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Von Aachen nach Düren und Jülich

„Unverpacktes Glück“ ist auf dem Weg

Einkaufen ohne Verpackungen und Plastikmüll – das will Melanie Budde auch in Düren und Jülich möglich machen. In Aachen ist ihr Unverpackt-Laden bereits seit etwa einem Jahr geöffnet. FOTO: dpa / Helen Ahmad

Kreis Düren Einkaufen ohne Verpackungen und Plastikmüll – das will Melanie Budde auch in Düren und Jülich möglich machen. In Aachen ist ihr Unverpackt-Laden bereits seit etwa einem Jahr geöffnet. In zwei Reformhäusern zieht sie bald als Untermieterin ein.

Wenn Kunden das Reformhaus Heift an der Oberstraße betreten, deutet noch nichts darauf hin, dass es dort bald auch unverpackte Waren des alltäglichen Bedarfs gibt. Wer sich umschaut, entdeckt jede Menge glutenfreie und vegane Lebensmittel sowie Naturkosmetik und Naturarznei. Bio? Ja. Plastikfrei? Fehlanzeige. Genau das will Melanie Budde ändern: Ende März/Anfang April zieht sie mit ihrem Laden „Unverpacktes Glück – Tütenlos in Aachen“ als Untermieterin in die Reformhäuser Heift an der Oberstraße 15 in Düren und an der Marktstraße 9 in Jülich.

In einem eigenen Bereich im Laden will sie den Einwohnern im Kreis Düren all das anbieten, was in Aachen bereits jetzt schon zu finden ist. Denn dort in der Elisengalerie gibt es ihn schon, den Unverpackt-Laden. Zapfanlagen gefüllt mit Nudeln, Müsli und Nüssen stehen bereit, damit letztere mit einer Schaufel im selbst mitgebrachten Stoffbeutel oder Mehrwegglas landen. In einer Ecke gibt es abgesehen von den Lebensmitteln Bambuszahnbürsten, die überwiegend aus Holz sind, abwaschbare und wiederverwertbare Abschminkpads sowie gepresstes Shampoo. „Dem Shampoo wurde die Flüssigkeit entzogen, dadurch sieht es aus wie Seife, aber durchs Aufschäumen wird es wieder normal“, erläutert Melanie Budde.

1500 Gefällt-mir-Angaben

Die 39-Jährige hat vor etwa einem Jahr in Aachen den ersten offiziellen Unverpackt-Laden eröffnet. Damals habe sie mit 300 Produkten angefangen, inzwischen seien es ungefähr doppelt so viele. Ihr Fazit nach einem Jahr lautet: „Es war die richtige Entscheidung und ist zu meinem Lebensinhalt geworden. Auch wenn es viel Arbeit ist, macht es unheimlich Spaß – was der Grund dafür ist, warum ich es noch zweimal machen will.“

Warum sie in Düren und Jülich aber keinen eigenen Laden eröffnet? „Hier traue ich mich nicht, einen eigenen Laden zu eröffnen, denn die beiden Städte sind kleiner und nicht so studentisch angehaucht“, begründet die gelernte Hebamme. Deswegen habe sie im Reformhaus angefragt, da es dort dasselbe Klientel gebe, dem nachhaltiges und bewusstes Einkaufen wichtig sei – zwar nicht verpackungs- und plastikfrei, aber Budde kann sich gut vorstellen, dass ein schnelles Umdenken stattfindet, sobald sie drin ist.

Am liebsten möchte sie im vorderen Bereich eröffnen, damit die Laufkundschaft auf das neue Angebot aufmerksam wird, sagt die 39-Jährige, die gebürtig vom Niederrhein kommt und 1999 für die Hebammenausbildung nach Aachen gezogen ist.

Die Entscheidung, ausgerechnet in den Kreis Düren zu kommen, sei gefallen, „weil ich ganz viele Kunden aus Düren und Jülich in Aachen habe, die mich immer wieder gefragt haben, wann ich denn mal einen Laden in ihrer Nähe eröffne.“ Die Reformhaus-Mitarbeiter würden ihr jetzt schon berichten, dass jeden Tag Kunden nach dem Eröffnungstermin des Unverpackt-Ladens fragen. Die jeweiligen Facebook-Seiten für Düren und Jülich haben zusammen fast 1500 Gefällt-mir-Angaben. In den Kommentaren unter den Beiträgen ist eine Frage omnipräsent: Wann geht es los?

Auf die Idee, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen, sei Budde wegen ihrer drei Kinder im Alter von sechs, neun und 13 Jahren gekommen. „Meine Kinder kamen zu mir und haben gesagt: ‚Mama, wir lernen in der Schule so viel über Nachhaltigkeit und dass die Meere plastikverseucht sind. Können wir da nichts machen?‘“ In dem Moment setzte das Nachdenken bei Budde ein, die zugibt, dass sie aber selbst zu Hause auch nicht schafft, vollständig plastikfrei zu leben. Das sei in der heutigen Gesellschaft sehr schwierig.

Mitarbeiter gesucht

Budde möchte nicht, dass irgendjemand ein schlechtes Gewissen hat, weil er das eigene Leben nicht völlig umkrempeln kann und sagt: „Die Menschen müssen keine Berührungsängste haben. Zu uns dürfen Interessierte nicht nur dann kommen, wenn sie es geschafft haben, komplett ohne Plastik zu leben.“ Stattdessen sei ihr vollständig plastikfreier Laden eine Möglichkeit für die Menschen, klein anzufangen. „Ich erzähle an der Stelle immer gerne das Beispiel einer Frau, die mit 17 Behältern in meinen Laden kam. Ich habe ihr dann gesagt, dass sie erst einmal nur die unverpackten Nudeln einpacken und sich nicht übernehmen soll – sie war dann total dankbar.“

Melanie Budde kommt mit ihrem Unverpackt-Laden nach Düren und Jülich. FOTO: MHA / Merve Polat

Um eine Anschubfinanzierung zu erhalten, ist für die Geschäfte in Düren und Jülich eine Crowdfunding-Aktion über die Plattform Startnext angelaufen. Mit Spenden und der Unterstützung der Menschen sollen so etwa 25.000 Euro zusammenkommen. Kunden können über die Plattform Gutscheine oder Produkte kaufen, die dort etwas teurer sind als im Laden. Wenn der Laden eröffnet ist, können sie die gekauften Produkte abholen. Nur wenn die Zielsumme erreicht wird, kommt das Geld zweckgebunden dem entsprechenden Projekt zugute.

In Düren und Jülich braucht Budde außerdem jeweils drei Mitarbeiter, die sie im Verkauf unterstützen. Melden können sich Interessierte per E-Mail an unverpacktesglueck@googlemail.com.

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