Kreis Düren: Unfallflucht: Wenn aus einer Bagatelle eine Straftat wird

Kreis Düren : Unfallflucht: Wenn aus einer Bagatelle eine Straftat wird

Vielleicht haben Sie das auch schon einmal erlebt: Sie kommen zurück zu ihrem Auto, dass sie vor wenigen Minuten kurz an der Straße geparkt haben, und sehen, dass der Außenspiegel abgefahren wurde. Oder Sie bemerken eine Beule im Heck ihres Wagens.

Vom Verursacher aber gibt es weit und breit keine Spur — und Sie bleiben auf dem Schaden sitzen. Solche oder ähnliche Fälle gibt es täglich. Auf Parkplätzen und Straßen kommt es immer wieder zu Fahrerfluchten. Damit werden die Verursacher von Versicherungsbagatellen zu Straftätern. Fragen und Antworten zum Thema:

Wie oft flüchten Unfallverursacher von den Unfallstellen?

„Gut 20 Prozent aller von der Polizei im Kreis Düren aufgenommenen Verkehrsunfälle sind Unfallfluchten“, sagt Dirk Steffens, der Leiter der Führungsstelle Direktion Verkehr. Im vergangenen Jahr gab es im Kreis Düren 1715 Unfallfluchten, 79 davon mit Personenschaden. Die Fälle werden nicht weiter in fließenden und ruhenden Verkehr unterteilt. „Die Aufklärungsquote bei den Unfallfluchten mit Personenschaden liegt immer bei um die 70 Prozent, insgesamt ermitteln wir in gut 45 Prozent der Fälle die flüchtigen Unfallverursacher.“ Deutschlandweit zählt die Unfallflucht zu einer der häufigsten Verkehrsstraftaten.

Warum flüchten Menschen von der Unfallstelle, obwohl die Versicherung in diesen Fällen doch meist problemlos zahlt?

Statistisch wertet die Polizei die Beweggründe nicht aus. Man muss sich aber fragen: Wann „lohnt“ sich eine Straftat. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man eine andere Straftat vertuschen möchte“, sagt Steffens. Der Auslöser für eine Unfallflucht könnte neben fehlendem Unrechtsbewusstsein also auch sein, dass der Verursacher keinen Führerschein hat, unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand oder mit einem nicht versicherten Fahrzeug unterwegs war. „Es könnte auch die Sorge vor der Höherstufung bei der Versicherungsprämie eine Rolle spielen“, sagt Steffens. Denkbar ist es auch, dass die vermeintlich Geschädigten Unfallfluchten vorgeben, um einen selbst verursachten Schaden zu vertuschen. Aber diese Betrüger kann die Polizei mit vielen Mitteln ausfindig machen.

Welche Strafen drohen bei einer Unfallflucht?

Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt und dabei erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Werden bei dem Unfall Personen verletzt, kann es zusätzlich um den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gehen. Bei solchen Unfällen oder einem erheblichen Sachschaden (in der Regel über 1300 Euro) wird der Führerschein einkassiert.

Wie reagiere ich richtig, wenn ich einen anderen Wagen beschädigt habe?

„Sie sollten auf keinen Fall einen Zettel an die Windschutzscheibe heften und dann wegfahren“, sagt Steffens. Wind, Regen oder andere Personen könnten diesen verschwinden lassen oder unlesbar machen. Die Polizei ist immer der richtige Ansprechpartner. Sie muss allerdings nicht unbedingt informiert werden, wenn die Schuldfrage klar ist, und die beteiligten Parteien ihre Kontakt- und Versicherungsdaten austauschen.

So empfehle es sich, beispielsweise auf einem Supermarktparkplatz zunächst einige Zeit auf den Geschädigten zu warten und dann das weitere Vorgehen zu besprechen. Bei Unfällen im fließenden Verkehr ist die Schuldfrage oftmals strittig. Dann ist ein Anruf bei der 110 ratsam. Wenn die Polizei ausrückt, ist nach dem Bußgeldkatalog ein Verwarnungsgeld für den Verursacher fällig.

Was muss ich beachten, wenn ich die Sache ohne Polizei regeln will?

„Sie sollten sich unbedingt den Personalausweis des Verursachers zeigen lassen und sich dessen Kennzeichen notieren“, empfiehlt Steffens. Außerdem sei es ratsam, sich einen europäischen Unfallbericht ins Handschuhfach zu legen. Dieses Formular enthält alle wichtigen Informationen und ist im Internet erhältlich.

Was ist, wenn ich einen Poller umfahre oder gegen eine Mauer oder ein Straßenschild stoße?

„Auch dann sollten sie den Unfall der Polizei melden“, sagt Steffens. Schließlich gebe es auch dann Menschen, die einen Anspruch auf Schadensersatz haben. Wenn Autofahrer aber zum Beispiel gegen den Wagen eines Nachbarn fahren, ein anderer Nachbar das sieht und bezeugen kann, dann kann es durchaus zulässig sein, den Unfallort zu verlassen, und den Nachbar zu informieren, sobald dieser wieder zu Hause ist. Wichtig ist dabei aber die dritte, feststellungsberechtigte Person, wie es unter Fachleuten heißt.

Was soll ich machen, wenn ich Zeuge einer Unfallflucht werde?

„Wer sich traut, kann den Verursacher natürlich direkt ansprechen“, sagt Steffens. Ansonsten sei es wichtig, sich das Kennzeichen, Fahrzeugtyp, die Farbe des Autos und das Aussehen der Person zu merken und dies der Polizei zu melden. Oftmals helfen auch die Videoüberwachungsanlagen auf Parkplätzen bei der Suche nach den Verursachern. Zeugen sind für die Polizei bei der Ermittlung der Täter unentbehrlich. Ohne jegliche Hinweise ist es kaum möglich, den Täter zu finden. In Niederzier haben Zeugen in dieser Woche in der „Neuen Mitte“ alles richtig gemacht — und die Polizei konnte einen Unfallflüchtigen, der gegen ein anderes Auto gefahren war, schnell ermitteln.

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