Oper auf Burg Gladbach: Kinder spielen "Hänsel und Gretel"

Kulturtage Vettweiß : „Theater, bei dem ständig gesungen wird“

„Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt.“ Wenn diese Zeilen des bekannten Kinderliedes am Sonntag (15 Uhr) über den Hof der Burg Gladbach schallen, dann stehen die Grundschüler der Regenbogenschule auf der Bühne und davor werden die Zuschauerränge bis auf den letzten Platz besetzt sein, denn die Veranstaltung im Rahmen der Vettweißer Kulturtage ist längst ausverkauft.

Das Kinderlied ist dabei nur ein Einstieg, danach wird es klassischer: Die Kinder führen mit einigen Profis die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ in drei Bildern von Engelbert Humperdinck auf.

Wie erklärt man Grundschülern, was eine Oper ist? „Vormachen“, sagt Irmelin Sloman. „Alle Theorie nutzt da nichts“, ist ihre Erfahrung. Wenn sie beispielsweise erklärt, dass Profis in der Oper sehr laut singen können, weil es früher keine Mikrofone gab, dann ist das für Sechsjährige immer noch abstrakt. Wenn sie aber Luft holt, selbst ein paar Takte singt und damit die gesamte Aula der Regenbogenschule füllt, wird klar, was sie meint. Die Kinder schauen aber nicht nur Opernsängern zu, sondern tragen selbst entscheidende Teile zur Aufführung bei und erleben auf diese Art, was eine Oper ist: „Ein Theaterstück, bei dem die ganze Zeit gesungen wird“, bringt es Sloman auf den Punkt. „Das verstehen Kinder ganz schnell.“

Von der Regenbogenschule haben sich 150 Kinder freiwillig gemeldet, um bei der Oper mitzumischen. Für viele von ihnen ist das der erste Berührungspunkt mit klassischer Musik – und auch manche Erwachsene, so vermutet Sloman, werden am Sonntag zum ersten Mal eine Oper besuchen. Ein solches Stück für Erwachsene zu machen sei aber etwas ganz anderes als eine Oper für Kinder, erklärt Irmelin Sloman. „Erwachsenen kann ich ins Programmheft schreiben, was sich der Regisseur dabei gedacht hat. Mit Kindern funktioniert das nicht. Die wollen nur glauben, was der Sänger auch fühlt.“ Deshalb sei es so wichtig, für Kinder besonders gute und überzeugende Sänger auf der Bühne zu haben. „Kinder sind ein gnadenloses Publikum. Die lassen sich auch nicht von so etwas wie der Bühnenausstattung blenden“, meint Sloman. Kinder seien eine Art Barometer für ihre Arbeit und ihrer Meinung nach das beste Publikum.

Hexenmeister, Engel und Elfen

Die Schüler in Vettweiß hat die Sängerin als sehr aufmerksam und motiviert wahrgenommen. Einige Proben für Lieder und Abläufe hat es an der Regenbogenschule schon mit den Lehrern gegeben. Seit dieser Woche ist Sloman mit ihrem Mann und Pianist Thomas Palm vor Ort, um die Aufführung vorzubereiten. Einige Kinder üben, wie sie sich in Zeitlupe bewegen und selbstgebastelten Sterne funkelnd in Szene setzen, die Hexen und Hexenmeister proben ihren Tanz, der Lebkuchenkinderchor sein Stück und dann gibt es auch noch Engel, Elfen und Nebelfrauen. Selbst die Perkussionsgruppe der Schule wird auf der Bühne stehen. Manche Schüler treten sogar in verschiedenen Rollen auf. Eine Generalprobe, bei der das gesamte Stück durchgespielt wird, ist nicht geplant.

Jede Gruppe kennt ihren eigenen Part und dessen Kontext, eingebettet in das Gesamtgefüge werden die jungen Darsteller die Oper erst am Sonntag erleben. Genau wie das Bühnenbild. Da im Burghof am Samstag (ab 17 Uhr) die Eröffnungsveranstaltung der Vettweißer Kulturtage stattfindet, kann die Kulisse erst am Sonntag aufgebaut werden. „Die wird noch mal viel Staunen hervorrufen“, freut sich Sloman.

Etwas anderes bereitet ihr ein paar Sorgenfalten: Die Oper findet unter freiem Himmel statt. Das allein wäre schon spannend genug, weil Sloman und ihre sechs Mitstreiter „Hänsel und Gretel“ noch nie draußen aufgeführt haben und auch eine so große Zahl an mitwirkenden Kindern für sie etwas Besonderes ist. Die pralle Sonne wird aber wohl eine größere Herausforderung bei der Aufführung, die mit Pause zwei Stunden dauern wird. Bestimmt bekommt Irmelin Sloman in ihrer Rolle als böse Hexe, die im Ofen schmoren muss, selten so viel Mitgefühl wie Sonntag in Gladbach.

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