"VettCult"-Diskussion mit einem starken Plädoyer für Europa

Diskussionsabend von „VettCult“ : Ein Plädoyer für ein starkes Europa mit Zukunft

Abspaltungstendenzen sind schädlich und daher unerwünscht, denn das große Ziel ist klar formuliert: „Dieses Europa muss uns erhalten bleiben“, betonte Klaus Schwabe (85), emeritierter Professor für Neuere Geschichte an der RWTH Aachen und Experte für deutsch-amerikanische Beziehungen, und war sich darin mit seinem Gesprächspartner Dr. Achim Jaeger, Studiendirektor am Stiftischen Gymnasium in Düren, einig.

Moderiert vom Dürener Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebes der Stadt Aachen, diskutierten Schwabe und Jaeger in einer Veranstaltung von VettCult über Europa und seine Zukunft. „Ein Traum?“, fragte die Vettweißer Kulturinitiative und machte im Untertitel zu der Veranstaltung gleich klar: „Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.“

Beide Gesprächspartner machten sehr schnell klar, dass sich das Europa aus der Zeit Karls des Großen und der Nachkriegsbelebung, beginnend mit der deutsch-französischen Freundschaft, in unruhigem Fahrwasser befindet. Die Engländer sind auf dem Weg, die Europäische Union zu verlassen, und Populisten drängen in vielen Ländern nach vorne. „Die Vertrauenskrise ist längst da“, betonte Schwabe, während Jaeger klarmachte, dass Europa tagtäglich im Kleinen funktioniere und die Jugend sehr interessiert daran sei. Nicht unerwähnt blieb in der Diskussion, dass sich die EU in der Vergangenheit so manches Mal unglücklich präsentiert habe und die hohen Erwartungen an die EU-Osterweiterung nicht erfüllt wurden.

Zu den europäischen Werten, daran ließ Professor Schwabe keinen Zweifel, gehöre auch die transatlantische Freundschaft. Zumal Russlands Staatschef Wladimir Putin von einer Rückkehr zur Größe des früheren Ostblocks träume.

Mit Blick auf die Flüchtlingskrise erklärte Schwabe, dass die Verteilung der Flüchtlinge die Solidarität der Staaten überfordert habe. Er sprach sich deshalb für eine bessere Kontrolle der europäischen Außengrenzen aus. Die Integration der Flüchtlinge sei hingegen alleine Sache der einzelnen Nationalstaaten.

Besser von Europa zu sprechen, würde auch schon helfen, hieß es in der Diskussion, in der auch die Wirtschaftsgeschichte der europäischen Staaten angesprochen und die Sorge vor „einem Europa der Konzerne“ geäußert wurde. Letztlich waren sich aber alle einig, dass man trotz aller noch anstehenden Aufgaben Stolz auf das bisher Erreichte in Europa sollte.

(sps)
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