Überangebot an Sportplätzen und Hallen in Vettweiß

Finanzen unter die Lupe genommen : Überangebot an Sportplätzen und Hallen in Vettweiß

„Sie sind finanziell nicht in einer Situation, die auf Rosen gebettet ist“, sagte Heinrich Böckelühr, Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA NRW) am Mittwochabend und erzählte damit den versammelten Vettweißer Ratsmitgliedern nichts Neues. Auch die von den Prüfern genannten Baustellen waren keine Überraschungen. Allen voran die Haushaltslage.

Prüferin Sabine Jary war eine von vier GPA-Mitarbeitern, die von Februar bis November 2018 Vettweiß unter die Lupe nahmen. Jary prüfte die Finanzen der Kommune und kam zu dem Schluss: „Durch den Eigenkapitalverzehr der letzten Jahre verfügt die Gemeinde Vettweiß nur noch über eine geringe Eigenkapitalausstattung. Die Verschuldungssituation hat sich aufgrund von Liquiditätsengpässen seit dem Jahr 2010 deutlich verschlechtert. Der Konsolidierungsdruck ist somit nach wie vor hoch.“

Positiv sei jedoch, dass Vettweiß in NRW zu den 25 Prozent der Kommunen zählt, welche die wenigsten Mitarbeiter in den Rathäusern haben. „Das zeigt, dass wir mit einer sehr dünnen Personaldecke die umfangreichen Aufgaben einer Wachstumskommune hervorragend gestemmt haben“, sagte Bürgermeister Joachim Kunth (CDU). Da aber Verwaltung und Bauhof am Limit seien, müsse dringend im Stellenplan für 2020 nachjustiert werden.

Im Vergleich zu anderen kleinen kreisangehörigen Kommunen in NRW hielt Vettweiß in Jahr 2016 – welches die GPA prüfte – „ein nahezu maximales Sporthallenangebot für den Schulsport vor. Der Bestand übersteigt deutlich den schulischen Bedarf“, sagte Projektleiter Thorsten Mindel. Die Schließung der Hauptschule in 2018 habe das Überangebot weiter vergrößert. Da sich die Sporthallen aber über die einzelnen Ortsteile verteilen, könne die Gemeinde das errechnete Einsparpotenzial nicht erreichen.

Ganz anders sei das beim Sportplatzangebot. Dort sieht Mindel bessere Optimierungsmöglichkeiten. Rein rechnerisch hielt die Gemeinde 2016 im Schnitt 14 Quadratmeter Sportplatz für jeden Einwohner bereit. NRW-Durchschnitt sind 7 Quadratmeter. Zwar seien die Plätze mit 75 Cent pro Quadratmeter im Unterhalt sehr günstig (der Schnitt liegt bei 1,30 Euro), weil es aber so viele Flächen seien, käme einiges zusammen, erklärt Mindel. Dabei ging er von einer Auslastung von 60 Prozent aus.

Genaue Zahlen liegen hier aber nicht vor, da die Vereine ihre Nutzung nicht bei der Gemeinde melden müssen. Die GPA empfiehlt deshalb, die tatsächliche Nutzung nicht nur zu erfassen, sondern auch zu kontrollieren, um dann entscheiden zu können, ob die Kostenblöcke weiter aufrecht erhalten oder Plätze aufgegeben werden sollen. Diese Frage hält Kunth für eine schwierige, da beispielsweise eine Sportwoche auch gesellschaftsprägend für einen Ort sei. Trotzdem ist er überzeugt: „Das müssen wir mal anpacken.“

(wel)