Vettweiß: Vettweißer Landwirte wehren sich gegen Dünge-Kritik

Vettweiß : Vettweißer Landwirte wehren sich gegen Dünge-Kritik

Ausgiebige und laute Diskussionen gab es in Vettweiß zu einem Thema, bei dem sich im Kern alle einig sind: Das Grundwasser muss besser geschützt werden. Abgesehen von diesem gemeinsamen Nenner gab es aber Differenzen, was Art und Ausmaßes der nötigen Maßnahmen sowie die Verursacherfrage angeht.

Das Thema, das die Gemeinde schon seit Jahren beschäftigt, kam erneut zur Sprache, da die CDU-Fraktion einen Antrag in den Haupt- und Finanzausschuss einbrachte. Die Christdemokraten schlagen vor, das Wasserschutzgebiet zu überprüfen und gegebenenfalls auszuweiten. Mündlich ergänzte Dr. Hans Rainer Wollseifen (CDU) in der Sitzung, dass außerdem ein Fachmann der Landwirtschaftskammer, die für die Bodenkontrollen zuständig ist, eingeladen werden soll. Er könne dann die Kontrollmechanismen bezogen auf Vettweiß erläutern und auch schildern, welche Folgen ein Verstoß gegen die geltenden Richtlinien habe. Außerdem forderte Wollseifen, die vorhandenen Daten zu nutzen, um Quellen der Verunreinigung zu identifizieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ruskowski möchte den CDU-Antrag um einige Punkte ergänzen: die gemeinschaftliche Suche nach Möglichkeiten, das Düngen drastisch zu begrenzen, eine lückenlose Überwachung der Bodenwerte, eine einsehbare „Grundwasserdatenbank Nitrat“, eine Kartographierung der Ergebnisse und die konsequente Sanktionierung bei Zuwiderhandlung gegen geltende Vorschriften.

Welchen Weg die Fraktionen zum gemeinsamen Ziel hin gehen möchten, wollen sie zunächst noch intern besprechen. Daher einigten sich die Ausschussmitglieder einstimmig darauf, den Tagesordnungspunkt bei der kommenden Ratssitzung (9. April, 18 Uhr) wieder aufzugreifen.

Landwirte anderer Meinung

Eine solche Einigkeit herrschte in der vorangegangenen Diskussion bei Weitem nicht. Sie war geprägt von der Schuldfrage, welche sich nicht abschließend klären ließ. Während sowohl das NRW-Landwirtschaftsministerium (schriftlich in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD) als auch der Wasserleitungszweckverband Neffeltal die Düngung in der Landwirtschaft als Ursache nennen, sind die Landwirte anderer Meinung: Sie fühlen sich pauschal verurteilt und verweisen darauf, dass die schlechte Arbeit „einiger schwarzer Schafe“ dem Ruf des gesamten Berufsstandes schaden würde. „Selbstverständlich sind wir Landwirte mit Schuld“, stellte Franz Erasmi (CDU) klar. „Aber wir sind nicht alleine Schuld.“ Er geht davon aus, dass noch immer zahlreiche aufgeplatzte Bomben im Boden liegen und ergänzte: „Der Erftverband führt geklärtes Wasser in den Mersheimer Graben ab. Den Stickstoff holt da keiner raus. Ich hätte gerne den Beweis dafür, dass daraus nichts in unsere Brunnen kommt.“

Immer wieder kam in der Sitzung das Gespräch auf die „schwarzen Schafe“ unter den Landwirten. Die Fraktionen schienen sich einig, dass es darum ginge, diese ausfindig zu machen und zu ahnden. Ruskowski kritisierte in diesem Zusammenhang in aller Deutlichkeit, dass unter den Landwirten die „schwarzen Schafe“ durchaus bekannt seien, deren Namen sogar schon gefallen seien, aber nicht gegen sie vorgegangen werde.

Nach der Sitzung auf diesen Vorwurf angesprochen, sagten mehrere Landwirte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass ein Anschwärzen für sie nicht infrage käme. Für die Kontrolle und Sanktionierung sei die Landwirtschaftskammer zuständig.

Klaus Thomas (parteilos) fand abschließend versöhnliche Worte: Man müsse wegkommen von der Schuldfrage, das schüre nur unnötige Diskussionen. „Das Signal an den Bürger muss sein: Wir kümmern uns. Reicht dafür die Ausweitung des Wasserschutzgebietes? Ich glaube nicht.“ Die intensive Beprobung und Aufstellung eines Katasters gehöre auch dazu. Sein Fazit: „Im Grundsatz herrscht Einigkeit.“

(wel)
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