UN-Behindertenrechtskonvention: Was heißt das für Düren?

Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention : Viel mehr als gemeinsame Bildung

Uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung, gemeinsamer Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern, das gleiche Recht auf Arbeit – vor ziemlich genau zehn Jahren, nämlich am 26. März 2009, ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten.

Anlass für Liesel Koschorreck (SPD), Sozialausschussvorsitzende der Stadt Düren, und Kirstin Fuss, seit zwei Jahren Vorsitzende des Inklusionsbeirates, die Frage zu stellen, wo Düren in Sachen Inklusion eigentlich steht.

„Das Ziel“, sagt Liesel Koschorreck, „muss eine inklusive Stadtgesellschaft sein. Davon sind wir aber noch weit entfernt.“ Gleichwohl, ergänzt die Sozialdemokratin, fange man in Düren auch nicht erst bei Null an. „Düren ist gut vernetzt. Es gibt sehr viele Verbände und Institutionen, die sich mit den Belangen von behinderten Menschen intensiv befassen. Trotzdem haben wir noch viel zu tun.“

Seit 2013 ist der Inklusionsbeirat, der bis dahin Behindertenbeirat hieß, ein direkter Unterausschuss des Sozialausschusses. Alle im Stadtrat vertretenen Parteien entsenden ein Mitglied, dazu sind Behindertenverbände und -institutionen dort vertreten. Koschorreck: „Die enge Verbindung zum Sozialausschuss bedeutet, dass Entscheidungen oder Anträge des Inklusionsbeirates oft direkt in der nächsten Sitzung des Sozialausschusses beraten werden. Die Sitzungstermine der beiden Gremien liegen selten länger als eine Woche auseinander, so dass der Weg bis zu einer Entscheidung nicht mehr so lang ist.“

Zudem beschäftigt sich seit Anfang des Jahres im Rathaus eine Mitarbeiterin mit dem Thema Inklusion. Kochorreck: „Es gibt ebenfalls seit 2013 einen Antrag, eine inklusive Stadtgesellschaft zu entwickeln, aber das ist natürlich schwer zu realisieren, wenn nur Ehrenamtler damit betraut sind.“ Die neue Verwaltungsmitarbeiterin im Rathaus ist im Augenblick damit beschäftigt, eine Bestandsaufnahme zu machen.

„Am Ende“, erklärt Kirstin Fuss, „wünschen wir uns einen Inklusionsplan für unsere Stadt. Dinge wie Bildung, Arbeit, aber auch Wohnen und Mobilität sollen darin verankert werden.“ Gerade im Bereich Wohnen und Mobilität, ergänzt die Vorsitzende des Inklusionsbeirates, hätte die Stadt noch viel zu tun. „Barrierefreie Wohnungen für eine Person in Düren zu finden, ist nahezu unmöglich“, erklärt Fuss. „Das muss sich ändern.“

Natürlich wissen die Frauen, dass weder der Inklusionsbeirat, noch der Sozialausschuss noch die Stadt Düren alleine für mehr Inklusion sorgen können. Koschorreck: „Wir können aber die Voraussetzungen schaffen. Und wir können vielleicht auch im Bewusstsein der Menschen etwas ändern. Viele, die den Begriff Inklusion hören, denken sofort an Schule. Es ist aber ungleich mehr.“

Bewusstsein schaffen

Deswegen wollen die Mitglieder des Inklusionsbeirates vor allem auch Öffentlichkeit schaffen und die Menschen in Düren für die Belange Behinderter sensibilisieren. Kirstin Fuss: „Es geht auch gar nicht darum, dass wir im Zuge der Inklusion spezielle Einrichtungen für Behinderte abschaffen wollen. Menschen, die beispielsweise in einem geschützten Raum arbeiten möchten, sollen das tun können. Aber umgekehrt sollen eben auch Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit haben, auf dem normalen Arbeitsmarkt einen Job zu finden – wenn sie das denn möchten.“

Einen konkreten Zeitrahmen, bis wann der „Dürener Inklusionsplan“ fertig sein soll, gibt es noch nicht. Koschorreck: „Wir stehen in engem Austausch mit der Verwaltung. Das Thema wird auf keinen Fall in Vergessenheit geraten.“

(kin)
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