Aachen/Düren: Überfall auf Autohaus entpuppt sich als Lügenkonstrukt

Aachen/Düren: Überfall auf Autohaus entpuppt sich als Lügenkonstrukt

Nach dem rätselhaften Abhandenkommen von mutmaßlich 50.000 Euro bei einem Dürener Autohaus hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem Landgericht Aachen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung für einen 27—jährigen Dürener gefordert.

Der Mann sei des Diebstahls überführt, ist sich die Anklagebehörde sicher. Er habe im Fluchtfahrzeug gesessen, als die beiden unbekannten Mittäter am 5. Dezember 2012 klammheimlich und ohne großes Getöse den Batzen Geld aus dem Autohaus trugen.

Es sei „in der Szene“ bekannt gewesen, dass der Autohausbesitzer immer viel Bares bei sich habe. Verteidiger Christian Franz wertet den Fall anders. Er will einen Freispruch erwirken. Ursprünglich war sein Mandant wegen Raubes angeklagt. Denn direkt nach der Tat hatte es geheißen, das Geld sei bei einem bewaffneten Raubüberfall im Autohaus entwendet worden.

Diese Geschichte entpuppte sich später als Lügenkonstrukt. Ein Zeuge hatte nach Ladung des Gerichts bei der Polizei ausgesagt, dass er von seinem damaligen Chef dazu angestiftet worden sei, das sang- und klanglose Verschwinden von 50.000 Euro als eindrucksvollen Raub darzustellen, damit die Versicherung zahlt.

Ins Visier der Ermittler war der einschlägig vorbestrafte Angeklagte gekommen, als man im Fluchtauto auf einer Klarsichthülle mit Unterlagen des Autohauses ausgerechnet seinen Fingerabdruck fand. Der Angeklagte erklärte dies mit dem Umstand, dass er hin und wieder Fahrzeuge auch für das geschädigte Autohaus vermittelt habe. Geld wurde bei dem 27-Jährigen nicht gefunden. Das bleibt verschwunden.

„Ich habe mit der Sache nichts zu tun“, beteuerte er in seinem letzten Wort. „Ich hoffe, dass sie bald den Richtigen finden.“ Ein Urteil will das Gericht am Montag verkünden.

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