Powervolleys: Unerwartet Nationalspieler geworden

Powervolleys : Unerwartet Nationalspieler geworden

Damit, dass er am Montagabend am Frankfurter Flughafen sitzt, um auf einen Flieger gen Brasilien zu warten, hatte Lukas Maase noch am Sonntag nicht gerechnet. Bis zum Wochenende gehörte der Spieler des Volleyball-Bundesligisten SWD Powervolleys Düren dem Kader der deutschen B-Nationalmannschaft an. Der trainiert aktuell in Friedrichshafen, mit dabei sind unter anderem die Dürener Neuzugänge Egor Bogachev und Eric Burggräf. Und eigentlich auch Maase. Bis der am Montag schnell schnell seine Sachen packen und nach Frankfurt reisen musste.

Bundestrainer Andrea Giani hat den 20-Jährigen aus Friedrichshafen abkommandiert. Am späten Montagabend saß er mit Flieger, der die deutsche A-Auswahl zum nächsten Turnier im Rahmen der Nations League bei Olympiasieger Brasilien gebracht hat.

Auf welcher Position?

„Das kam alles sehr plötzlich“, sagte Maase kurz vor dem Abflug. „Und ich weiß auch noch nicht, was ich bei der Nationalmannschaft tun soll.“ Volleyball spielen, so viel ist klar. Aber auf welcher Position? Maase hat gerade seine erste Saison in der Bundesliga hinter sich, im vergangenen Jahr war er aus der zweiten Liga nach Düren gewechselt. Als Mittelblocker erhielt er schon recht viele Spielanteile, weil die Powervolleys hier ein paar Verletzungssorgen hatten. Sein Vertrag wurde auch als Mittelblocker verlängert. Als solcher reiste der 2,12-Meter-Mann Anfang Mai auch zum ersten Trainingslager der Nationalmannschaft. Bundestrainer Ginai hatte damals viele Mittelblocker zur Verfügung, aber zu wenig Hauptangreifer, experimentierte und blieb bei Maase hängen.

„Lukas hat da im Angriff fast jeden Block gegen ihn ignoriert“, sagte Tomáš Kocian, Dürens Spielmacher, der vor wenigen Wochen als Spätberufener sein Debüt im Nationaltrikot gefeiert hat, jetzt aber eine Pause erhält. Jedenfalls hat Maase mächtig Eindruck gemacht und Giani legte fest, dass der 20-Jährige fortan auf der ungewohnten Position trainieren soll. „Ich hatte keine Ahnung, dass das so gut klappen könnte“, berichtete Maase über das Training auf einer Position, deren Bewegungsabläufe und Muster bisher nicht zu seinem Repertoire gehören.

Natürlich ist Maase nach acht Wochen Training kein perfekter Hauptangreifer. Die Erfahrung fehlt, die Kraft in Rumpf und Schulter, um mit so großer Wucht auf den Ball schlagen zu können, dass der Gegner chancenlos ist. Aber die Höhe und das grundsätzliche Talent sind offenbar vorhanden, um auf der Position des wichtigsten Angreifers zu übernehmen.

Die Höhe hat er in Friedrichshafen zum ersten Mal gemessen. „Viele haben mit gefragt, auf welcher Höhe ich auf den Ball schlagen kann. Ich selbst wusste das auch nicht.“ Das Resultat hat ihn verblüfft: 3,65 Meter, ein internationaler Spitzenwert.

Vermutlich wird Lukas Maase in Brasilien trotzdem als Mittelblocker eingesetzt. Denn im Gegensatz zum Trainingsauftakt gibt es bei der Nationalmannschaft jetzt genug Hauptangreifer, aber wenige Mittelblocker. „Ich lasse mich einfach überraschen. Ich bin einfach nur überwältigt, dass ich dabei bin.“ Am Freitag um 23. Uhr deutscher Zeit trifft die deutsche Auswahl auf Russland, am Sonntag um 2 Uhr auf Brasilien und um 23 Uhr auf Bulgarien. Vielleicht mit dem einen oder anderen Kurzeinsatz für Maase.

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