Ursula Schregel stellt Acrylmalereien in Paris und Bahrain aus

Künstlerin Ursula Schregel : Zwischen Paris und Bahrain im heimischen Atelier

Ursula Schregel legt dieser Tage einen Zwischenstopp in ihrem Haus und Atelier in Niederzier ein, zum Kofferwechsel sozusagen. Bis zum Wochenende stellte die Künstlerin bei der „Art Capital“ in Paris, der Ausstellung des „Salon des Artistes“, der unabhängigen französischen Künstlervereinigung aus.

Rosenmontag bereits geht es weiter nach Bahrain zur „ArtBab“ in der Hauptstadt Manama, der internationalen Kunstmesse des Königreichs am Persischen Golf. Im vergangenen Jahr präsentierte sie einige ihrer Werke bereits in New York, Miami und Luxemburg.

Eine beachtliche Entwicklung bedenkt man, dass Ursula Schregel – Urenkelin des bekannten Dürener Heimatdichters Josef Schregel (1865 bis 1946) – erst im Jahr 2014 mit der Malerei begonnen hat. „Ich frage mich manchmal selbst: Was ist da eigentlich passiert?“, gibt die gebürtige Dürenerin, die seit 17 Jahren in Niederzier lebt, freimütig zu.

Ein künstlerischer Mensch war Ursula Schregel schon immer, geprägt von ihrer malenden Mutter. „Sie hat mich zwar immer ermuntert, selbst zum Pinsel zu greifen, ich habe mich aber nie gewagt.“ Erst elf Jahre nach dem Tod der Mutter traute sich Ursula Schregel. Dabei stand der Zufall Pate. Sie erfuhr beim Besuch der Internationalen Kunstakademie in Heimbach von einem Kurs „Malen ohne Vorkenntnisse“, fing direkt Feuer, wie die studierte Kunstgeschichtlerin und promovierte Theaterwissenschaftlerin berichtet, die auch eine Ausbildung als Innenarchitektin vorweisen kann, und setzte alles auf eine Karte. Sie kündigte ihren Job als WDR-Hörspielredakteurin, um sich voll und ganz der Malerei zu widmen, als Autodidaktin mit professioneller Begleitung. Unter anderem nahm sie Unterricht beim Gerhard-Richter-Meisterschüler Bernard Lokai.

Ursula Schregel hat sich der ab­strakten Kunst verschrieben. Ihre Werke aus Acrylfarben entstehen in einem zum Teil mehrwöchigen Schaffensprozess, in dem das Resultat nie von vornherein feststeht. Die Künstlerin lässt sich intuitiv von ihrem Unterbewusstsein leiten, trägt manchmal bis zu 15 Schichten auf die Leinwand auf, nimmt einige wieder weg, malt weiter – bis sie das Gefühl hat, dass die Komposition in sich stimmig ist. „Ich mache dann den Wandtest, hänge das Bild auf und lasse es ein bis zwei Wochen auf mich wirken“, erklärt die Malerin. Erst wenn der Wandtest bestanden ist, lässt sie das Kunstwerk rahmen, gibt ihm „ein Kleid“. Denn Rahmen und Leinwand sind für sie eine Einheit.

Nicht jedes Bild hat einen Titel, manchmal aber merkt sie, dass sie offenbar reale Entwicklungen unbewusst verarbeitet hat, beispielsweise den französischen Präsidentschaftswahlkampf, bei dem es lange nach einem Rechtsruck unter Marine Le Pen aussah, sich dann aber doch Emmanuel Macron durchsetzte. In dem überwiegend in den französischen Nationalfarben gehaltenen Werk ist der gallische Hahn zu erkennen, eines der Symbol des französischen Staates. Den jüngsten US-Präsidentschaftswahlkampf mit dem Sieg Donald Trumps hingegen verarbeitete sie in einem Werk, das „plötzlich immer dunkler wurde“.

Für die Ausstellung in Bahrain aber hat sie auf Anraten des Pariser Galeristen, mit dem sie zusammenarbeitet, farbenfrohere Großformate ausgewählt, weil die kunstinteressierten Araber diese für ihre zumeist ausladenden Räume bevorzugen. Mit der Ausstellung in dem Königreich betritt Ursula Schregel kulturelles Neuland. „Ich bin sehr gespannt, nicht nur auf die Messe, sondern auch auf den Kontakt mit den Publikum und das, was der arabische Betrachter in den Bildern erkennt“, betont sie. „Der Dialog als Künstler mit dem Bild im Atelier ist das eine“, erklärt sie, wichtig sind ihr aber auch die Reaktionen. Deshalb sucht sie wann immer möglich das Gespräch. Dass sie fließend Englisch, Französisch und Spanisch spricht, macht es dabei einfacher.

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