sagt Rudolf Kürten, „muss man sehr viel Humor haben. Und einen ausgeprägten Sinn für Kultur.“ Die „Schlaraffen“ verkleiden sich mit ihren Mänteln, Hüten und Orden als Ritter, nennen ihren Versammlungsraum „Burg“ und geben sich selbst lustige Spitznamen. So heißen die drei „Oberschlaraffen“, die der Dürener Gruppe derzeit vorstehen „Kultur-Narr“ (Kurz Menzerath), „Spiränzje“ (Axel Wollgarten) und „Pfötchen“ (Dr. Martin Swenshon, von Beruf Tierarzt).

Swenshon, der die Stiftungsfeier in der Festhalle Birkesdorf leitete, hatte in einer Zeitschrift von „Schlaraffia“ gelesen und war so begeistert, dass er sich gleich bei der Dürener Vereinigung um Mitgliedschaft beworben hat. „Das ist nicht üblich“, erzählt der 52-Jährige, „normalerweise müssen neue Mitglieder von gestandenen ‚Schlaraffen’ geworben werden. Beim mir haben sie aber eine Ausnahme gemacht.“ Swenshon, der zu den jüngeren Mitgliedern des Männerbundes gehört, hat vor allem die Möglichkeit gereizt, sich intensiv mit kulturellen Themen auseinanderzusetzen. „Bei unseren wöchentlichen Treffen, die wir ‚Sippungen’ nennen“, sagt er, „kann jeder einen kulturellen Beitrag leisten. Zum Beispiel ein selbst geschriebenes Gedicht vortragen oder ein Musikstück am Klavier spielen. Das Künstlerische wird aus einem herausgeholt.“

Kultur und Humor

Er selbst, ergänzt der Veterinärmediziner, sei nie in einer Studentenverbindung gewesen. „Das war für mich auch nie eine Option“, erklärt Swenshon. „Aber das Kulturelle in Kombination mit Humor gefällt mir einfach sehr. Ich spreche immer von der ‚Animation meiner eigenen Interessen’. Als ‚Schlaraffe’ bekommt man die Möglichkeit, vor einem kleinen, aber sehr wohlwollenden Publikum künstlerisch aktiv zu werden.“

Eigentlich, ergänzt Rudolf Kürten, sei bei diesen Treffen alles erlaubt. „Nur über Religion, Sex und Politik darf nicht gesprochen werden – und nach Möglichkeit auch nicht über zwei Minuten. Sonst kann es auch schon einmal passieren, dass einem mit einer riesigen Schere symbolisch das Wort abgeschnitten wird.“ Auch der Beruf oder die Herkunft der Mitglieder spiele keine Rolle. „Das ist absolut unwichtig“, sagt Kürten. „Wir reden uns bei unseren Treffen auch ausschließlich mit unseren Spitznamen an. Wichtig ist nur, dass unseren Mitgliedern Kultur, Humor und Freundschaft am Herzen liegen.“ Dass die „Schlaraffia“ in Düren so wenig bekannt ist, liegt in erster Linie daran, dass die Gruppe – anders als zum Beispiel die Service-Clubs wie Lions und Rotarier – nicht karitativ tätig sind. „Natürlich sind wir kein Geheimbund“, sagt Swenhon. „Mit Freimaurern haben wir absolut nichts zu tun. Aber wir treffen uns eben immer unter uns und sind deswegen nur wenig bekannt.“

Aus Berlin und Zürich

Die Dürener „Schlaraffia“-Gruppe haben 1969 Menschen aus Berlin und Aachen gegründet, die in der Rurstadt sesshaft geworden sind. Am Stiftungsfest nahmen auch Mitglieder andere Ortsverbindungen teil. Zu Gast waren bespielsweise „Schlaraffen“ aus Berlin, Zürich, Kaiserslautern, Aachen, Köln, Neuss und Krefeld.

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