Düren: Überschwemmungsgebiet: Freude über Discounter weggespült

Düren: Überschwemmungsgebiet: Freude über Discounter weggespült

Dass in Niederau ein großer Discounter gebaut werden soll, ist eigentlich ausgemachte Sache. Ein Markt, in dem die Menschen den täglichen Bedarf decken, fehle, sagt Ralph Schauerte, der Bezirksausschussvorsitzende in Niederau. Der Bebauungsplan ist geändert, ein Betreiber steht parat. Doch nun sieht es so aus, als würde Dürens südlicher Stadtteil weiter auf einen Discounter warten müssen.

Auf dem Grundstück an der Ecke Cyriakusstraße/Kreuzauer Straße geht es nicht mehr. Die Bezirksregierung Köln hat das Land zum Überschwemmungsgebiet erklärt. Und da ist Bauen verboten. Ralph Schauerte versteht die Welt nicht mehr. Seit 67 Jahren wohne er in Niederau. Noch nie habe er im Drover Bach Wasser gesehen.

Um den Drover Bach geht es. Das Gewässer könnte so über die Ufer treten, dass weite Teile des umliegenden Landes überschwemmt werden. Die Bezirksregierung geht dabei von einem Hundertjährigen Hochwasser aus, einem Ereignis, das statistisch gesehen nur einmal in 100 Jahren eintritt. Nach einer EU-Verordnung sind die Mitgliedstaaten angehalten, ihre Überschwemmungsgebiete neu zu bewerten und gegebenenfalls neue auszuweisen.

„Das ist Willkür“, sagt Stefan Weschke, Fraktionsvorsitzender CDU im Dürener Stadtrat, am Freitag bei einem Ortstermin. Für die betroffenen Grundstücksbesitzer bedeute die Neuregelung eine Wertminderung ihres Landes oder ihrer Immobilien. Klagen könnten nur die Eigentümer. Wie viel Aussicht auf Erfolg das hat, ist unklar.

Das Land, auf dem in Niederau der Discounter gebaut werden soll, gehört nicht der Stadt Düren. Deshalb kann sie sich juristisch auch nicht wehren, sondern nur politisch. „Wir suchen das Gespräch“, sagt Stefan Weschke. In Niederau soll unweit des fraglichen Grundstücks ein Regenrückhaltebecken zum Hochwasserschutz gebaut werden, sagt Ralph Schauerte. „Warum das nicht in die Entscheidung der Bezirksregierung einfloss, ist mir schleierhaft.“

Fraktionschef Weschke vermutet, dass die NRW-Regierung mit dem „rigorosen Vorgehen verhindern will, das weiter Land verbraucht wird“. Das Verfahren käme in manchen Fällen einer stillen Enteignung gleich.

Die Bezirksregierung hat die neuen Überschwemmungsgebiete auf Karten im Internet veröffentlicht. Interessenten können sie unter www.lanuv.nrw.de einsehen.

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