Düren: Verena Schloemer: Die politische Familienmanagerin

Düren: Verena Schloemer: Die politische Familienmanagerin

Die Frage muss erlaubt sein, schließlich will Verena Schloemer den Job der Bürgermeisterin haben. Welche Qualifikation hat sie, eine Verwaltung mit mehr als 1000 Mitarbeitern zu führen? Genau der Job käme auf sie zu, wenn sie gewählt würde: Chefin der Stadtverwaltung.

Verena Schloemer nickt, sie schaut mit festem Blick, dann sagt sie: „Stimmt, den Job macht man nicht einfach so. Aber ich wäre nicht zu stolz, mit in der Anfangszeit Hilfe zu holen.”

Einerseits. Andererseits weiß sie, dass ihre Chancen, tatsächlich Dürener Bürgermeisterin zu werden, gering sind. Darum wird es ihr aber auch gar nicht gehen. Die Grünen, sagt sie, „wollen sich klar abgrenzen von CDU und SPD”. Die Grünen wollten klare Kante zeigen, sie wollten für sich selbst stehen, „möglichst unverwechselbar”, sagt Schloemer, 49.

Deshalb tritt sie an.

Deshalb brauchten die Grünen eine eigene Kandidatin, sagt sie. „Wir können und wollen keinen von der SPD unterstützen, dazu gibt es zu wenig Gemeinsamkeiten.”

Seit zehn Jahren ist sie im Stadtrat, „die Leute kennen mich mittlerweile”, sagt sie. Aus diesem Grund verzichtet die Partei auch auf Plakate, die nur sie zeigen. Sie wird auch nicht von Haus zu Haus ziehen, „wie die anderen”, da wäre sie nicht sicher, ob es etwas bringt. Dann lieber auf Themen setzen, sagt sie, und jetzt legt sie los. Die herrschende Klasse in Düren sei „viel zu wenig kreativ”. Das wäre so eine Überschrift, wenn sie einen Artikel über CDU und SPD verfassen müsste.

In der Stadtentwicklung zum Beispiel: Das Stadtcenter sei nicht an die übrige City angebunden, „das haben wir ja von Anfang gesagt”. Deshalb gingen viele Leute gar nicht mehr in die Innenstadt, „dass zig Geschäfte leer stehen, wundert doch keinen”. Einfach nur das Pflaster in der Fußgängerzone zu erneuern, reiche nicht.

Oder die Verkehrspolitik. Das Radwegenetz müsste ausgebaut werden, und auch dafür gibt es eine Formel: weniger Verkehr, mehr Grün. Dass sie mit ihrer Partei den jetzigen Parkplatz an der Schützenstraße zu einem Park umfunktionieren will, passt in diese Zielsetzung. „Ich jedenfalls werde mich dafür einsetzen”, sagt sie.

Einsetzen. Das ist ein passendes Wort. Es beschreibt eine Menge über Schloemers Selbstverständnis. Seit mehr als 20 Jahren „setze ich mich ein”, so lange macht sie Politik. Nicht nur rummeckern, machen und gestalten, „das ist meine Devise”. Die trägt sie als Vorsitzende auch in ihre Fraktion. „Die Chemie stimmt bei uns”, sagt sie, derzeit sind sie zu Dritt im Stadtrat. Nach der Wahl „sind wir zu Viert, vielleicht zu Fünft.”

In ihrer Familie sind sie noch mehr. Ehemann, vier Kinder im Alter von 11 bis 26 Jahren, dazu ein Hund. Das ist auch nicht ohne und irgendwie landet man wieder bei der Frage, was sie für die Leitung des Dürener Rathauses qualifiziere. „Vielleicht auch der Umstand, dass ich Familienmanagerin bin”, sagt sie. Das ist auch ein Fulltime-Job. Präsent sein, Probleme lösen, Partner sein. Das klingt auch fürs Rathaus nicht schlecht, zumal sie sagt: „Ich würde das kameradschaftlich machen, ohne zu vergessen, Eigeninitiative zu fordern.”