Dürener „Dealer-Familie“: Vater, Mutter, Sohn und zwei Männern wird der Prozess gemacht

Dürener „Dealer-Familie“ : Vater, Mutter, Sohn und zwei Männern wird der Prozess gemacht

Weil sie aus ihren Privatwohnungen und einem Billard-Café in der Nordstadt seit Dezember 2016 über anderthalb Jahre Kokain verkauft haben soll, steht eine dreiköpfige albanische Familie seit Freitag vor dem Aachener Landgericht.

Zwei weitere Männer sind ebenfalls angeklagt, sie sind im Laufe der Zeit in das Geschäft eingestiegen. Ihnen wird bandenmäßiger Verkauf von „nicht geringen Mengen“ der Droge vorgeworfen.

Angeklagt sind die beiden Eltern Ardian und Nazime C., beide 50 Jahre alt, sowie ihr 21-jähriger Sohn Jürgen C. Der Vater befindet sich seit März in U-Haft, der Sohn wurde nach einem Monat wieder auf freien Fuß gesetzt. Die weiteren Angeklagten sind der 20-jährige Ijoni L. und der 33 Jahre alte Sparti M., alle Angeklagten wohnen in Düren und haben albanische Wurzeln. Aufgeflogen sind die Machenschaften bei einer Durchsuchung des Hauses an der Schulstraße am 13. März dieses Jahres. Seit Anfang 2018 verfolgte die extra eingerichtet Ermittlungsgruppe „Weiß“ — benannt nach der Farbe des Kokains — die Spuren der Bande in der Dürener Nordstadt. Insgesamt nahmen die Ermittler 18 Menschen fest. Sie klärten auch unter anderem sieben Raubüberfälle auf, die im Zusammenhang mit der Drogendealer-Bande gestanden hatten.

Ein gut organisiertes Netzwerk

Wie die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts in der Anklage zusammengefasst hat, soll die Familie C. Wohnungen an der Alten und Neuen Jülicher Straße, der Schulstraße und ein Billard-Café an der Neuen Jülicher Straße als Drogenumschlagplätze genutzt haben.

Kopf der Geschäfte soll der bereits lange polizeibekannte Ardian C. gewesen sein. Er habe ein „gut organisiertes Netz“ um sich herum aufgebaut und mehrere Personen angeheuert, die die Drogen verkauft haben sollen. Darunter Ijoni L. und Sparti M.. Die beiden sollen in einem „Abhängigkeitsverhältnis“ zu Ardian C. gestanden haben, erklärte Schlenkermann-Pitts, weil Ardian C. sich unter anderem um Unterkunft für sie gekümmert haben soll. Sohn und Frau von C. sollen ihm in den Wohnungen unter anderem beim Abpacken der Kokain-Päckchen geholfen haben.

Kritik an der Anklageschrift

Die Anklageschrift wurde zwar verlesen, zu den Zeugenbefragungen kam es am Freitag jedoch nicht. Den ersten von insgesamt acht anberaumten Verhandlungstagen vor der großen Strafkammer unterbrach Richter Markus Vogt auf Antrag der Verteidigung. Weil ein neuer Schöffe einberufen worden ist, will die Verteidigung die Besetzung neu prüfen.

Außerdem bemängelte die Verteidigung — insgesamt sind es elf Anwälte — die Anklageschrift: Aus ihr soll nicht deutlich genug herausgehen, in wie vielen Fällen ihre Mandanten angeklagt sind und um welche Mengen Kokain es sich konkret handeln soll.

Der nächste Verhandlungstag ist Mittwoch, 10. Oktober. Ein wichtiger Zeuge, der für den 17. Oktober geladen ist, ist nach Aussagen von Richter Vogt nicht mehr aufzufinden, seitdem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Letzter Verhandlungstag soll am 22. November sein.