Oberzier/Würselen: Verein aus Oberzier vermittelt Vierbeiner aus Spanien nach Deutschland

Oberzier/Würselen : Verein aus Oberzier vermittelt Vierbeiner aus Spanien nach Deutschland

In der Einfahrt von Renate Froitzheim-Pieck (62) in Würselen stand noch vorgestern ein weißer Laster mit dem Schriftzug „Tierschutzverein Hundeoase“. Er war bis unters Dach beladen mit Transportboxen und Trödelspenden und dürfte in diesem Moment vor einem spanischen Tierheim stehen.

Mit dem Trödelverkauf können die dortigen Tierheime Geld verdienen, den freigewordenen Platz im Laster nehmen bis zu 25 Hunde aus eben jenen Tierheimen ein. Mit ihnen wird Froitzheim-Pieck nach rund 22 Stunden Fahrt bei ihrer Mitstreiterin Iris Flosdorf (54) in Oberzier ankommen, wo die Vierbeiner von ihren neuen Herrchen und Frauchen in Empfang genommen werden. Die beiden tierverrückten Frauen retten spanische Hunde und vermitteln sie auch selbst in fürsorgliche Hände.

Iris Flosdorf (rechtes Foto, oben) und Renate Froitzheim-Pieck bringen in ihrem Laster Trödelspenden nach Spanien und holen von dort Vierbeiner nach Deutschland — zum Beispiel, wie links im Bild, aus dem Tierheim Progat. Foto: wel

Tier-Tafel in Niederzier

Sie sind schon jahrelang im Tierschutz tätig, betreiben mit ihrem Verein Hundeoase in der Gemeinde Niederzier eine Tafel für Vierbeiner, helfen mit Futter, Medikamenten und Geld für Operationen aus. Aber in Deutschland, meinen die beiden, sei in Sachen Tierschutz alles im Lot. Hunde, die hier im Tierheim leben, seien gut versorgt.

Dramatisch schlechter gehe es hingegen Vierbeinern in Spanien: „Die sind krank, abgemagert, verletzt, haben keine automatische Versorgung wie hier. Da muss man einfach helfen“, sagt Renate Froitzheim-Pieck. Straßenhunde, die in Spanien in den staatlichen „Perreras“ landen, werden dort nur wenige Tage gehalten. Falls sich kein Besitzer oder Interessierter meldet, werden sie getötet.

„Jeder Hund, der dort in einem privaten Tierheim landet, hat Glück“, sagt Iris Flosdorf. Besonders schwer hätten es die sogenannten „Galgos“, spanische Windhunde, die — was in der Europäischen Union nur noch in Spanien erlaubt ist — zur Hasenjagd eingesetzt und häufig nach wenigen Jahren getötet werden. Große Hoffnungen setzen die Tierschützer deshalb in Fernando Grande-Marlaska, der seit diesem Monat Innenminister Spaniens ist und selbst „Galgos“ adoptiert hat.

Dass sich in den vergangenen Jahren aber schon einiges zum Positiven gewandelt habe, hätten die Freundinnen schon festgestellt. Der positive Effekt von Aufklärung und Kastrationen sei in Spanien spürbar. Außerdem kommen immer mehr Tierschutzorganisationen aus verschiedenen Ländern hinzu. Als sie 2014 ihren Verein gegründet haben, sind sie mit einem kleineren Wagen alle zwei Wochen in den Süden gefahren.

Mittlerweile gibt es nur noch alle sechs Wochen eine Tour — einerseits, weil der vom Verein gekaufte Laster deutlich größer ist, andererseits aber auch, weil der Bedarf kleiner wurde. „Unsere 25 Boxen müssen wir auch erst mal voll kriegen“, sagt Flosdorf. Im vergangenen Jahr haben sie 387 Hunde transportiert, davon 86 selbst vermittelt und die anderen für befreundete Tierschutzvereine oder Tierheime mitgebracht.

Am schönsten ist es für die beiden Tierschützerinnen, wenn sie behinderten und alten Tieren ein besseres Leben ermöglichen können. „Da hat man schon mal ein Tränchen im Auge“, sagt Renate Froitzheim-Pieck ehrlich. Sie und Iris Flosdorf bringen auch gerne alte Hunde und alte Menschen zusammen. „Ab 65 oder 70 Jahren bekommt man hierzulande in Tierheimen keinen Hund mehr“, sagt Flosdorf. „Wir vermitteln gern an Senioren, die haben Zeit und lassen sich nicht scheiden.

Rentner-Menschen nehmen auch gern Rentner-Hunde. Die leben dadurch so richtig auf.“ Und sollte wirklich mal ein Hund sein Herrchen überleben, nimmt die Hundeoase das adoptierte Tier zurück. Die Würselenerin hat selbst drei Yorkshire Terrier, die Oberziererin hat 15 Hunde, davon leben neun dauerhaft bei ihr — und heute kommt der nächste hinzu. Angemerkt

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