Verbraucherberatung im Kreis Düren braucht mehr Personal

Jahresbericht für den Kreis Düren : Verbraucherberatung braucht mehr Personal

Der Teufel steckt oft im Detail: ein falscher Klick im Internet, eine unbedachte Weitergabe von Daten oder ein überraschender Brief eines Inkassounternehmens. In 4107 Fällen suchten Betroffene die Hilfe der Verbraucherzentrale in Düren im vergangenen Jahr.

Ihre Fragen betrafen Probleme mit Internet- und Telefonfirmen bis hin zu undurchsichtigen Stromverträgen. Über mangelnde Arbeit kann man sich bei der Verbraucherzentrale, deren Anlaufstelle sich unmittelbar am Dürener Rathaus befindet, wahrlich nicht beklagen.

Dabei ist die Beratungsstelle Düren lediglich mit eineinhalb Stellen besetzt, eine halbe Stelle davon bekleidet die Bürokraft. Neben Leiterin Hildegard Dapper steht auch Yvonne Fuchs als Beraterin bereit – jedoch beide mit einem Gesamtkontignent von 39 Stunden in der Woche. „Wenn man sieht, wie umfangreich manche Beratungen inzwischen sind, dann wäre es ideal, wenn wir personell aufgestockt werden“, sagt Hildegard Dapper. Zumal die Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet das Angebot nutzen. Und dieses reicht bekanntlich von Hürtgenwald bis Titz.

Die Themen in Düren sind die gleichen wie in den meisten anderen Beratungsstellen in Nordrhein-Westfalen. Verunsicherte Autobesitzer informierten sich über die Musterfeststellungsklage, in jüngster Zeit häuften sich Nachfragen zur Datenschutzgrundverordnung. In 619 Fällen führte der Erstkontakt zu einer Verbraucherrechtsberatung oder -vertretung. Diese sind deutlich umfangreicher und müssen auch entsprechend bezahlt werden. „Bedürftige können auch kostenlos beraten werden, denn vor allem sie haben oft einen erhöhten Bedarf“, schildert Yvonne Fuchs.

Vielfach finden Beratungen auch nicht in den Büroräumen an der Wilhelmstraße statt. Dann treten die Beraterinnen auch als Dozentinnen auf, um zum Beispiel ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern oder Fallmanagern im Jobcenter Hinweise an die Hand zu geben. Daraus hat sich ein engmaschiges Netzwerk entwickelt, mit dem die Verbraucherzentrale zusammenarbeitet. Auch zur Polizei pflegt man einen engen Kontakt, schließlich kommt es immer wieder vor, dass Menschen Opfer eines Betrugs werden und sich dann zunächst an die Beratungsstelle wenden.

Der Blick auf die Statistik des vergangenen Jahres zeigt, dass in den häufigsten Fällen der Telefonanschluss (22 Prozent) Thema der Beratungen war. In 20 Prozent der Fälle ging es um Finanzen, bei 19 Prozent der Meldungen haben Dienstleistungen Fragen aufgeworfen. Betroffen sind Menschen unterschiedlichen Alters: „Abzocke im Internet betrifft nicht nur Ältere“, sagt Yvonne Fuchs. Da jüngere Leute schneller dazu neigen, mit wenigen Klicks per Handy einzukaufen, klärt die Verbraucherzentrale auch an Schulen auf, wie man nicht in Kostenfallen tappt.

Immer wieder stoßen die Verbraucherberaterinnen in Düren auf neue Maschen. Ein Kreditangebot im Internet entpuppte sich als teure Prepaidkarte, auf die erst Geld geladen werden musste. Reagierte der Kunde nicht, folgten unfreundliche Schreiben von Inkassounternehmen mit hohen Forderungen. „Vielfach konnten wir helfen“, schildert Hildegard Dapper. Mit der Insolvenzberatung der Evangelischen Gemeinde warnte die Verbraucherberatung in Düren zudem vor dem Geschäftsmodell. Vorbeugung ist eben auch wichtig.

(pan)
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